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The Gentlemen

Guy Ritchie, UK/USA 2019 – Guy Ritchie war ja tatsächlich mal ein guter Regisseur. Zumindest zu Zeiten seiner ersten beiden Filme. Die irren Kleingangster-Klamotten Bube, Dame, König, grAs und Snatch hatten ihren ganz eigenen Charme – und vor allem einen prägnanten Stil. Dem folgte jedoch immer mehr Mittelmaß. Zuletzt gab es deshalb einen mäßigen Mittelalter-Blockbuster (King Arthur: Legend of the Sword) und eine überflüssige Disney-Neuauflage (Aladdin) von ihm zu sehen. Markiert The Gentlemen nun die Rückkehr zu den alten Tugenden? Tatsächlich ja. Denn auch wenn der Film nicht an die Qualität der ersten beiden Ritchie-Werke anschließt, so bietet er doch all deren Zutaten und vermengt sie zu einem stimmigen Gesamtrezept.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte: Mickey Pearson (Matthew McConaughey). Ein Amerikaner, der sich schon während seines Oxford-Studiums zum erfolgreichen Drogendealer aufgeschwungen hat und dabei auch für seine Brutalität bekannt wurde. Mit dem Alter ist Mickey entspannter geworden. In teure Anzüge gekleidet, verbringt er seine Abende gern in hoher Gesellschaft, verkehrt mit der britischen Aristokratie und High Society, gibt sich also als titelgebender Gentleman aus. Seinen Reichtum verdankt er der Tatsache, dass er große Teile des Cannabisanbaus und -verkaufs in Britannien kontrolliert. Wenn du ein König sein willst, dann darfst du keine Zweifel haben, lautet sein Credo, das er zu Beginn des Films erläutert – kurz bevor er erschossen wird.

Matthew McConaughey & Michelle Dockery in „The Gentlemen“ © Universum Film

Rückblende, Ortswechsel: Der Detektiv Fletcher (Hugh Grant) steht eines nachts bei Raymond (Charlie Hunnam), Mickeys rechter Hand, in der Küche. Er habe ein Drehbuch geschrieben, erklärt Fletcher. Ein Drehbuch über den Aufstieg und die Karriere von Raymonds Boss – und droht damit, es an eine Zeitung zu verkaufen, wenn er nicht 20 Millionen Pfund erhält. Es folgt eine knapp zweistündige Schilderung des Inhalts dieses vermeintlichen Drehbuchs. Und das macht ziemlich viel Spaß.

Wie in Ritchies ersten Filmen etabliert auch The Gentlemen verschiedene kriminelle Gruppierungen: Mickeys Crew, Heroin-Händler aus Fernost, eine Bande von Straßenkindern, ein jüdischer Geschäftsmann und eine Gruppe rappender Boxer unter Leitung von Colin Farrell bestimmen den Handlungsverlauf und bestehen samt und sonders aus skurrilen (oder zumindest ungewöhnlichen) Figuren, die entweder seltsame Namen, diverse Manien oder anderweitige Probleme haben. Ein simpler Plan – Mickey will sein Drogengeschäft für eine ordentliche Summe loswerden – geht ob der widerstrebenden Interessen, Betrügereien und Fehden zwischen diesen Parteien gehörig schief. Und am Ende kommt alles in einem von Wendungen triefenden Finale zusammen.

Die Handlung übernimmt sich dabei ein wenig: Die Verkettung all dieser Twists sorgt alsbald für Erschöpfung und ist darüber hinaus auch recht voraussehbar. Überaus als gelungen ist allerdings das Zusammenwirken der Figuren und vor allem die direkten Konfrontationen. Besonders viel Spaß macht das, wenn die vornehmen Gangster auf weniger elitäre Charaktere treffen und sich teils minutenlange Monologen entspinnen, in denen sich um möglichst eloquente Worte bemüht wird, hinter denen ziemlich simple Inhalte stehen.

Spannung kommt dabei nur selten auf. Schade auch, dass eine so relevante Figur wie Mickeys Frau Rosalind (Michelle Dockery) in dieser ganzen Geschichte viel zu kurz kommt, blass und interessant bleibt. Doch allein, all diese eigenwilligen und toll gespielten Figuren dabei zu beobachten, wie sie ihre amoralische Natur mit maßgeschneiderten Anzügen und einer vornehmen Ausdrucksweise kaschieren wollen, sorgt für großes Vergnügen. Ebenso beachtenswert ist, wie schnell The Gentlemen immer wieder das Tempo wechselt und ruhige Szenen urplötzlich explodieren. Ab und an weiß der Film dann also doch zu überraschen. Am Ende bleibt ein unterhaltsames Kinoerlebnis mit sehenswertem Cast und einem Plot, der zwar cleverer sein will, als er letztlich ist – jedoch zum Besten gehört, was Ritchie in den vergangenen zehn Jahren (wenn nicht gar länger) abgeliefert hat.

 

 

 

Bild & Trailer: © Universum Film

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