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Toy Story 4

Josh Cooley, USA 2019 – Nach drei großartigen Toy Story-Filmen dürfte es selbst den kreativsten Köpfen bei Pixar schwer fallen, etwas zu erzählen, das sich noch nicht bekannt anfühlt. Zumindest der Anfang von Toy Story 4 (den deutschen Titel werde ich hier aus Gründen der Schwachsinnigkeit verschweigen) markiert jedoch einen Bruch mit einer alten Tradition: Statt einer verrückten, gespielten Cowboys-und-Aliens-Geschichte erwartet uns ein gewöhnlicher Rückblick, in dem der rührselige Abschied Porzellinchens (Annie Potts/Alexandra Ludwig) aus der Spielzeug-Truppe geschildert wird. Ein deutliches Foreshadowing auf das, was noch kommen wird.

Das ist – oberflächlich betrachtet – aber auch schon das, was Toy Story 4 am stärksten von seinen Vorgängern unterscheidet. Was folgt, ist die bewährte Geschichte vom Spielzeug, das verloren geht, eine Sinnkrise zu bewältigen hat und seinen Weg zurück finden muss. Diesmal handelt es sich um Forky (Tony Hale/Marc Oliver Schulze), den die kleine Bonnie, welcher die Spielzeuge rund um Woody (Tom Hanks/Michael Herbig) und Buzz Lightyear (Tim Allen/Walter von Hauff) am Ende von Teil drei überantwortet wurden, an ihrem ersten Vorschultag aus Abfällen zusammenbastelt. Die mit Wackelaugen und Knete verzierte Gabel erwacht zum Leben, ist jedoch hin- und hergerissen zwischen dem, was sie sein soll (Spielzeug) und dem, was sie im Inneren noch glaubt zu sein: Müll.

„Toy Story 4“ (c) Pixar/Disney

Woody erkennt sofort, wie wichtig Forky für Bonnies Motivation in der Vorschule ist und muss deshalb zunächst verhindert, dass sich die Gabel ständig in die nächste Mülltonne wirft. Es nützt alles nichts: Auf einem Ausflug nutzt Forky die Gelegenheit, springt aus dem Fenster – und Woody hinterher. Beide landen in einem Antiquariat, wo die ungeliebte Vintage-Puppe Gabby Gabby (Christina Hendriks) das Sagen hat. Die will etwas ganz Spezielles von Woody haben…

Toy Story 4 ist ein weiteres, unnachahmliches Stück Pixar-Kino: erzählerisch rund, emotional berührend, technisch brillant. Dass hier die gleiche Plotstruktur der vergangenen drei Teile zum Einsatz kommt, wird durch die diversen einprägsamen Neuzugänge geschickt überlagert. Neben Forky und Gabby Gabby ist da unter anderem das exzentrische Plüschtierduo Bunny und Ducky (Key & Peele) als Comic-Relief oder die kanadische Stuntman-Actionfigur Duke Caboom (Keanu Reeves).

In all diesen Figuren spiegelt sich das essentielle Thema von Toy Story 4 wieder: Eine innere Zerrissenheit aufgrund der Diskrepanz zwischen dem, was die Welt von ihnen verlangt zu sein, und dem, was sie zu leisten im Stande sind. Der „Duke“ verzweifelt ob der Versprechen der Werbung, denen er nicht gerecht wird. Gabby Gabby will die beste Freundin eines Mädchen sein, verstaubt jedoch im Antiquariat. Und Woody übernimmt mit aller Macht die Rolle von Bonnies Beschützer, überhebt sich aber maßlos und braucht einige Zeit um zu begreifen, dass er auch einmal loslassen muss. Um nicht nur andere, sondern auch sich selbst glücklich zu machen.

So wird Toy Story 4 – zwischen all seinem Humor, seiner Emotionalität und sogar einigen kindgerecht umgesetzten Horror-Elementen – zu einem ehrlichen Statement über den schwierigen Prozess der Selbstfindung. Jedoch ohne in simples „Sei du selbst“ abzudriften. Denn für einige Figuren ist der eigene Weg der richtige – andere hingegen brauchen Hilfe, die ihnen die Richtung weist. Diese Idee wird leider nicht komplett zu Ende geführt, zumal der anfangs so wichtige Forky in der zweiten Hälfte zur Randfigur wird. (Ein Schicksal, das zahlreiche beliebte Figuren aus den Vorgängern im Übrigen von Anfang an erleiden.) Und doch verkörpert Toy Story 4 wieder einmal genau das, was wir an Pixar so lieben: Kreativität, ehrliche Gefühle, technische Makellosigkeit.

Mit freundlichen Unterstützung des Regina Palastes Leipzig!

Bilder & Trailer: (c) Pixar/Disney

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