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Sonic the Hedgehog

Jeff Fowler, USA/JPN 2020 – Da hat es den nächsten Videospielhelden erwischt: Der blaue Hochgeschwindigkeits-Igel Sonic hat nun also – 27 Jahre nach seinem „Konkurrenten“ Mario – ebenfalls eine Verfilmung bekommen und die ist – das sei bereits vorangestellt – nicht die Vollkatastrophe geworden, die der erste Trailer und das darin präsentierte, verkorkste Design des Helden noch angedeutet hatten. Denn Sonic the Hedgehog macht (ich kann das selbst kaum glauben) tatsächlich Spaß. Mehr aber auch nicht. Alles andere an diesem Film ist nämlich derart 08/15, dass ich mich schon wenige Tage später kaum noch an den Plot erinnern kann.

Die Einfallslosigkeit macht sich bereits in der Exposition bemerkbar. Die zeigt den sehr jungen Sonic in seiner Heimatwelt (bekannt aus den Spielen), die ideale Bedingungen für ihn bietet, allerdings auch eine Menge Feinde beherbergt. So muss Sonic schließlich durch ein Dimensionsportal fliehen und landet in der Welt der Menschen – ausgerechnet in einer Kleinstadt in Montana, wo er es sich in einer Höhle bequem macht und sich vor den Menschen verbirgt. Jedoch nicht, ohne sie immer wieder heimlich aus der Ferne zu beobachten. Denn der kleine Igel ist ziemlich einsam und sucht deshalb – natürlich – einen Freund. Den findet er schließlich im Polizisten Tom Wachowski (James Marsden), als er abermals die Flucht ergreifen muss, weil die Regierung Witterung aufgenommen hat und den wahnsinnigen Dr. Robotnik (Jim Carrey) entsendet, um der Quelle einer mysteriösen Energie in Montana nachzugehen.

Wenn es an Einfällen mangelt, ist das Sujet des Roadtrips immer eine gute Lösung. Dachten sich wohl auch die drei (!) Autoren hinter Sonic the Hedgehog und schicken den Helden plus Anhang deshalb auf eine Reise nach San Francisco, wo nach einem kleinen Malheurs jene Ringe gelandet sind, mit denen Sonic durch die Dimensionen reist. Auf und zwischen den einzelnen Stationen dieses Roadtrips (unter anderem eine Biker-Spelunke – höchst kreativ also) werden der hyperaktive Igel und der Polizist langsam Freunde. Und obwohl man all das schon Hunderte Male gesehen hat (und das meist besser), macht das Zusammenspiel zwischen der digitalen Figur und dem schauspielerisch mittelmäßigem, menschlichen Sidekick tatsächlich Spaß. Ähnliches lässt sich über die Handvoll Actionsequenzen postulieren, die zwar absolut nichts Neues machen und deren bester Moment ziemlich dreist bei X-Men – Zukunft ist Vergangenheit geklaut ist. Allerdings: Sie sehen gut aus, haben eine angenehme Dynamik und wissen für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen.

Highlight des Films ist jedoch – ebenfalls keine Überraschung – Jim Carrey als Antagonist, der in dieser Rolle mal wieder völlig ausbrechen darf und damit (mehr noch als die Titelfigur) für extreme 90er-Vibes sorgt. Es mag auch daran liegen, dass Carrey sich der Absurdität seiner Rolle und dieses Films bewusst war und deshalb völlig freidreht. Doch exakt dieses Maß an abstruser Selbstironie ist nötig, um Sonic the Hedgehog überhaupt ertragbar zu machen. Nichts an diesem Film ist wirklich misslungen (im Gegensatz zu zahlreichen anderen Videospieladaptionen). Allerdings kann ihn auch absolut nichts aus dem Mittelmaß herausheben.

Bild & Trailer: © Paramount Pictures

5 Kommentare zu „Sonic the Hedgehog Hinterlasse einen Kommentar

  1. „ziemlich dreist bei X-Men – Zukunft ist Vergangenheit geklaut“

    Und die haben das von Ab durch die Hecke aus dem Jahr 2006 geklaut und die haben das von der Futurama-Episode Three Hundred Big Boys aus dem Jahr 2003 geklaut und wer weiß, wo die das geklaut haben.
    Das größte Kunststück, das X-Men geschafft hat, ist, dass ihre Szene in der Popkultur bekannter zu sein scheint.
    Wer weiß, ob irgendwann in 9 Jahren jemand schreibt „ziemlich dreist bei Sonic geklaut“.

    Aber ich freue mich schon, falls du Sonic in deinen nächsten 5 Minuten vorstellen solltest 🙂

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    • Mensch, da haste aber ordentlich recherchiert. War mir bisher überhaupt nicht bewusst. Immerhin – im direkten Vergleich – haben sie die Idee bei X-Men deutlich ausgebaut und wesentlich umfangreicher gemacht. Bei Sonic hingegen ist selbst das vergleichsweise unspektakulär.

      Ich weiß noch nicht, ob und in welcher Form ich den ansprechen werde. Das ist genau das Problem, das ich schon letztes Mal angesprochen habe: Was mit mittelmäßigen Filmen machen?

      Gefällt 1 Person

      • Hätte mich jetzt auch gewundert, wenn Sonic da mithalten könnte. Vielleicht kommt ja irgendwann eine super Videospielverfilmung auf den Markt, dass wir einen guten Grund haben, über das Thema zu sprechen.

        Das ist der Grund, weswegen ich bisher nur Party with Mom vorstellen werde. Mittelmaß bietet sich für das Format leider wirklich nicht an.

        Gefällt 1 Person

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