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Terminator: Dark Fate

Tim Miller, USA 2019 – Es klang so vielversprechend: Nach einer mittelmäßigen und zwei miserablen Fortsetzungen versprach die Rückkehr von Serienschöpfer James Cameron (wenngleich nur als Produzent), dass die Terminator-Reihe wieder zu altem Glanz zurückfinden könnte. Und tatsächlich ist Dark Fate, so der Untertitel des sechsten Teils, unter der Regie von Deadpool-Schöpfer Tim Miller der beste Terminator seit Film Nummer zwei geworden. Wer allerdings hoffte, dass dessen Klasse auch nur ansatzweise erreicht werden würde, der machte sich wohl selbst etwas vor – und wird im Kino enttäuscht werden.

Dabei hat Dark Fate durchaus Qualitäten. Schon der Einstieg wartet mit einem sehr überraschenden, um nicht zu sagen: schockierenden Moment auf, der hier aber nicht verraten werden soll. Nachdem zudem noch einmal verdeutlicht wird, welches Unheil Sarah Connor, ihr Sohn John und der T-800 Mitte der 1990er in T:2 von der Welt abwendeten (Dark Fate annulliert sämtliche Ereignisse des dritten, vierten und fünften Teils), wechselt das Geschehen ins Mexiko-City der Gegenwart. Dort tauchen – welch Überraschung – erneut zwei nackte Gestalten aus der Zukunft auf, deren Zielperson diesmal die junge Latina Dani (Natalie Reyes) ist.

Der nachfolgende Plot lässt sich dann wahlweise als altbacken oder als traditionell beschreiben: Die Zeitreisende Grace (Mackenzie Davis) will Dani um jeden Preis vor einem neuen Terminator-Modell (Gabriel Luna) beschützen, der ihre Existenz und damit ihre Rolle im Wiederstand der Zukunft beenden will. Es kommt zu Keilereien, explosiven Verfolgungsjagden und einer Handvoll ruhiger Story- und Charaktermomente sowie zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten der Reihe. Eine sichtlich gealterte Sarah Conner (still cool as hell: Linda Hamilton) schreitet alsbald zur Rettung ein – und dominiert von da an einen Film, der inhaltlich zwischen Nostalgie, frischen Ideen und fragwürdigen Drehbuchentscheidungen pendelt.

Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger in „Terminator: Dark Fate“. (c) 20th Century Fox/Paramount

Leider gelingt es den beiden Neuzugängen Davis und Reyes nicht mal ansatzweise, eine mit den Figuren aus T:1 und T:2 vergleichbare Präsenz und Eigenständigkeit zu entwickelt. Grace und Dani bleiben – trotz aller Sympathie – oberflächliche Charaktere, deren Entwicklung völlig vorhersehbar ist. Immerhin versucht das halbe Dutzend Drehbuchautoren, die nach klassischem Terminator-Muster verlaufende Handlung mit einigen zeitgenössischen Aspekten aufzupeppen. Am ehesten gelingt das in Sachen Totalüberwachung: Drohnen, Kameras und Handys machen die Flucht vor der neuen Killermaschine schier unmöglich. Auch die Themen Transhumanismus (verkörpert durch Grace) und Digitalisierung der Arbeit (Danis Burder droht wegen eines Roboters die Kündigung) sowie die Frage, ob und wie Maschinen ein Bewusstsein entwickelt können, werden angerissen und fügen der Geschichte eine frische Brise bei.

Letztlich kratzt all das aber nur an der Oberfläche. Dark Fate hätte nämlich wirklich ein interessantes Stück über die Frage werden können, was in Zeiten voranschreitender Digitalisierung und selbstlernender KIs noch „echtes“ von künstlichem Leben unterscheidet – bleibt dabei jedoch im Ansatz stecken. Stattdessen greift Terminator 6 im letzten Drittel die selbe anti-deterministische Philosophie wie Teil zwei auf: Es gibt kein Schicksal, wir gestalten unsere Zukunft selbst, heißt dann. Der Abschluss des Films entlarvt dies allerdings als Plattitüde.

Wenn schon nicht inhaltlich, so macht sich Camerons Rückkehr doch zumindest bei der Action bemerkbar. Die kommt zwar nicht ohne eine Wagenladung digitaler Effekte aus, ist aber angemessen hart (FSK 16) und vor allem extrem wuchtig. Die Inszenierung verzichtet (meist) auf schnelle Schnitte und Wackelkamera, Orientierung ist stets gegeben, das Tempo ist hoch. Und dann wäre da auch noch die Tonkulisse, die jeden Zusammenstoß von Metall auf Metall zu einem wahren Genuss für die Ohren macht. Kurzum: Wenn’s knallt, dann knallt’s richtig.

Immerhin kann Terminator 6 so noch verhindern, dass der grauenhafte Genisys als vorläufig letzter Ableger der Reihe im kollektiven Gedächtnis verankert bleibt. Am Ende bleibt jedoch die Erkenntnis, dass die glorreichen Tage dieses Franchises wohl gezählt sind. Dark Fate kann schlicht nicht an die Stärken des alles überragenden zweiten Teils anknüpfen, ist inhaltlich redundant und führt Figuren ein, die gegenüber dem Gespann Hamilton-Furlon-Schwarzenegger reichlich beliebig erscheinen. Immerhin aber wissen Action und Erzähltempo gut, teils sogar sehr gut zu unterhalten.


Bilder & Trailer: (c) 20th Century Fox/Paramount

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