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Submarine

Richard Ayoade, UK/USA 2010 – Solche Filme gibt es immer wieder: Britische Coming-of-Age-Komödien mit melancholischem Einschlag, die das triste Leben abseits der großen Metropolen zeigen. Sing Street, die Netflix-Serie Sex Education oder auch einige Werke von Ken Loach seien an dieser Stelle beispielhaft genannt. Richard Ayoades Submarine ist ein weiterer Vertreter dieses (nicht mehr ganz so) nischigen Genres und kann ihm – wenn man ehrlich ist – auch wenig Neues abringen. Trotzdem ist das Ergebnis ziemlich gut.

Erzählt wird die Geschichte des walisischen Teenagers Oliver (Craig Roberts), der sich selbst für ein Genie hält, in Wahrheit jedoch ein einzelgängerischer Tagträumer ist, dessen Sozialleben einer Katastrophe gleichkommt: Oliver hat weder Erfolg bei Frauen, noch kann er sonderlich viele Freunde um sich scharen. Außer, wenn er sich ihnen beim Mobbing anderer Mitschüler*innen anschließt. Allmählich keimt jedoch eine kleine Romanze zu seiner Klassenkameradin Yordana (Yasmin Page) auf. Oliver wähnt sich kurzzeitig im Glück – würde die Ehe seiner neurotischen Mutter (Sally Hawkins) und seines lethargisch-depressiven Vaters (Noah Taylor) nicht zeitgleich in die Brüche gehen.

Wie bereits angedeutet: Inhaltlich hat Submarine wenig zu bieten, das ihn aus der Masse herausstechen lassen würde. Doch hier macht – mal wieder – der Ton die Musik. Oliver fasst seine teils abstruse Gedankenwelt aus dem Off heraus in lakonischem Tonfall zusammen, stellt zwischenmenschliche Bezüge her und formuliert dabei viele kleine (nicht immer wahre) Weisheiten, die entweder etwas über ihn oder sein Umfeld aussagen. Das geschieht in einem angenehm hohen Tempo – erzählerisch, inszenatorisch, inhaltlich – weshalb Submarine niemals auch nur einen Hauch von Langeweile aufkommen lässt. Selbst die Genre-typische Falle der pathetischen Gefühlsduselei kann er dadurch elegant umgehen. Allerdings auch deshalb, weil der Protagonist schlicht kein Freund der großen Emotionen, sondern mindestens dezent soziopathisch agiert. Das macht mal Spaß, mal ist es skurril und britisch-trocken, mal ist es mitreißend. Aber es wirkt eben auch stets ehrlich.

imdb / Trailer

Bild: © Koolfilm / Warp Films

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