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Wild Rose (2018)

Tom Harper, UK 2018 – Es gibt Schauspieler*innen, die haben manchmal einfach einen Lauf. Im vergangenen Jahr war das (meiner ganz subjektiven Wahrnehmung nach) Florence Pugh – in diesem ist es Jessie Buckley. Die konnte erst kürzlich in I’m Thinking of Ending Things und Die Misswahl begeistern, startete aber schon im Dezember 2019 mit Wild Rose in den deutschen Kinos durch. Die gebürtige Irin spielt darin eine Schottin (das muss man erstmal können), die nur eine Passion kennt: Country-Musik. Doch da sind eben auch ihre beiden kleinen Kinder, die sie immer wieder zu ihrer eigenen Mutter (Julie Walters) abschiebt. So auch während ihrer einjährigen Haftstrafe, die am Beginn von Wild Rose endet.

Kaum aus dem Knast will Rose-Lynn, so der Name der jungen, eigenwilligen Frau, sich weiterhin ihrem großen Traum widmen, nach Nashville zu reisen, um dort ihrer Karriere als Sängerin einen Schub zu verschaffen. Bisher trat sie nur im örtlichen Country-Musikclub in Glasgow auf, mit eigenen Interpretationen fremder Songs. Doch zum Erfolg braucht es eigene Kompositionen, was stellvertretend für Rose-Lynns generelles Problem steht, für ihr eigenes Leben (und das ihrer Kinder) Verantwortung zu übernehmen und sich selbst etwas zu erarbeiten. Ein Job als Putzfrau in der Villa einer wohlhabenden Familie soll etwas Kapital generieren – aus der Freundschaft mit der Dame des Hauses (Sophie Okonedo) ergibt sich jedoch bald die Gelegenheit, der BBC in London einen Besuch abzustatten und dort Ratschläge vom, laut Rose-Lynn, einzigen anderen Country-Experten Großbritanniens zu erhalten: dem Radiomoderator Bob Harris (als er selbst).

Regisseur Tom Harper (The Aeronauts) klappert in Wild Rose – leider – alle bekannten Eckpunkte eines Musiker*innenfilms ab: das unbändige Streben nach Ruhm und Erfolg, persönliche Probleme und Hindernisse, Aufstieg, Fall und Rehabilitation. Natürlich kommt kurz vor dem mutmaßlichen Durchbruch die große Läuterung, weshalb der vielversprechende Gig platzt und alles in die Binsen zu gehen droht. Dazu gesellt sich eine deftige Portion Kitsch, wenn Rose-Lynn erkennt, dass sie zu Hause doch schon alles habe, was sie brauche, und die Ferne nur ein großes Surrogat für das eigene Unvermögen sei. Konservativer Käse.

Aber: Da ist eben auch Jessie Buckley, die jede Szene mit ihrer charismatischen Aura, ihrer authentischen Ausstrahlung, ihrer naturgegebenen Sympathie dominiert und an sich reißt. Die wunderbar singt, die wild tanzt, die alles aus sich herausholt, die so frisch und natürlich erscheint, dass man sich nur in sie verknallen kann. Das rettet Wild Rose vor der Mittelmäßigkeit und sorgt für einen guten, wenn auch zu langen und formelhaften Film.

imdb / Trailer

Bild: © Entertainment One

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