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Im Kino: Pokémon – Meisterdetektiv Pikachu

Pokémon: Detective Pikachu, Rob Letterman, USA/JPN 2019

Als der Pokémon-Hype in den 1990ern nach Deutschland schwappte, gehörte ich unweigerlich zu seinen Opfern, lag ich mit meinen frischen sieben Jahren doch inmitten der Zielgruppe der japanischen Taschenmonster. Videospiele, Sammelkarten, Animefilme und -serien – ich war überall dabei und habe Unmengen meines Taschengeldes (bzw. des Geldes meiner Eltern) in den Rachen dieses Franchises geworfen.

Gut 20 Jahre später erhält die Marke mit Meisterdetektiv Pikachu nun ihren ersten Realfilm. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, mir den anzuschauen. Doch ein Fauxpas bei der Überprüfung des Kinoprogramms führte dazu, dass wir statt des geplanten Fighting with my Family spontan auf den Meisterdetektiv umstiegen. Und zumindest in der ersten Filmhälfte habe ich das auch nicht bereut.

Die weiß nämlich mit viel Charme, Kreativität und einer makellosen technischen Umsetzung zu überzeugen. Dass die Geschichte sogleich mit dem mutmaßlichen Tod des Vaters unseres Protagonisten Tim Goodman (Justice Smith) beginnt, setzt schon mal eine Marke. Tim, der seit Jahren keinen Kontakt zu seinem Papa hatte, ist damit nun zum Vollwaisen geworden und begibt sich nach Ryme City, um sich um die Wohnung seines Vaters zu kümmern. Dort hat sich ein Pikachu verschanzt, das unvermittelt zu plappern beginnt und einzig von Tim verstanden wird. Was folgt, ist eine Suche nach Tims Vater, zugleich Pikachus ehemaliger Partner, denn natürlich deuten die Hinweise darauf hin, dass der Mann quietschlebendig ist. Dass sich die Polizei nicht daran zu stört, dass es keine Leiche gibt, ignorieren wir mal.

Denn, und das muss ich anstandslos anerkennen, Ryme City ist ein Ort, der einen von Beginn an in den Bann zieht. Im Gegensatz zum Rest der von Pokémon bevölkerten Welt – so erzählt es der Film – werden die Tierchen hier nicht für Kämpfe missbraucht, sondern leben außerhalb von Pokébällen friedlich mit den Menschen zusammen und helfen auch im Alltag aus, beispielsweise bei der Bekämpfung von Bränden. So strotz die erste Hälfte vor Aufnahmen, in denen die großartig animierten Monster durch die Straßen laufen, kraxeln und fliegen. Das ist derart selbstverständlich, detailverliebt und leidenschaftlich inszeniert, dass ich viel Freude hatte – gleichwohl etwaige nostalgische Flashbacks (den einzigen bekam ich aufgrund der Pokémon-Karten, die es am Einlass gab) bis zum Ende ausblieben.

Hinzu kommt, dass die zweite Hälfte spürbar abfällt. Spätestens wenn die Geschichte – anfangs noch ein Krimi mit dezenten Film-Noir-Anleihen – das Heldengespann in eine zerstörte Forschungsanlage führt, hört man die Klischee-Glocken läuten. Noch stärker aber krankt der finale Akt am Bösewicht, dessen Motivation und Masterplan schlicht Quark sind. Da kamen dann auch dicke Fremdschamgefühle auf.

Was die erste Hälfte gegenüber der zweiten ebenfalls deutlich stärker macht, ist die Keckheit mit der Ryan Reynolds der gelben Elektromaus Leben einhaucht. Da fallen im Sekundentakt Sprüche, deren Zweideutigkeit vor allem beim älteren Publikum für derbe Lacher sorgt, während sich die Kleinen weiterhin an der großartigen Animationstechnik erfreuen. Gegen Ende vermisst man diese Sprüche aber sehr. Meisterdetektiv Pikachu entpuppt sich so als okayer Streifen mit gutem Beginn, der jedoch sukzessive schwächer wird. Für Pokémon-Fans – sowohl die Neuen, als auch die, die es geblieben sind – sicherlich jedoch ein Fest.

Bild & Trailer: (c) Warner Bros. Pictures

20 Kommentare zu „Im Kino: Pokémon – Meisterdetektiv Pikachu Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hast du den auf Deutsch oder auf Englisch geguckt? Ich überlege die ganze Zeit, den auf Deutsch zu gucken… da ich ja die Namen der Pokemon nicht auf Englisch kenne. 😅

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    • Habe ihn auf Deutsch gesehen und da geht – soweit ich das beurteilen kann – auch der Wortwitz zum Glück nicht unter. Die Namen der Pokemon sind aber ziemlich egal. Man erkennt sie rein optisch, aber inhaltlich spielen die Namen keine Rolle.

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      • Ah okay… Aber trotzdem werde ich ihn mir wohl eher auf Deutsch angucken wollen. Enton bleibt einfach Enton, Psyduck klingt zu komisch. 😂

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  2. Ich mochte den Film, wie erwartet 🙂
    Die Welt war großartig, die ganzen Pokemon-Insider ein Fest für jeden Fan und Enton hat mich gekillt 😀
    Das Ende fand ich auch schwach und die Motivation von Mewtu ist im Original tausendmal interessanter als der eigentliche Bösewicht.

    Gefällt 1 Person

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