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Familie Willoughby (2020)

The Willoughbys, Kris Pearn, USA 2020 – Alles steht Kopf, Coco, Die Unglaublichen, Merida… Die Liste von Animationsfilmen, die sich um Familien drehen, deren Idylle von äußeren oder inneren Störfaktoren kaputt gemacht wird, ließe sich beliebig fortsetzen. The Willoughbys – seit einiger Zeit exklusiv auf Netflix verfügbar – macht in dieser Hinsicht eine Sache völlig anders: Die Familie, die hier im Mittelpunkt steht, ist von Grund auf dysfunktional. Schuld daran sie die Eltern. Denen sind ihre vier Kinder – Tim, Maya und die Zwillinge Barnaby A und Barnaby B – nicht nur reichlich, sondern völlig egal.

Es gibt also kein Taschengeld, keine Freiheit, keine Liebe, nicht einmal etwas zu essen. Der Nachwuchs ist für das heillos verliebte und ekelerregend herumturtelnde Paar ein störender Tumor – was dem große Erbe der Willoughbys eigentlich völlig zuwider läuft. Ganz zu schweigen davon, dass die Männer (und auch Frauen!) dieser Dynastie schon immer Träger edler Schnauzbärte waren – derweil der Vater in dieser Generation nur mit einigen Flausen über der Oberlippe prahlen kann. Schande!

Das Maß der Antipathie gegen die Eltern jedenfalls ist von Beginn an groß, und das nicht nur wegen der Katze (im Original gesprochen von Ricky Gervais), die in diesem Film als wunderbar spöttelnder und zynischer Erzähler aus dem Off fungiert. Die Sympathien liegen dabei umso mehr bei den Kindern, die – durch eine Begegnung mit einem ausgesetzten Baby animiert – beschließen, sich ein besseres Leben zu verschaffen und ihre Eltern abzuservieren. Eine selbst zusammengestellte Weltreise entlang der gefährlichsten Hotspots der Erde soll das adäquate Mittel dafür sein. Mama und Papa Willoughby hinterlassen dem Nachwuchs jedoch ein unwillkommenes Ärgernis: Eine Nanny soll sich um die vier Bälger kümmern.

Es lässt sich kaum anders sagen: Familie Willoughby ist eine Wohltat des Animationsgenres. Das liegt nicht nur am farbenfrohen, verspielten Look, der gleichsam abstrakt wie stofflich-greifbar erscheint (insbesondere die Haare wirken durch den leichten Flaum, der sich an ihrer Oberfläche zeigt, überaus plastisch). Sondern auch am erzählerischen Tonfall. Der pendelt konstant zwischen ehrlicher Sentimentalität, klamaukigem Slapstick und bissigem Sarkasmus.

Obwohl Idee, Figuren und Schauplätze zwischen leicht und völlig durchgeknallt schwanken (ein wichtiger Charakter ist etwa ein introvertierter Süßigkeitenfabrikant, der im Alltag eine Militäruniform trägt) und dieser Film eine Menge Humor (vor allem visueller Natur) aufzuweisen hat, ist die Geschichte doch von einer erstaunlichen Emotionalität und Ehrlichkeit geprägt. Manche Familien sind eben derart kaputt, dass selbst das klassische kathartische Moment einer Erzählung in drei Akten nicht für die wundersame Lösung der Probleme sorgen kann. Letztlich läuft das Ganze zwar auf eine Erkenntnis hinaus, die man so schon etliche Mal gesehen hat – Familie ist da, wo das Herz ist –, doch durch die ebenso fantasievolle wie liebenswerte Verpackung wird einem dieser moralische Stempel vergleichsweise milde aufgedrückt. Vor allem aber macht Familie Willoughby einfach nur extrem viel Spaß.


Bild & Trailer: © Netflix

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