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Victoria & Abdul

Stephen Frears, USA/UK 2017

Kostümfilm, Historien-Drama, Culture-Clash-Komödie: Victoria & Abdul ist von alldem ein bisschen, aber nichts so wirklich. Erzählt wird die wahre (wenngleich überdramatisierte) Geschichte des Inders Abdul Kazim (Ali Fazal), der Ende des 19. Jahrhunderts zufällig am Hofe der englischen Königin Victoria (Judi Dench) landet. Die ist zu diesem Zeitpunkt körperlich wie geistig ausgemergelt, sitzt nur noch ihre Zeit ab und ist sichtlich entnervt von den Gepflogenheiten am Hof. Dank Abdul erlebt sie aber so etwas wie einen zweiten Frühling. Durch seine Sprache, seine Kultur, seine Philosophie gelingt es dem jungen Moslem, die altersmüde Monarchin wieder für etwas Neues zu interessieren und zu begeistern – natürlich zum Missmut des restlichen Hofstabs.

In der ersten Hälfte trifft Victoria & Abdul dabei die genau richtigen Töne. Mit einer angenehmen Lockerheit werden hier vor allem die englischen respektive westlichen Gepflogenheiten auf die Schippe genommen: Kleidung, Essen, Traditionen werden zur Abwechslung mal aus morgenländischer Perspektive humoristisch beleuchtet („Sie machen Schweineblut in ihre Wurst – das sind Barbaren!“). Doch je weiter der Film voranschreitet, desto ernsthafter wird er – und unter dieser Last bricht er schlussendlich zusammen. Da sollen wir dann Tränen für eine verstorbene Figur vergießen, für die sich zuvor weder der Film noch der Protagonist interessierten. Da werden Konflikte durch stürmisches Wetter begleitet, was die Inszenierung arg aufdringlich wirken lässt. Am ärgerlichsten jedoch: Das Thema Vollverschleierung wird zum einen für einen unfassbar geschmacklosen Gag missbraucht und zum anderen als kulturelle Eigenart akzeptiert, ohne dass auch nur ein Hauch von Kritik aufkäme. Im zeitlichen Kontext sicherlich angemessen – nur ist Victoria & Abdul aber eben ein Film aus dem Jahr 2017.

imdb / Trailer

Bild: (c) Universal Pictures Germany

2 Kommentare zu „Victoria & Abdul Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich fand den Film sterbenslangweilig, gerade weil er sich auf keine wirklich Prämisse einigen konnte. So wurde es ein Genremix ohne sinnvollem roten Faden. Da hilft dann auch keine Judi Dench mehr.

    Gefällt 1 Person

    • Na ja, die Prämisse ist ja im Prinzip: Armer Mann aus östlicher Kultur trifft auf adelige Frau aus westlicher Kultur. Größtmöglicher Kontrast also. Dass er dann zu wenig daraus macht, steht auf einem anderen Blatt…

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