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Cleopatra (1963)

Joseph L. Mankiewicz, USA 1963 – Bis Fluch der Karibik 3 erschien, hielt Joseph L. Mankiewicz‘ Cleopatra den Rekord für den teuersten Spielfilm aller Zeiten – ganze 44 Jahre lang also. Nun ist dies wahrlich kein Qualitätskriterium als vielmehr eine filmhistorische Anekdote. Trotzdem sieht man diesem klassischen Monumentalstreifen mit seiner Laufzeit von vier Stunden zu jeder Minute an, wohin das Geld geflossen ist: in all die aufwendigen Kostüme, prunkvollen Kulissen und die zahlreichen Massenaufläufe.

Das Ergebnis ist ein (weißgewaschenes) Historienepos, das eine Shakespeare-eske Version der Lebensgeschichte von Cleopatra (Elizabeth Taylor) zeigt, die zuerst Julius Cäsar (Rex Harrison) und später Mark Anton (Richard Burton) um den Finger wickelte, um ihre eigenen Machtansprüche in Ägypten zu sichern und weiter zu vererben. Oder vielmehr: Wie sie daran scheiterte, schließlich ist das Schicksal der Herrscherin allseits bekannt. Pathetische Dialoge, das theaterhafte Schauspiel und die schiere Opulenz der Inszenierung ergeben eine Melange, die aus heutiger Sicht zwar alles andere als herausragend ist, aber zu einem nostalgischen Trip ins Goldene Zeitalter Hollywoods einlädt. Wer möchte, kann durchaus auch nach einer kritischen Aufarbeitung stereotyper Geschlechterrolle suchen. Denn obwohl die Frauen in dieser Geschichte scheinbar keinerlei Macht besitzen, ist es einzig Cleopatra, die in Zeiten von Chaos und Krieg Ruhe bewahrt und die wild gewordenen, vor Stolz und Geltungssucht platzenden Männer unter Kontrolle hat.

imdb / Trailer

Bild: © 20th Century Fox

11 Kommentare zu „Cleopatra (1963) Hinterlasse einen Kommentar

    • Link funktioniert leider nicht…
      Klar, die ganze Angelegenheit ist pures Whitewashing und historisch höchstens zu 10 Prozent korrekt/authentisch. Schwarze kommen nur in Statisten-Rolle vor und asiatische Darstellerinnen werden auf das rassistische Klischee des Lotusblume reduziert. Das muss man natürlich kritisch sehen, aber es ist eben auch typisch für eine solche Hollywood-Großproduktion. Als historisch verklärtes, größenwahnsinniges Theaterstück mochte ich ihn aber und konnte ihm seinen Charme abgewinnen.

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      • „und historisch höchstens zu 10 Prozent korrekt/authentisch. “

        Da frage ich mich aber, warum beim dato teuersten Film der Welt kein Geld für einen beratenden Historiker übrig war. Cleopatra hat wahrscheinlich nie eine Thailänderin oder Chinesin zu Gesicht bekommen, und die Männer mit ihren Glitzerkostümchen – das geht einfach nicht. Ich dachte, du wärst bei mir als Leser registriert, ich füge meine Bewertung hinzu.

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      • Weil historische Akkuratesse wohl schlicht kein Kriterium für die damaligen Studiobosse und das Publikum war. Und ehrlich gesagt, ist es das auch für mich nicht. Hier wird ein Märchen erzählt und da ist eher relevant, was auf der Leinwand möglichst spektakulär aussieht. Von mir aus können die römischen Kriegsherren da auch mit einer gold-glänzenden, glatt polierten Rüstung herumstolzieren.
        Dass Cleopatra aber nie eine Ostasiatin zu Gesicht bekommen haben soll, würde ich fast bezweifeln. Auch damals gab es meines Wissens schon einen gewissen Austausch zwischen diesen Ländern.

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      • Was mich an den alten Sandalen-Filmen immer wieder verwundert: Warum hatte keiner der Ausstatter einen Blick für Details oder überhaupt für Ausstattung? Taylor läuft in Abendkleidern mit ägyptischen Einschlag herum und in einer Szene, trägt sie tatsächlich ein grünes Krönchen. Ihr Palast sieht aus, als würde sie in einem altägyptischen Grabmal wohnen. Auch putzig: Fernostasiatische und blonde Ägypterinnen. Auch die Männer tragen in privaten Szenen keine nachempfundene Kleidung und in den Massenszenen in Rom, sehen die Römer aus wie mittelalterliche Bauern. Keine Toga und Tunika weit und breit ist zu sehen.

        Das ist umso verwunderlicher, als dass die Massenszenen teilweise wirklich spektakulär sind, gerade die Seeschlacht sollte man gesehen haben.

        Die schauspielerische Leistung von Elisabeth Taylor vermag dieses Mal gar nicht zu überzeugen, sie behält den ganzen Film über einen starren Gesichtsausdruck bei, den sie wohl für erhaben hielt. Den Film reißen ausnahmslos die Schauspieler raus, Rex Harrison (Caesar), Richard Burton (Marcus Antonius) und Roddy McDowall (Octavian, der wirklich blond war.) Diese treiben dann auch weitestgehend die Handlung voran, reagiert Cleopatra bei Caesar nur, so wird sie später im Film die treibende Kraft.

        Fazit

        Ein netter, teilweise unfreiwillig komischer Geschichtsfilm. Ich empfehle die Netflix-Version, da auf der DVD der Film auf zwei Scheiben gesplittet ist.

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  1. Was ist denn deine Quelle für den Einleitungssatz?
    Die ersten drei Suchergebnisse bei Google spucken aus, dass einzig Fluch der Karibik 3 – jeweils inflationsbereinigt, darf man nicht vergessen – die Kosten von Cleopatra übersteige. Avatar befindet sich auf Platz 9.

    Hier mal ein Link mit übersichtlicher Liste aus dem Jahre 2015. Dort werden wiederum IMDb und boxofficemojo als Quellen angegeben:
    https://www.hdaustria.at/blog/ranking-teuersten-filme-aller-zeiten/

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      • Interessant ist, dass die Wikipedia-Seite für den Vergleich mit Avatar keine Quelle angibt und für die mit den Budgets von Cleopatra eine von 2007, zwei Jahre vor Avatar.
        Es gibt da unterschiedliche Angaben, aber selbst wenn man die von popkultur.de nimmt, wäre PotC 3 zuerst an Cleo vorbeigeschraubt. Dort könnte man zwar wieder rumrechnen, dass er mit Teil zusammen gedreht worden ist, aber ein eindeutiges Bild ergibt sich nicht.

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