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Meine Top 10 Filme 2018

Nachdem ich vorgestern meinem Unmut über die größten Kinoenttäuschungen des Jahres Luft gemacht habe, will ich 2018 mit dem positiven Gegenentwurf beschließen: meinen 10 liebsten Filmen.

Die Auswahl fiel diesmal überraschend leicht. Ein Grund dafür ist, dass 2018 kein wirklich starkes Filmjahr war. Stattdessen gab es vor allem im Blockbustersegment viel Mittelmäßiges, zum Jahresausklang ging dem Programm zudem langsam die Puste aus. Dennoch habe ich auch 2018 viele wundervolle, beeindruckende, überraschende und unterhaltsame Momente erleben dürfen. In kleinen wie in großen Filmen, in deutschen wie in amerikanischen Produktionen.

Einige dieser Höhepunkte haben es nur in die engere Auswahl geschafft, sollen aber nicht verschwiegen werden. Die positivste Überraschung des Jahres war wohl Criminal Squad (Kritik), der mit seiner grimmigen Atmosphäre und seinem wuchtigen Shoot-Outs wohlige Erinnerungen an Heat weckte. Eine weitere, sehr späte Überraschung war Spider-Man: A New Universe, der mich visuell absolut weggeblasen hat (ein ausführlicherer Text folgt zeitnah).

Das komplette Gegenteil – ein sehr bedächtiger, melancholischer und eindringlicher Film – war der Western Feinde, der gekonnt Genre-Stereotype aufbrach (Kritik)Molly’s Game wiederum stellte nicht nur Aaron Sorkins Regie-Durchbruch dar, sondern ließ auch sämtliche bekannten Qualität des Mannes mit dem wohl markantesten Drehbuchstil in Hollywood erkennen (Kritik). Nicht minder stark war Bohemian Rhapsody (Kritik), der zwar inhaltlich schwächelte, aber beim wichtigsten Punkt vollends überzeugte: der Inszenierung der Musik. Und nicht zuletzt war da Alfonso Cuaróns Roma, den ich glücklicherweise im Kino genießen durfte, was das ohnehin schon intensive Filmerlebnis noch eindrücklicher machte (Kritik).

Nun aber zu meinen wirklichen Top zehn:

Platz 10: Ready Player One 

Ready Player One kann man für vieles kritisieren: für seine durchschnittliche Story, für seinen CGI-Overkill oder dafür, dass er zu stark auf Referenzen setzt. Doch Steven Spielberg hat mit diesem Film tatsächlich mein inneres Kind wieder erweckt: Lange habe ich nicht mehr derart unbeschwerten Spaß im Kino gehabt. Als große Ode an die Populärkultur ist Ready Player One genau mein Ding.

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Platz 9: Der Hauptmann 

Der Wahnsinn des Krieges bricht sich in Der Hauptmann Bahn und steckt sowohl das Publikum als auch den Protagonisten an. Letzterer – eigentlich ein Deserteur – schlüpft in den finalen Tages des zweiten Weltkriegs in die Verkleidung eines deutschen Hauptmanns und geht vollkommen in dieser Rolle auf. Das hat nicht nur einige unheimlich intensive Momente zur Folge – es lässt in seinem Wahn auch die bekannten Grenzen von Gut und Böse verschwimmen und zeigt, dass niemand vor moralischem und geistigem Verfall gewappnet ist.

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Platz 8: Mission: Impossible – Fallout 

Der Film, der wohl bei jedem auf der Jahresendliste landet, darf auch bei mir nicht fehlen. Mission: Impossible 6 setzt die Entwicklung der Reihe konsequent fort. Das Resultat ist der beste, weil authentischste Actionfilm seit Mad Max: Fury Road. Der Fallschirmsprung, die Prügelei in der Toilette, die Verfolgungsjagd durch London – all das hat sich dank seiner Intensität und brillanten Inszenierung ins Gedächtnis gebrannt. Da kann man selbst die bemüht komplizierte Handlung verschmerzen.

