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Im Kino: Alita – Battle Angel

Robert Rodriguez, ARG/CAN/USA 2019

Alita: Battle Angel ist eine der besten Manga-Realverfilmungen, die mir bisher begegnet sind. Nach Ghost in the Shell und diversen Netflix-Produktionen (u.a. Death Note) ist das allerdings noch lange kein Siegel, das hohe Qualität verspricht. Tatsächlich gehen die Probleme schon im ersten Filmdrittel los. Die Exposition hat viel zu viel Material zu bewältigen und nimmt sich dafür enorm viel Zeit – dennoch bleiben einige Fragen offen.

Dabei ist die Welt von Alita überaus interessant. Im 26. Jahrhundert ist die Erde noch immer von einem schweren Krieg gekennzeichnet, der vor 300 Jahren wütete. Iron City, der Schauplatz dieser Geschichte, ist ein Schmelztiegel der Kulturen. In den Straßen tummeln sich die unterschiedlichsten Menschen und Cyborgs, Kopfgeldjäger suchen nach Verbrechern, der brutale Sport Motorball lockt die Massen ins Stadion. Mechanische Körperteile sind da eher Regel denn Ausnahme: Wer keine besitzt, wird abfällig als „Fleischling“ bezeichnet. Einer dieser Fleischlinge ist Dr. Ido, der eines Tages einen inaktiven Cyborg-Körper auf einer Müllhalde entdeckt und ihn wieder zum Laufen bringt. Dem jungen Mädchen mit den großen Augen gibt er den Namen Alita. Der unscheinbar und schmächtig wirkende Cyborg entpuppt sich bald als wahre Kampfmaschine.

Der Auftakt für einen Plot, der sich in altbewährten Bahnen bewegt: Ein paar böse Menschen wollen Alita tot sehen, ein paar gute Menschen helfen ihr. Wie erwähnt nimmt sich der Film zu Beginn ausladend Zeit, um Figuren und Welt zu etablieren, Vergangenheit und Gegenwart zu schildern. Die schiere Masse an Informationen bedingt jedoch, dass sich das erste Drittel reichlich zäh anfühlt. Auch bleiben drängende Fragen wie die nach politischen Strukturen unbeantwortet.

Im zweiten Drittel nimmt Alita jedoch an Fahrt auf – und serviert uns einige grandiose Actionsequenzen. Die sind nicht nur fantastisch animiert, sondern bieten auch stets den notwendigen Überblick über das Geschehen, haben Wucht und sind – trotz FSK-12-Freigabe – wenig zimperlich. Im letzten Drittel zieht das Erzähltempo nochmals an. Allerdings so sehr, dass es sich schon wieder gehetzt anfühlt. Die Konfrontation mit dem Antagonisten wirkt verschenkt. Und so lässt einen die Geschichte eher ernüchtert zurück.

Ebenso übrigens wie die Darsteller: Während Mahershala Ali und Jennifer Connolly bestenfalls solide abliefern, enttäuscht gerade Christoph Waltz als Dr. Ido mit einer überraschend steifen Performance. Rosa Salazar hingegen, die als Körpermodell für Alita diente, haucht ihrer voll-animierten Figur mehr Leben und Sympathie ein, als man beim Anblick des Trailer denken mag. Die Protagonistin – immerhin das ist Regisseur Robert Rodriguez und Produzent James Cameron gelungen – kann diesen Film also durchaus tragen.

Ja, Alita muss sich in narrativer Hinsicht auch einiges an Kritik gefallen lassen. In Summe macht der Film aber mehr richtig als falsch und liefert zwei kurzweilige Stunden solide Unterhaltung, die vor allem ästhetisch bestechen: Sowohl die Action als auch die Stadtkulisse sind ein Augenschmaus. Bleibt zu hoffen, dass der Film erfolgreich genug ist, um eine Fortsetzung zu finanzieren. Die hat der Film dank des halboffenen Endes nämlich nötig.

Mit freundlicher Unterstützung des Regina Palastes Leipzig.

Bilder & Trailer: (c) 20th Century Fox

 

3 Kommentare zu „Im Kino: Alita – Battle Angel Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich bin großer Fan des Mangas und hatte mich sehr auf den Film gefreut. Der war mir dann aber doch zu überfrachtet. Die Charaktere sind kaum zur Geltung gekommen. Man hätte die ganze Motorball Story erst einmal sein lassen sollen. Das kommt in den Comics auch erst nach der Hugo Geschichte. Optisch war der Film auf jeden Fall ein Fest… Und ja, auch wenn ich den Film nicht so mochte, würde ich mich freuen, wenn sie die Story weitererzählen.

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