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Loving Vioncent

Dorota Kobiela/Hugh Welchman, POL/UK 2017

Mehr als 100 Künstler und weit mehr als 50.000 Einzelbilder waren nötig, um diesen Film fertigzustellen. Und dank dieses Aufwands kann man Loving Vincent zurecht als bisher größte künstlerische Liebeserklärung an Vincent von Gogh bezeichnen, versucht er doch, über gut 90 Minuten hinweg dem Leben und Wirken des Malers gerecht zu werden sowie den Umständen seines Todes auf den Grund zu gehen. Denn die sind bis heute nicht abschließend geklärt.

Die Handlung setzt ein Jahr nach von Goghs Tod ein und bedient sich eines Citizen Kaneartigen Plots: Ein gewisser Armand Roulin (Douglas Booth) soll eigentlich nur einen alten Brief des Malers an dessen Bruder ausliefern, begibt sich aber alsbald auf die Suche nach der wahren Ursache für den mutmaßlichen Suizid van Goghs (Robert Gulaczyk). Seine Quellen sind jene Menschen, mit denen der Maler zuletzt Kontakt hatte: die junge Besitzerin eines Gasthofs (Eleanor Tomlinson), der Arzt (Jerome Flynn), die Geliebte (Saoirse Ronan). Ähnlich Akira Kurosawas Rashomon schildern sie alle die gleichen Situationen, die verschiedenen Perspektiven lassen jedoch unterschiedliche Interpretationen zu. Weder will noch kann sich Loving Vincent schlussendlich darauf festlegen, ob van Gogh nun genial oder irre war. Das eine schließt das andere ja aber nicht aus.

Während der Plot eher unkonkret bleibt, ist die Ästhetik umso konsequenter. Die ist im wahrsten Sinne des Wortes wie gemalt und verbeugt sich vor dem impressionistischen Ölstil des Niederländers, indem sie ihn permanent imitiert und referenziert. Sämtliche Figuren, ihr Aussehen, ihre Körpersprache, ihre Positionierung im Bild sind van Goghs Bildern entliehen, die Totalen gar komplette Kopien. Die Gegenwart gehört also ganz dem Maler – die Rückblicke hingegen bieten durch ihre schwarz-weiße Gestaltung visuelle Abwechslung und Abgrenzung. Und dem Zuschauer zudem die nötige Verschnaufpausen vom reißenden Fluss der sonst so intensiven Farben. Denn Ruhe herrscht in diesen Bildern nie, und seien es nur die Gesichtszüge der Menschen, die stets in Bewegung sind und sie fast lebendiger erscheinen lassen als die Realität.

Allerdings sind die Bilder in Loving Vincent auch etwas zu perfekt: Die charakteristischen perspektivischen Fehlers van Goghs mussten im Großteil des Films weichen, wohl um die 94 Minuten durchgängig anschaubar zu machen. Das Resultat ist nichtsdestotrotz ein inhaltlich solider und stilistisch überaus ambitionierter Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.

imdb / Trailer

Bild & Trailer: (c) Weltkino Filmverleih

 

 

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