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Planet of the Humans

Jeff Gibbs, USA 2020 – Wenn ein neuer Dokumentarfilm unter Beteiligung von Michael Moore erscheint, sollten die Alarmglocken schrillen. Nicht nur, weil der Name so populär ist, sondern auch, weil der Mann nicht gerade für einen feinfühligen Umgang mit schwierigen Themen bekannt ist, stattdessen fürs Polemisieren, Überspitzen und für Selbstinszenierung. Zumindest letzteres bleibt bei Planet of the Humans aus, denn Moore fungierte hier lediglich als Produzent. Drehbuch, Regie und Hauptrolle übernimmt stattdessen der Umwelt-Journalist Jeff Gibbs, der sich hier auf die Suche nach einer Lösung für die Klimakrise begibt. Anstatt jedoch ein konstruktives Werk vorzulegen, arbeitet sich Gibbs kritisch an regenerativen Energien ab – und an solchen, die es vorgeben zu sein.

Planet of the Humans geht dabei alles andere als zurückhaltend vor. Das erste Drittel dominieren drastische Bilder von verwüsteten Wäldern, die für Wind- und Solarkraftanlagen gerodet wurden, sowie von den ressourcen- und energiefressebdeb Herstellungsprozessen dieser Anlagen. Im zweiten setzt sich Gibbs mit sogenannter Bioenergie auseinander, was nichts weiter als das Verfeuern von Holz in riesigen Kraftwerken meint. Das dritte schließlich dreht sich um Umweltorganisationen und deren Schirmherren – mit der grundlegenden Botschaft, dass die auch nur nach Profit streben. Das Ergebnis ist verdammt heftig, aber auch verdammt schwierig.

Denn grundlegend spricht Planet of the Humans mehrere Probleme völlig zurecht an. Gibbs‘ Demontage von Biomassen-Energie ist absolut gerechtfertigt und enttarnt diesen Schwindel als das, was er ist: Wir verbrennen natürliche CO2-Speicher, um angeblich CO2 einzusparen. Auch die Mahnung, Umweltverbände und -aktivisten sowie ihre Motive stets mit Vorsicht zu betrachten und nicht auf Kapitalinteressen im grünen Mantel hereinzufallen, ist berechtigt. Ebenso die Kritik an den Herstellungsprozessen von Solaranlagen. Allerdings: Gibbs stellt sich dabei aus dokumentarischer Sicht stellenweise so dilettantisch an, ist derart manipulativ und betrachtet sehr viele Aspekte so einseitig, dass sich dieser Film eigentlich für den Diskurs disqualifiziert.

Da fragt Gibbs etwa an einer Szene, woher der Strom kommt, mit dem eines neues Elektroauto eines Großkonzern betrieben wird. Die ehrliche Antwort – Kohleenergie – wird ohne Einordnung (etwa darauf, dass dieser Strom ja andernorts auch aus regenerativen Quellen kommen könnte) stehen gelassen. An anderer Stelle behauptet der Ingenieur einer Solaranlage, ihre Effizienz liege bei acht Prozent. Dass es längst Solarzellen mit besseren Werten gibt, wird verschwiegen. Die Diskreditierung der Umweltorganisationen besteht zu drei Vierteln aus dem Aufschlüsseln ihrer Verbindungen zu Großkonzernen und Banken – als ob die nie und nimmer ein Interesse daran haben könnten, irgendetwas Nachhaltiges für den Planeten zu tun. Auch verkennt Gibbs vollkommen, dass der Wandel von fossilen zu regenerativen Energiequellen ein langwieriger Prozess ist und dass wir bis dahin (auch in der Produktion) natürlich noch auf Öl und Kohle angewiesen. Und dass im Film zwar mehrere Forscher – Soziologen, Philosophen, etc. – zu Wort kommen, sich darunter aber nicht ein einziger (!) Umweltwissenschaftler befindet, spricht schon Bände.

Gibbs stellt im Verlauf von Planet of the Humans sehr viele Fragen. Manchmal, beileibe aber nicht immer, sind es die richtigen. Die wichtigste aber stellt er nicht: Was ist die Lösung? Diese Antwort bleibt er uns – abseits vom berechtigten Plädoyer, unser Konsumverhalten zu hinterfragen und unseren Energieverbrauch zu senken – schuldig. Aber selbst dann und sogar wenn, wie er zurecht sagt, wir dem neoliberalen Glauben auf ewiges Wirtschaftswachstum abschwören, benötigen die Menschen Energie, Strom, Elektrizität. Außer wir wollen in die Steinzeit zurück. Das kann ja nun auch keine Alternative sein.

Obwohl, eine mögliche Lösung bietet der Film dann doch an: die Reduzierung der menschlichen Population. Falls allerdings nicht Thanos daherkommt und mit seinem goldenen Handschuh schnippst, wird das eine globale Umsetzung einer Ein-Kind-Politik angesichts der Zeit, die uns noch bleibt, eher schwierig bis unmöglich. Zumal eine solche Botschaft in Zeiten von Corona doch unfreiwillig makaber wirkt. Die eigentliche Erkenntnis von Planet of the Humans ist also dieselbe wie bei jeder Doku, an der Michael Moore beteiligt ist: Auch kritische Geister sollten wir stets kritisch hinterfragen.

Planet of the Humans ist bis zum 21. Mai 2020 kostenlos auf YouTube verfügbar.

 

Bild: © Rumble Media / Huron Mountain Films

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