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Marie Curie – Elemente des Lebens (2019)

Radioactive, Marjane Satrapi, UK 2019 – Eigentlich sollte Marie Curie – Elemente des Lebens bereits im Frühjahr im Kino starten. Dann aber kam bekanntlich alles anders. Kurz zuvor saß ich in der Pressevorführung – und machte den Fehler, meine Eindrücke nicht direkt auf Papier zu bringen. Das hole ich hiermit, zum verlegten Kinostart am 16. Juli, nach. Beziehungsweise: Ich versuche es. Sollten dabei einige Lücken auftreten, bitte ich das zu verzeihen. Dass nicht viel hängen geblieben ist, hat aber auch seine Gründe.

Elemente des Lebens erzählt also die Geschichte einer der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen aller Zeiten – der Originaltitel Radioactive gibt die Richtung vor: Curie entdeckte gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre die Radioaktivität, was enorme Fortschritte für die Medizin, aber leider auch für die Kriegsführung bedeutete. Doch von Anfang an liegt ein unangenehmes Ungleichgewicht in diesem Film vor: Elemente des Lebens interessiert sich in erster Linie für die persönlichen, familiären und intimen Probleme von Marie Curie und höchstens in zweiter, wenn nicht gar erst in dritter für ihre Forschung. Während etwa das Kennenlernen mit Pierre, die behutsame Liebelei und die späteren Streits der beiden viel Raum bekommen, ebenso wie Maries Kampf um Anerkennung als Forscherin an der Universität, ist die bahnbrechende Entdeckung der nuklearen Strahlung dem Film nur eine wenige Minuten lange Montage wert.

Weitere Symptome zeugen von diesem falsch gewählten Fokus. Den ersten Nobelpreis, den das Ehepaar Curie bekam, nimmt Pierre entgegen – seine Rede ist in voller Länge zu hören. Für den zweiten reiste Marie mit ihrer Tochter nach Stockholm – ihre Rede hingegen wird dem Kinopublikum verschwiegen. Das ist überaus ärgerlich, denn obwohl es selbstverständlich interessante und erzählenswerte Passagen im Privatleben von Marie Curie gab (etwa der öffentliche Hass, der ihr entgegen schlug, als sie eine Affäre mit einem anderen Mann hatte), sind es doch vor allem ihre wissenschaftlichen Leistungen, die sie in die Geschichtsbücher haben eingehen lassen – und die in Elemente des Lebens fast schon zur Randnotiz verkommen.

Es ist nicht alles schlecht: Die vorausblickenden Zwischenstücke auf die Segen und die Katastrophen, die mit der weiteren Verwendung der Radioaktivität durch den Menschen einhergehen, passen sich gut ein. Hauptdarstellerin Rosamunde Pike spielt sich großartig durch alle Lebensphasen ihrer Figur. Und auch der ein oder andere ästhetisch herausragende Moment findet sich im Verlauf der 110 Minuten. Etwa Maries erste gemeinsame Nacht mit Pierre, in der sich die an die Wand geworfenen Schatten der beiden im Liebesspiel vereinen. Den Rest des Films überwiegt allerdings eine matschig-graue, kraftlose Bildsprache. Elemente des Lebens wird der Person, die er porträtiert, nicht gerecht.

Marie Curie – Elemente des Lebens läuft ab dem 16. Juli 2020 im Kino.

Bild & Trailer: © Studiocanal

12 Kommentare zu „Marie Curie – Elemente des Lebens (2019) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Den hatte ich auch vor Corona noch in einer PV gesehen und fand den leider auch sehr enttäuschend. Als wäre die Grundlage fürs Drehbuch der Wikipedia Eintrag zu Marie Curie gewesen. Dieser Film hat einfach keine Seele und spult nur langweilig bestimmte Ereignisse aus ihrem Leben ab. Ich habe nicht viel erwartet, aber das war schon sehr bitter

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