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Ad Astra – Zu den Sternen

Ad Astra, James Gray, USA 2019 – Roy McBride (Brad Pitt) ist ein stoischer Zeitgenosse. Die Hauptfigur von Ad Astra, dem neuen Film von Regisseur James Gray (Die versunkene Stadt Z), ist emotional unterkühlt, bewahrt stets die Ruhe, sein Puls steigt selbst in stressigen Situationen nie über 87 Schläge. Gerade deshalb wird er für eine brisante Mission ins All rekrutiert: Er soll das Raumschiff finden, auf dem sein Vater (Tommy Lee Jones) einst Kapitän war und das seit mehr als zehn Jahren als verschollen gilt. Eine Aufgabe, die für Roy zur doppelten Bewährungsprobe wird. Nicht nur muss er ein altes, persönliches Trauma bewältigen. Auch das Schicksal der gesamten Menschheit hängt vom Gelingen seiner Mission ab.

Es ist eine prinzipiell interessante Zukunftsvision, die Gray in Ad Astra aufbaut: Der Mond ist kolonisiert, es werden dort Kriege um Ressourcen geführt, und selbst auf dem Mars haben die Menschen bereits einen Außenposten errichtet. Der Vergleich mit Christopher Nolans Interstellar drängt sich geradezu auf: Beide Filme teilten sich den avisierten Realismus, die Verknüpfung von persönlichen und altruistischen Zielen sowie (über-)stilisierte Bilder. Natürlich kann Ad Astra bei diesem Vergleich nur als Verlierer hervorgehen. Reicht es aber wenigstens für einen guten Film?

Auch das wird schwierig – und ist ganz davon abhängig, welche Ansprüche man an das Science-Fiction-Genre und die in ihm verorteten Erzählungen setzt. Wer das All als Bewältigungsort für psychologische Probleme und persönliche Traumata begreift (beziehungsweise begreifen kann), für den wird Ad Astra eine Offenbarung sein. Denn, das kann man nicht verleugnen, obwohl er in seiner Bildsprache nicht an die Qualität und Fulminanz von Interstellar heranreicht, so hat er audiovisuell doch mehrere wirklich starke Momente zu bieten.

Wer Science-Fiction hingegen als narrativen Raum für progressives Denken und zukunftsweisende Visionen (plus einer kritischen Auseinandersetzung mit den Status quo) versteht, für den wird Ad Astra wenig mehr als ein melodramatischer, reaktionärer Streifen rund um einen Mann mit einem gestörten Verhältnis zu seinem Vater und seiner Frau sein. Zu diesem Teil des Publikums zähle auch ich mich. Denn wo Interstellar sich ganz klar für einen gesellschaftlichen, zivilisatorischen, technologischen und systemischen Schritt nach vorn aussprach, kommt Ad Astra schlussendlich zur Erkenntnis, dass wir doch schon alles (heißt: eine Familie) haben, um glücklich zu werden, und es uns doch lieber auf der Erde gemütlich machen sollen. Wer zu sehr nach den Sternen, nach der Weite, der Unendlichkeit und ihren Geheimnissen strebt, der sei verloren – geistig und körperlich.

Das ist nun gleichwohl deutlich spitzer formuliert, als im Film selbst, der sich lieber in bedeutungsschwangeren Monologen und geradezu meditativen Bildern, Formen und Farben verliert. Der auch fraglos seine starken, überwältigenden Szenen hat – emotional, inszenatorisch, erzählerisch. Und der durch seinen Hauptdarsteller durchweg getragen wird. Doch am Ende fragt man sich (ganz abseits logischer Inkonsistenzen), ob da nicht noch mehr drin gewesen wäre. Viel mehr vielleicht sogar. Und zu diesem Schluss komme auch ich.

Bild & Trailer: © 20th Century Studios

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