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Little Women

Greta Gerwig, USA 2019 – Mit ihrem zweiten Film nach Lady Bird wechselt Regisseurin Greta Gerwig vom modernen Coming-of-Age-Drama in den Bereich des Kostümfilms auf Literaturgrundlage. Little Women, der in den 1860er Jahren veröffentlichte Roman von Louisa May Alcott, hat damit also eine weitere Adaption erfahren. Und der für mehrere Oscars nominierte Gerwig-Film beginnt sogleich mit einem Zitat der Autorin: Sie habe in ihrem Leben viel Kummer erlebt. Weshalb sie am liebsten fröhliche Geschichten schreibe.

Ein fröhlicher Film ist Little Women tatsächlich. Zumindest deutlich fröhlicher, als es das Setting zunächst vermuten lässt. Denn am Ende des 19. Jahrhunderts, da also, wo der Film angesiedelt ist, haben es die im Zentrum stehenden Frauen alles andere als leicht. Erst recht wenn sie solche kreative Freigeister wie die vier March-Schwestern sind, von denen Buch und Film erzählen. Da ist Josephine (Saoirse Ronan), die Schriftstellerin, die Verträumte und Unabhängige, die sich zwar bestens mit Männern versteht, aber niemals heiraten will. Da ist Amy (Florence Pugh), die Malerin, die Wilde und Impulsive, die im Affekt schon mal die Notizen ihrer Schwester verbrennt, um ihr etwas heimzuzahlen. Da ist Meg, die Schauspielerin (Emma Watson), die Elegante und Zuvorkommende, die sich auf Bällen und Empfängen herumtreibt. Und da ist ist Beth (Eliza Scanlen), die Musikerin, die Stille und Bescheidene, deren Krankheit die drei Schwestern einige Jahre, nachdem sie von zu Hause ausgezogen sind um ihr Glück in der Welt zu finden, wieder vereint.

Saoirse Ronan und Timothée Chalamet in „Little Women“ © Sony Pictures Entertainment

Abwechselnd im Hier-und-Jetzt sowie sieben Jahre in der Vergangenheit erzählt (beide Ebene sind visuell deutlich voneinander getrennt), entfaltet sich ein rund zweistündiges Historien- und Figurenporträt, das zum ambivalenten Rundumschlag auf patriarchisch dominierte Machtstrukturen, gesellschaftliche Zwänge und die Institution Ehe ansetzt, welche hier mehrfach als ökonomisches Konzept entlarvt wird, das vorrangig dazu dient, die Macht der Mannes zu bewahren. Das Spannungsfeld zwischen emanzipatorischen Ambitionen und romantischen Verflechtungen (Charmebolzen Timothée Chalamet taucht immer wieder auf, spielt sich abwechselnd in die Herzen von drei Damen und ganz schnell auch in die der Zuschauer) bildet einen fruchtbaren Nährboden, auf dem Little Women strukturelle Machtverhältnisse zwischen Frau und Mann respektive Gesellschaft ausleuchtet.

Das klingt schwerer, als es letztlich ist: Little Women gelingt es, all seine Ideen, Konzepte, Ansätze und Thesen mit viel Herzlich- und Leichtfüßigkeit zu transportieren. Denn allem voran ist dies ein Film, in dem die Darstellerinnen (wichtig auch: Laura Dern als Mutter) ihre Szenen nicht nur ausspielen, sondern völlig dominieren und formen. Jo, Amy, Beth und Meg diskutieren, raufen, albern miteinander, streiten, debattieren über sich und ihre Zukunftsentwürfe (jede hat ihren eigenen), fallen der anderen immer wieder ins Wort und werden damit zu einen kleinen Ausschnitt eines viel größeren Bildes. Dass das so viel Spaß macht, liegt zum einen an den großartigen Leistungen, die insbesondere Ronan und Pugh abliefern. Zum anderen an den sehr cleveren und glaubwürdigen Dialogen, die stets mehr aussagen, als ihr reiner Wortlaut.

Und doch fehlt es Little Women in mehreren Momenten an Dynamik. Obwohl der Plot nie stillsteht und es keine echten Längen gibt, obwohl jede Szene kleine und große Highlights zu bieten hat, so haftet dem Film doch eine gewisse Behäbigkeit an. Das mag wesentlich im Genre begründet liegen, dessen prunkvolle Kostümierungen und Eleganz nicht die jugendliche Frische vermitteln, die Lady Bird so herausragend machte. Auch der stete Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit – so sehr er auch eine Entwicklung aufzeigt und Vielschichtigkeit erzeugt – bremst den Erzählfluss regelmäßig aus.

Dennoch: Little Women ist ein beachtlicher und beachtenswerter Film, der sich von der Schwere vergleichbarer Werke löst und eine Vielzahl an Themen und Komplexen anspricht, ohne verkopft zu erscheinen. Der toll aufspielende Cast, das Setdesign und die saubere Inszenierung tragen ihr Übriges dazu bei, das man ihn gesehen haben sollte.

Bilder & Trailer: © Sony Pictures Entertainment

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