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Assassination Nation

Sam Levinson, USA 2018 – In grellen, schnell geschnittenen Bildern präsentiert Assassination Nation schon zu Beginn all die anstößigen Dinge, die Laufe der kommenden eineinhalb Stunden auf den Zuschauer zukommen werden. Vollmundig werden dort Homo- und Transphobie, Nacktheit, Gewalt, Kraftausdrücke und anderweit Anstößiges angekündigt. Schon hier beginnt also das Spiel mit Konventionen und Moralvorstellungen.

Und so geht es dann auch weiter: Assassination Nation spielt in der kleinen Stadt Salem, dessen innerer Frieden durch einen Hacker bedroht wird. Der stellt zunächst den Bürgermeister bloß, indem er dessen intimste Geheimnisse öffentlich macht, und weitet den Kreis seiner Opfer später auf die halbe Stadt aus. Daraufhin bricht Purge-artige Anarchie aus. Mittendrin: Die Schülerin Lily Colson (Odessa Young) und drei ihrer Freundinnen.

Die Idee erinnert zunächst an die 20. Staffel von South Park, in der Trolle und Hacker zunächst die Stadt, später das ganze Land ins Chaos stürzen. In Assassination Nation steckt jedoch noch so viel mehr, etwa Referenzen ans Home-Invasion- und Horror-Genre (eine Plansequenz erinnert stark an Halloween) oder Blaxploitation-Filme, mit denen Regisseur Sam Levinson recht freimütig umgeht. Erst im finalen Drittel wird allerdings deutlich, dass Assassination Nation eine quasi postmoderne Neuinterpretation von Arthur Millers Drama Hexenjagd ist – und das nicht nur aufgrund des Schauplatzes Salem. Denn dann – und auf die Zurschaustellung dieser Bigotterie zielt der Film letztlich ab – geht es um weiße, privilegierte Männer, die freizügige Frauen zur Rechenschaft ziehen wollen, um ihre eigene (sexuelle) Amoralität zu kaschieren. Jene Pseudo-Verteidigungsstrategie also, die sich im Zuge der #MeToo-Bewegung großer Beliebtheit erfreute.

„Assassination Nation“ (c) Universum Film

Was steckt noch in Assassination Nation? Nun, vor allem eine Menge Spring Breakers. Daran erinnert die einfallsreiche Inszenierung (kreative Einstellungen, psychidelische Montagen, knallige Farben und Musik) ebenso natürlich wie das Frauenquartett im Mittelpunkt. Dabei sollte man allerdings nicht zu viel erwarten: Der Film braucht einige Zeit, um in Fahrt zu kommen; das Finale verpufft ob der dürftigen Inszenierung der Action und insgesamt ist Assassination Nation auch nicht so provokant, wie er anfangs behauptet. Da wäre durchaus noch mehr gegangen.

Mit all den Themen, die hier angerissen werden (neben den oben genannten geht es etwa auch um sexuelle und geschlechtliche Identität, Emanzipation, das Ende der Privatsphäre oder die Dynamik des Hasses im Amerika von Donald Trump) überhebt sich Levinson (zugleich Drehbuchautor) zudem ein wenig. Die ganz große Botschaft kommt am Ende deshalb nicht durch, dafür gibt es hier sehr viel Ambivalenz, sehr viel abgedrehten Irrsinn und sehr viel Postmoderne. Mir gefiel das außerordentlich gut. Polemische Zeiten brauchen eben manchmal auch polemische Filme.

imdb / Trailer

Bilder: (c) Universum Film

13 Kommentare zu „Assassination Nation Hinterlasse einen Kommentar

  1. Hab nach ca. 40 Minuten recht zügig immer mal wieder vorgespult und weiß schon gar nicht mehr genau wieso. Hab auch bis gerade völlig vergessen gehabt, dass dieser Film existiert. Irgendetwas gegeben hat der Streifen mir ja nicht. Da fand ich Climax – obwohl an Fehlern nicht arm – um viele Stufen mitreißender.

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