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Platz 7: Styx 

Überraschung: Noch ein Film aus dem deutschsprachigen Raum, der auf meiner Liste gelandet ist. Styx behandelt das wohl brisanteste politischen Thema der Gegenwart – jedoch ohne einen Hauch von Opportunismus. Im Gegenteil erzählt er eine universelle Geschichte über das ideelle, materielle und kulturelle Gefälle zwischen erster und dritter Welt. Eine Rettungssanitäterin begegnet auf einer Segeltour im Atlantik einem sinkenden Schiff voller Flüchtlinge und will ihnen helfen, ist dazu aber nicht in der Lage und wartet vergebens auf Rettungskräfte. Ein Film, der sich in Stille übt und trotzdem so viel zu sagen hat.

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Platz 6: Auslöschung 

Was für eine Schande, dass es das Science-Fiction-Drama Auslöschung nicht in die deutschen Kinos geschafft hat. Genau dort hätte Alex Garlands Film über eine Gruppe Soldatinnen, die eine verseuchte Zone erforschen soll, nämlich hingehört. Immerhin konnte sich Netflix für eine Veröffentlichung begeistern und hat uns damit einen gleichsam vielschichtigen wie visuell überragenden Film zur Verfügung gestellt.

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Platz 5: Hereditary 

Horror, wie er sein muss: Hereditary setzt nicht auf billige Jumpscares, sondern auf eine konstant schauderhafte Atmosphäre des Unwohlseins. Die baut er sowohl durch eine kryptische Story und überraschende Wendungen wie auch durch seine grandiose Inszenierung auf: jede Einstellung, jeder Schwenk, jeder Schnitt, jeder Soundschnipsel ist ein kleines Geschenk. Regisseur Ari Aster hat mit seinem Debüt die Messlatte für kommende Werke sehr hoch gehängt.

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Platz 4: I, Tonya 

Ich mag Biopics – doch nur wenige können mich so begeistern wie I, Tonya. Die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding (eine fantastische Margot Robbie) kommt mit derart viel Tempo, erzählerischer Dynamik und Humor daher, dass es eine absolute Freude ist, Harding bei ihren Erfolgen und Verfehlungen zuzusehen. I, Tonya vollbringt zwei Kunststücke: Mich zwei Stunden lang für Eiskunstlauf zu interessieren und zugleich seine unklare bis widersprüchliche Faktenlage offenzulegen. Bis zum Ende bleibt er deshalb absolut ambivalent. Schade, dass er schlussendlich doch seiner Hauptfigur zur Seite springt – das aber ist auch schon seine einzige Schwachstelle.

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Platz 3: Avengers: Infinity War 

Noch eine Überraschung: Erstmals hat es ein Superheldenfilm auf meine Top-10-Liste geschafft. Der Grund: Infinity War gönnt sich den Luxus, auf große Charakterexposition zu verzichten und deshalb endlich eine andere Geschichte erzählen zu können. Die wird getragen vom besten Antagonisten seit The Dark Knight, gewährt den zahllosen Figur des Marvel-Universum einen fairen Storyanteil und wechselt derart elegant zwischen den Handlungssträngen, dass man nie das Gefühl bekommt, einer weniger relevanter Plotlinie zu folgen. Vollkommen Wurscht, dass der Nachfolger das überraschende Finale wohl obsolet machen wird – dieser Film hat viel zu viele Qualitäten.

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Platz 2: Aufbruch zum Mond 

Die Silbermedaille geht 2018 an Damien Chazelles Ausflug ins ehrwürdige Genre des Historiendramas. Wer gedacht hätte, knapp 50 Jahre nach der Mondlandung gäbe es nichts mehr darüber zu erzählen, wird mit Aufbruch zum Mond eines Besseren belehrt. Der umgeht gekonnt die Patriotismusfalle, indem er nicht die Ideologie, sondern die Menschen in den Mittelpunkt rückt, die das Raumfahrtprogramm begründeten und ermöglichten. Ryan Gosling spielt Neil Armstrong als verschlossenen, innerlich zerrissenen und unsicheren Helden. Und dann wäre da noch die grandiose Inszenierung, die die Ausflüge ins All für mich zu den intensivsten Kinomomenten dieses Jahres gemacht hat.

