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Master Cheng in Pohjanjoki (2020)

Mestari Cheng, Mika Kaurismäki, FIN/CHN/GBR 2020 – Einen leichtherzigen Film wird man diesen Sommer wohl nicht mehr im Kino finden: Master Cheng in Pohjanjoki vereint auf wunderbar sympathische Art Romanze und Komödie mit einem Hauch Drama und viel Liebe für die (zweit)beste Sache der Welt: Essen.

Dass all diese Dinge unweigerlich miteinander verbunden sind, das zeigt die Geschichte von Cheng (Pak Hon Chu), der, aus China kommend, eines Tages in einem kleinen, ranzigen Imbiss im finnischen Provinznest Pohjanjoki auftaucht. Dort finden sich täglich die gleichen alten Leute ein, um Bier zu trinken, sich am Büffet an Wurstgulasch und Kartoffelbrei zu laben und die Zeit totzuschlagen. Und dann ist da auf einmal dieser Besucher aus Fernost mitsamt seinem Sohn, der nach einem gewissen „Fongtron“ sucht, den hier aber keiner kennt.

Weil ihm zwar alle helfen wollen, aber niemand das kann, setzt sich Cheng geduldig an einen Tisch und wartet, wartet, wartet… bis es Abend wird und die zuvorkommende, aber überforderte Imbissinhaberin Sirkka (Anna-Maija Tuokko) ihm ein Zimmer in ihrem Haus anbietet. Auch am nächsten Tag wartet Cheng und fragt erneut nach „Fongtron“. Als eine Gruppe asiatischer Touristen auftaucht, denen das Menü vor Ort nicht wirklich zusagt, erklärt sich Cheng – der, wie sich herausstellt, Profi-Koch ist – bereit, das Mittagessen zu servieren. Und begeistert mit seinen Gerichten nicht nur die Touristen, sondern auch die Einheimischen.

Schon bald rollt der Rubel – und die Menschen aus Pohjanjoki fühlen sich durch Chengs Speisen zunehmend gesünder, vitaler, lebendiger. Statt Chemie-Pampe gibt es nun echte Zutaten, statt Instant-Futter mit Liebe und Leidenschaft gekochte Mahlzeiten. Dass die chinesische Kochkunst auf Ausgleich bedacht ist („aktives“ Essen für entspannte Menschen, „entspanntes“ Essen für aktive Menschen), auf eine gesunde Lebensführung und nicht nur auf das Stillen von Hungergefühlen – das ist die Philosophie, die Cheng in diese kleine, zunehmend liebenswerte Ortschaft hinein- und an ihre Bewohner heranträgt. Aus dem vorläufigen Besuch (dessen Hintergründe der Film nach und nach preisgibt) wird alsbald ein längerer Aufenthalt, aus dem eine zarte Liebe erwächst.

Er habe in Zeiten zunehmenden Populismus einen Film schaffen wollen, in dem Menschen zusammenfinden, teilt Regisseur Mika Kaurismäki zu Beginn von Master Cheng in Pohjanjoki in einer hochsympathischen Videobotschaft mit. Ebenso sympathisch ist auch der Film geraten, mit dem Kaurismäki sein Ziel definitiv erreicht hat: Lebensfreude und Harmonie durchströmen sein Werk, garniert mit zuweilen wunderschönen weiten und sonnendurchfluteten Landschaftsaufnahmen von Finnland, gewürzt mit einer mittelgroßen Prise Humor, der nie aufdringlich daherkommt.

Zwar keimen im Laufe der 114 Minuten immer mal wieder Konflikte auf (im Gegensatz zu einem anderen, viel zu hoch gelobten Sommerfilm…), doch die sind stets schnell beigelegt. Der großen Klischeefalle geht Kaurismäki am Ende zudem gekonnt aus dem Weg. Dennoch wäre wünschenswert gewesen, wenn der Regisseur, sobald es ans Eingemachte geht – sprich: ans Essen, an das darüber Reden und Philosophieren -, konkreter geworden wäre und etwa erläutert hätte, welche Gewürze und Zutaten Verwendung finden. So bleibt Master Cheng in Pohjanjoki ausgerechnet bei seinem Kernthema leider an der Oberfläche hängen. Dennoch gereicht es zu einem sehr gelungenen, luftig-leichten Sommerfilm.

Bild & Trailer: © MFA+

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