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Enola Holmes (2020)

Harry Bradbeer, USA 2020 – Laut Sherlock-Holmes-Autor Arthur Conan Doyle hat der englische Meisterdetektiv nur ein Geschwisterkind: seinen Bruder Mycroft. Erst Anfang dieses Jahrtausend bekamen beide eine Schwester dazu: Die US-Autorin Nancy Springer veröffentlichte ab 2006 eine Reihe von Jugendbüchern rund um die junge Enola Holmes – die nun ihren ersten Film auf Netflix bekommen hat. Und der kann sich durchaus sehen lassen – allerdings unter der Maßgabe, dass der Film wie die Bücher primär für ein jugendliches Publikum gedacht ist.

Enola wird hier gespielt von Millie Bobby Brown (bekannt aus Stranger Things) und als lebensfrohe, aufgeweckte und ziemlich begabte Persönlichkeit gezeichnet, die ihrem detektivischen Bruder (Henry Cavill) in wenig nachsteht. Kontakt zu ihm hat sie allerdings nicht. Stattdessen wird sie allein von ihrer Mutter (Helena Bonham Carter) auf dem familiären Landsitz erzogen, bis die Dame eines Tages verschwindet und ein paar Hinweise zurücklässt, wodurch sich Enola dazu angespornt fühlt, die Fährte aufzunehmen und dabei auch gleich den Bestrebungen ihres Bruders Mycroft (Sam Claflin) zu entfliehen, der sie in eine streng religiöse Erziehungsanstalt stecken möchte.

Enola begegnet auf ihrer Reise sogleich einem jungen Adeligen (Louis Partridge), gegen den ein Mordkomplott im Gange ist. Nun hat die Heranwachsende gleich zwei Fälle zu lösen, die beide mit der bevorstehenden Einführung des Frauenwahlrechts in Verbindung stehen. Der Film ist deshalb von einem emanzipatorischen Grundton unterlegt, der wenig subtil vermittelt wird, was in Anbetracht der Kernzielgruppe (und des allgemeinen Anliegens) aber völlig legitim ist. Leider wird hieraus insgesamt zu wenig gemacht.

Enola Holmes lebt stattdessen allem voran von seinem starken Cast und der amüsanten, verspielten Inszenierung, auch wenn die eine klar erkennbare Linie vermissen lässt (so gibt es etwa Momente, die mit der vierten Wand brechen und mal stark gehäuft auftreten, dann wieder eine ganze Zeit lang gar nicht). Und insgesamt ist der Film auch deutlich zu lang geraten. Unterhaltsam und vergleichsweise klug kommt er dennoch daher.

imdb / Tralier

 

Bild: © Netflix

3 Kommentare zu „Enola Holmes (2020) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich gehe insofern mit mir mit, wenn du sagst, dass der Film emanzipatorisch einen Grundton hat, deine Review liest sich aber dennoch so, als seist du wenig begeistert.

    Ich führe etwas mehr aus: Du hast Recht, der Cast ist stark und die verspielte Inszenierung machen einen großen Teil aus, aber wie gut ist bitteschön die Hauptdarstellerin? „Enola Holmes“ ist einer der wenigen Filme, in dem mich eine Hauptdarstellerin überzeugt hat. Dass unsere Protagonistin besonders am Anfang die vierte Wand durchbricht und es im Laufe der Zeit weniger wird ist für mich nur folgerichtig. Enola entwickelt sich und sagt häufig nur Dinge, die sie mitteilen möchte, so auch zum Zuschauer.
    Last but not least: Meine persönliche Meinung ist nicht, dass der Film sich an ausschließlich Jugendliche richtet. Die Rechnung haut schon nicht mehr hin, weil ich viel zu viele Anfang 30er Männer kenne, die diesen Film gesehen haben und gleichzeitig kenne ich auch ein paar Jugendliche, die allesamt kein Interesse an dem Film haben.
    Unstrittig ist, dass die Figur zarte 16 Jahre alt ist und vermutlich gleichaltrige Kinder und Jugendliche mit Enola identifizieren werden, für mich als Erwachsener heißt es, dass ich nicht immer gegenüber mein Kind recht haben werde und wir nie das Zuhören verlernen dürfen.

    Gefällt 1 Person

    • Begeistert bin ich auch nicht – mehr als ein „Der war ja echt nett“ konnte mir der Film nicht abringen. Die Inszenierung hatte auch so einige Schwächen, die ich nicht ausgeführt habe, etwa die teils furchtbar inszenierten Nahkämpfe…Da konnte mich auch die Hauptdarstellerin nicht überzeugen, deren Spiel ich zwar gut, bisweilen aber auch – gerade durch die manchmal aufgesetzt wirkenden Brüche mit der vierten Wand – etwas überspielt fand. Mag auch daran liegen, dass ich eher subtileres Schauspiel bevorzuge, weshalb ich auch von „Niemals selten manchmal immer“ so begeistert war.
      Der Einsatz dieser Brüche wirkte für mich eher willkürlich und nicht nach einem bewussten Muster festgelegt. Auch deshalb war das in meinen Augen nur ganz nett, aber nicht so toll, wie es hätte sein können.
      Vom Inhalt und der Art der Erzählung her würde ich den schon als einen Film sehen, der vorrangig für ein jugendliches Publikum ist. Sicher, einigen Spätpubertierenden wird das zu blöd sein, deshalb eher so zwischen 12 und 15 vielleicht. Muss ja nicht heißen, dass er älteren Menschen nicht gefallen kann. Aber die Coming-of-Age-Komponente und alles drum herum ist schon sehr jugendgerecht gehalten.

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