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Fast & Furious – Hobbs & Shaw

Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw, David Leitch, USA 2019 – Wenn zwei sich streiten, freut sich das Publikum. Und auch die Produzenten von Fast & Furious, weshalb nun Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Deckard Shaw (Jason Statham), die sich schon in den letzten beiden Filmen der Reihe Fäuste und Beleidigungen um die Ohren hauten, ein Spin(n)-Off spendiert bekommen. Das will allerdings zu viel und liefert zu wenig.

Für den „Arschtreter“ Hobbs und das „Luxusproblem“ Shaw ist nach ihrer Zusammenarbeit beim Kampf gegen Hackerin Cypher (Charlize Theron in Teil acht) wieder der Alltag eingekehrt, wie eine recht unterhaltsame Splitscreen-Montage zu Beginn zeigt: Aufstehen, Frühstück machen, Pumpen/Bier zapfen, die Familie besuchen, durch die Straßen von Los Angeles/London flanieren und Bösewichte kaputt hauen, um an Informationen und Geld zu kommen. Standard.

CIA und MI6 rekrutieren die beiden Haudraufs jedoch alsbald für einen gemeinsamen Auftrag: Sie sollen Shaws Schwester (Vanessa Kirby) dingfest machen, die bis vor kurzem beim MI6 war, nun ihr Team verraten und einen tödlichen Virus gestohlen haben soll. Wer im Prolog aufgepasst hat, weiß jedoch, dass sie den Erreger eigentlich vor dem ebenfalls ehemaligen Geheimdienstagenten Brixton (herrlich draufgängerisch: Idris Elba) in Sicherheit bringen wollte. Der Plot führt das Duo respektive Trio über drei Kontinente, wo sie eine Menge Arschtritte verteilen und Kaugummi kauen. Ach nein, das war ein anderer Film

Vanessa Kirby und Jason Statham in „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“. (c) Universal

Wobei: Was hier wie und warum passiert, ist irgendwie auch egal. Hobbs & Shaw trägt – bei der Reihe ist das seit Teil fünf ja Usus – seine Schwachsinnigkeit wie ein Abzeichen vor sich her. Realismus? Naturgesetze? Innere Logik? Drauf gepfiffen, solange es nur ordentlich kracht und wummst und fetzt. Das tut es in der Tat. Und doch ist nichts in Hobbs & Shaw so wirklich gelungen.

Da wären zum einen die beiden Protagonisten, denen es an nötigen Kontrasten mangelt, weshalb sich keine Team-Dynamik entwickeln will. Hobbs und Shaw sind eben beides dumpfe Haudraufs (da kann auch ein hochnotpeinliches Nietzsche-Zitat nicht helfen), die permanent gegen- und neben- statt miteinander agieren. Zwar läuft der Film auf die Erkenntnis hinaus, dass beide ein Team werden müssen. Doch bis dahin wurde bereits zu viel Potential verschenkt.

Eine Sache eint die beiden Alphamännchen allerdings doch: Trashtalk. Der ist zu Beginn auch noch echt unterhaltsam, driftet im Mittelteil jedoch in redundante Schwanzvergleiche und „Du bist hässlich“-Sprüche ab. Der Hahnenkampf wird zum Dauerzustand und verliert damit schnell seinen Reiz. Verschenkt sind auch die weiblichen Rollen: Helen Mirren darf nur eine halbe Minute glänzen; Kirby ackert hart, wird vom Drehbuch jedoch gnadenlos ins Korsett der Damsel in Distress gezwängt – auch wenn sie sich meist selbst daraus befreien darf.

Bleiben noch Story und Action. Erstere wirkt hemmungslos aufgebläht: Ein Virus, der die komplette Menschheit bedroht? Eine geheime Organisation, die mithilfe modernster Technologie die nächste Evolutionsstufe erreichen und die Weltherrschaft an sich reißen will? Sicher, das passt zum inzwischen voll ausgewachsenen Wahnsinn der Reihe, ist dann aber doch zu viel des Guten, zumal das Schicksal der Weltbevölkerung hier einzig zwei testosterongeladenen Hornochsen überantwortet wird. Die Action ist deutlich unterhaltsamer, leidet jedoch unter der wackeligen Kamera, schnellen Schnitten und einem für die Reihe ungewohnt hohen Anteil mittelmäßiger digitaler Effekte. Angesichts solcher Musterbeispiele wie John Wick 3 hätte man da schon etwas mehr erwarten dürfen.

Einziger echter Lichtblick von Hobbs & Shaw: Idris Elba, der sich schon in der ersten Minute nonchalant als „der Böse“ vorstellt und sichtlich Spaß in seiner Rolle als miesgelaunter „black Superman“ hat. Zwar besteht sein Wortschatz ebenfalls nur aus Plattitüden, doch die Mischung aus Bond-Bösewicht und (passend zu Nietzsche) Übermensch geht auf.

Bleibt am Ende also ein Film, der sich nahtlos in die Serie einreiht, das Figurenarsenal etwas reduziert und noch mehr auf dumpfe One-Liner und Humor setzt. Das Ergebnis ist okay, wenn auch heillos unterfordernd und auch ein wenig entnervend. Gerade das vielversprechende Heldenduo entpuppt sich als eine der größten Schwachpunkte des Films.

Mit freundlicher Unterstützung des Regina Palastes Leipzig!

Bilder & Trailer: (c) Universal

3 Kommentare zu „Fast & Furious – Hobbs & Shaw Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hab den ein bisschen besser aufgenommen als du, was daran liegen könnte, dass ich ziemlich genau so eine Art von Schwachsinn erwartet hab und die beiden Streithähne eher als Highlight denn als Minuspunkt wahrgenommen hab…was aber nichts daran ändert, dass es sich um ein hirnverbranntes Action-Spektakel handelt 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ich habe auch keinesfalls geistreiche Unterhaltung erwartet. Aber dieser Eier- und Schwanzgrößenvergleich wurde irgendwann zu viel und zu peinlich – ich habe mich schon ein wenig fremdgeschämt. Wenn es wenigstens halbwegs gewitzte Beleidigungen gewesen wären, aber das war ja einfach nur komplett platt…

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