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Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story

Martin Scorsese, USA 2019

Martin Scorsese und Bob Dylan – zwei Meister ihres Fachs. Nun hat Ersterer (erneut) eine Dokumentation über Letzteren gedreht, wobei die sich nur in zweiter Linie um Dylan selbst dreht. Im eigentlichen Fokus steht die „Rolling Thunder“-Tour, die Dylan von 1975 bis 76 quer durch die USA führte und auf die er zahlreiche Musiker, Künstler und Poeten mitnahm. Aus dem Material, das damals gedreht wurde, und aktuellen Interviews fügte Scorsese nun also diesen Dokumentarfilm zusammen. Oder vielmehr: diesen Pseudo-Dokumentarfilm, denn einige Figuren, Szenen und Anekdoten sind überdramatisiert oder gänzlich erfunden.

Zugegeben, ich bin kein großer Kenner (nichtsdestotrotz Bewunderer) von Bob Dylan. Dass ich über diese augenscheinlich offenkundigen Taschenspielertricks der Beteiligten erst im Nachhinein erfuhr, zeigt jedoch, dass es Scorsese hier sehr gut gelungen ist, Fakten und Fiktionen miteinander zu mischen.

Letztlich ist das aber zweitrangig. Denn das, was porträtiert wird – Bob Dylan, seine Entourage, das Tour-Leben „on the road“, der Prozess des Musik-Machens, die Live-Auftritte – sind schon für sich genommen faszinierend. Als Gesamtkomposition werden sie zu einer Erfahrung. Denn der Flickenteppich aus Interviews und Behind-the-Scenes-Material wird gänzlich von Dylans Musik zusammengehalten. An dieser Stelle wagt Scorsese etwas, das ich so bisher noch nie in einer Musik-Doku gesehen habe und das nicht zuletzt der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass dieser Film für Netflix (sprich: die heimische Couch) und nicht fürs Kino produziert wurde: Er spielt mehrere Songs des Nobelpreisträgers in Form von Live-Auftritten über die volle Länge aus.

Was anfangs ungewöhnlich wirkt, weil es enorm Tempo aus der Erzählung nimmt. Doch dem Dylan von damals gelingt es auch heute noch, den Beobachter wie ein Schlangenbeschwörer in seinen Bann zu ziehen. Mit weiß gefärbtem Gesicht bellt er seine Poesie in Publikum, jede Regung seines Körpers, jeder Ton aus seiner Mundharmonika oder von der begleitenden Violine ist eine Wonne. Weshalb es auch reichlich egal ist, wie wahrheitsgetreu der inhaltliche Rahmen dieses Films ist. Die Musik ist umso wahrhaftiger.

imdb / Trailer

Bild: (c) Netflix

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3 Kommentare zu „Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story Hinterlasse einen Kommentar

  1. Puh, damit habe ich mich echt schwergetan. Grundsätzlich bin ich ein großer Fan von Musik-Dokus, auch wenn es zum Künstler geht, die – wie Dylan – nicht grad zu meinen Lieblingen zählen. Bei „ Roling Thunder“ wirkte alles irgendwie konzeptionslos und wirr auf mich. Dass es sich hier um eine Quasi-Mockumentary handelt, wusste ich hierbei allerdings nicht. Dafür waren die Hinweise für mich nicht eindeutig genug, zumal ich auch von der Tour, bzw. dem damit verbundenen Konzept vorher ebenfalls noch nie gehört hatte. So kam das Ganze bei mir eher wie eine beliebig zusammengeschnittene Collage aus Interviews, Jam- Sessions und Konzert-Mitschnitten an.
    Und den angesprochene Benefit aus voll ausgespielten Live-Performances fand ich einfach nur anstrengend,

    Gefällt 1 Person

    • Kommt vielleicht drauf an, in welcher Situation man den hier schaut. Ich hatte mich ganz gemächlich auf die Couch gepflanzt und wollte nebenher ein wenig dösen (was dann doch nicht gelungen ist…)
      Insofern fand ich die Entschleunigung durch die Liveauftritte extrem angenehm

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: audiovisuell

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