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Im Kino: Captain Marvel

Ryan Fleck & Anna Boden, USA 2019

Eigentlich wäre Captain Marvel der jüngste Eintrag in das gegenwärtig größte Filmfranchise der Welt – mit folgenden Wort bereits sehr gut umrissen: einfallslos, banal, unspektakulär und seiner (theoretisch) interessanten Protagonistin in keiner Weise angemessen. Da wir hier aber (zumindest ein wenig) fair bleiben wollen, möchte ich zum inzwischen 21. Film des MCU doch etwas mehr sagen.

Zu aller erst das offensichtlich Erschreckende: Hat es tatsächlich so lange gedauert, bis wir einen Marvel-Film mit einer weiblichen Hauptheldin bekommen haben? Offensichtlich ja, weshalb die „Women Empowerment“-Keule hier mit voller Macht geschwungen werden muss und sämtliche Männer zu Projektionsflächen billiger Witzchen degradiert werden. Die Kerle sind allesamt entweder unfähig, debil, überheblich oder alles zusammen. Dabei zeigte doch Wonder Woman von gar nicht allzu langer Zeit, dass pro-feministisches Statement und eine starke, halbwegs tiefgründe Frauenfigur auch möglich sind, ohne dies einzig auf dem Rücken des männlichen Casts auszutragen.

Brie Larson (l.) und Jude Law (m.) in „Captain Marvel“. (c) Marvel Entertainment/Disney

Aber halt, habe ich nicht die Story vergessen? Ist nicht schlimm, denn Captain Marvel ist ziemlich genau das, was man erwarten durfte – und sogar noch etwas weniger. Eine typischen Origin-Story, die zwar strukturell aus der Masse herausstechen will, die Vergangenheit der Protagonistin aber lediglich in einigen Flashbacks abhandelt, was in der finalen Umsetzung leider äußerst lieblos und Flickenteppich-artig daherkommt. Kurze Zusammenfassung: Eine Kämpferin der „edlen Kriegerhelden“ Kree stürzt auf der Erde ab und muss die Schatten ihrer Vergangenheit erhellen, um Schlimmeres zu verhindern.

Die einzigen Pluspunkte von Captain Marvel sind tatsächlich Hauptdarstellerin Brie Larson (deren Rolle aber leider viel zu wenig Profil bekommt) und die Figur des Nick Fury (Samuel L. Jackson), der zum zwischenzeitlichen Sidekick wird und sich in diesem Film erstmals von der schablonenartig-simplen Charakterisierung in den letzten Marvel-Film lösen darf. Man sieht beiden gerne zu und lacht sogar des Öfteren auch über die teils arg verkrampften Witzchen – bis die nächste Action-Sequenz folgt.

Die sind nämlich ausnahmslos durchschnittlich inszeniert und reißen zu keiner Sekunde mit. Dabei versprach die angeblich mächtigste Figur im Marvel-Stall doch etwas ganz anderes: spektakuläre Kämpfe, wuchtige Explosionen, mächtige Konfrontationen. Was wir bekommen, sind dröge Prügeleien und schlussendlich ein Gefecht im Weltall, das kaum unspektakulärer sein könnte.

Sorry, Marvel, aber das war nichts. Captain Marvel hat einzig deshalb ein gewissen Schauwert, weil er das letzte Puzzlestück vor dem großen Endgame ist. Wirklich nötig ist das aber nicht. Denn die Figur, die dem Film seinen Titel verleiht, ist derart profillos, dass man den Eindruck bekommen könnte, dieser so großen Comic- und Filmschmiede sind Frauen vollkommen egal. Noch nie (außer vielleicht bei Suicide Squad) kam ich nach einem Superheldenfilm derart unterwältigt aus dem Kino.

Bilder & Trailer: (c) Marvel Entertainment/Disney

11 Kommentare zu „Im Kino: Captain Marvel Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich stimme dir zu: das schlagkräftigste Argument pro Captain Marvel ist unglücklicherweise „Endgame“ – schon traurig, da wäre viel mehr gegangen. Vor allem, wenn man Captain Marvel ähnlich viel Zeit zur Entwicklung zugestanden hätte wie etwa Iron Man …

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