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Platz 1: Your Name. 

Die letzte Überraschung: Mein Film des Jahres ist ein Anime. Wie großartig Your Name ist, dürfte man inzwischen von allen möglichen Stellen gehört haben. Um meine Entscheidung zu begründen, genügt deshalb vielleicht der Hinweis, dass er die drei „H“s, die mir ein Film bieten sollte, in Perfektion verkörpert: Hirn, Herz und Handwerk. Hinzu kommt der schlichte Fakt, dass Your Name visuell der schönste Film ist, den ich je gesehen habe.

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Und damit möchte ich allen Lesern und Kommentatoren einen großen Dank für ihre Treue und ihr Interesse in diesem Jahr aussprechen. Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins Jahr 2019!

Bilder:
Header: (c) Christian Neffe
Platz 10: (c) Warner Bros.
Platz 9: (c) Weltkino
Platz 8: (c) Paramount Pictures
Platz 7: (c) Zorro Film
Platz 6: (c) Netflix
Platz 5 (c) Splendid Film
Platz 4: (c) DCM
Platz 3: (c) Disney/Marvel Studios
Platz 2: (c) Universal
Platz 1: (c) Universum Film

12 Kommentare zu „Meine Top 10 Filme 2018 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Auch wenn mein Filmrückblick 2018 erst Ende Januar erscheint, kann ich sagen, dass Mission Impossible Fallout auch bei mir weit vorne landen wird. Wegen der von dir angesprochenen Schwächen wird Ready Player One etwas weder hinten landen. Auslöschung; I, Tonya; Der Hauptmann und Your Name möchte ich im Januar noch nachholen. Ich wünsche dir auch einen Guten Rutsch ins neue Jahr, es war eine Freude deine Filmbesprechungen zu lesen.

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    • Falls sich irgendwann noch die Gelegenheit ergeben sollte und er bei dir in der Nähe nochmal gespielt wird: Unbedingt im Kino sehen. Zur Not auf nem großen TV und mit fetter Anlage

      Liken

  2. Ich kenne leider ebenfalls nur einen Film aus deiner Top Ten und das ist LEIDER „Ready Player One“. Also über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten, aber ich habe das Buch gelesen (ich weiß nicht, ob du es kennst!) und fand es schlicht mittelmäßig. Das Filme nicht 1:1 genau so umgesetzt werden können, ist mir auch bewusst, aber ich hatte leider absolut keinen Spaß an „Ready Player One“. Gutes konnte ich dem Film insofern abgewinnen, als dass die Auswahl der Darsteller optisch wirklich klasse war. Aber hey, ist doch schön, wenn du Spaß hattest.

    Die übrigen 9 Filme stehen dann wohl auch mal auf meiner Liste derer, die ich leider nachholen muss.

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    • Ich habe das Buch nicht gelesen, obwohl ich das eigentlich vorhatte, und glaube, dass das mein Vorteil war, weil ich deshalb ohne irgendwelche Erwartungen reingegangen bin. Der Film hat natürlich den Vorteil, dass er all die visuellen Elemente – die Figuren, die Objekte, die Orte – tatsächlich darstellen kann und es nicht der Vorstellung der Zuschauer überlassen muss, so wie das Buch.

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  3. Auf deine Rezension von Spider Man warte ich sehnsüchtig – ich bin nicht sicher, ob ich noch ins Kino spurten sollte …
    Ansonsten: herzlichen Dank für deinen Rückblick! Da sind mir doch einige deiner Kritiken durch die Lappen gegangen, das muss ich schnellstmöglich nachholen! Von einigen Filmen gar nicht erst zu reden … o.O

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