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Im Kino: Creed 2

Steve Caple Jr., USA 2018

In wenigen Genres werden nach wie vor so vehement alte, man möchte sagen: überkommene Vorstellungen von Männlichkeit zelebriert, wie im Boxfilm: Stets geht es um den einsamen Krieger mit dem stahlharten Körper, der sich aus eigener Kraft bis an die Spitze kämpft. Fäuste, Schweiß, Blut. Das Testosteron fließt in Strömen, bis der Gegner schließlich am Boden liegt. Eine puristische, männliche Dominanz-Fantasie.

Wie angenehm ist es da, dass Creed 2 einen anderen, einen verletzlichen und nachdenklichen Protagonisten zeigt. Adonis Creed (Michael B. Jordan), der nach seinem aufsehenerregenden Sieg am Ende des ersten Creeds nun Weltmeister im Schwergewicht ist, bekommt es hier mit einem Kontrahenten zu tun, der ihn sowohl physisch als auch psychisch herausfordert: Viktor Drago (Florian Munteanu), Sohn jenes Mannes, der einst Adonis‘ Vater im Ring getötet hat.

Die Erzählstruktur von Creed 2 könnte dabei kaum konventioneller sein. Drei Kämpfe markieren Anfang, Mitte und Finale. Dazwischen werden Gespräche geführt, Trainingsmontagen abgefeuert und das emotionale Kernthema des Films ausgehandelt: das Erbe, das an die nächste Generation weitergereicht wird.

Drehte sich der Vorgänger noch um das Gedenken an die ältere Generation – an Apollo Creed und Rocky Balboa (Sylvester Stallone), die wie Monumente im Zentrum der Geschichte thronten – richtet Creed 2 seinen Blick in die Zukunft. Das hat zur Folge, dass die zweite Hälfte für einen Boxfilm erstaunlich still und reflexiv wird. Wer es keine 20 Minuten ohne eine ordentliche Keilerei aushält, bei dem wird hier wohl Müdigkeit aufkommen. Dass sich Creed 2 als Boxfilm aber tatsächlich traut, in solche emotionalen Tiefen abzutauchen, Zweifel am Ziel der Hauptfigur auszuleuchten und dabei auch noch so ehrlich zu berühren zu wissen, ist ein großes Lob wert.

Und so ist Creed 2 alles andere als die befürchtete schludrige Fortsetzung, sondern tatsächlich ein sehr runder Streifen geworden, der die wichtigsten Genre-Konventionen bedient, sie aber mit der ausreichend Frische und Eigenständigkeit würzt. Dazu: tolle Schauspieler, ein wuchtiger Soundtrack und eine Kameraarbeit, die unaufdringlich daherkommt und gleichsam grandiose Bilder zu kreieren weiß. Creed 2 kommt sehr nah an die Güte seines Vorgängers heran.

 

Bild & Trailer: (c) Warner Bros.

 

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