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The Trial of the Chicago 7 (2020)

Aaron Sorkin, USA 2020 – Was habe ich mich auf diesen Film gefreut: Regie und – noch viel wichtiger – Drehbuch von Aaron Sorkin! Der Mann also, dem wir die Skripte zu Filmen wie The Social Network, Moneyball, Steve Jobs oder der Serie The Newsroom zu verdanken haben. Der Grund für meine Vorfreude ist simpel: Ich mag, nein, liebe Sorkins Stil. Diese maschinengewehrhaften Dialoge, in denen jedes Wort wie die verbale Faust aufs Auge passt, Argumente Schlag auf Schlag ausgeteilt werden und die immer wieder auf spitze Pointe gegen vor allem konservative politische Kräfte hinauslaufen. Klar, so spricht niemand – aber das hier ist nun mal Film, verdammt! Sorkins zweite filmische Regiearbeit nach Molly’s Game hat mich diesbezüglich kein bisschen enttäuscht.

Erneut hat er sich eine wahre Begebenheit zur Vorlage genommen, die jedoch deutlich größere Ausmaße hat als die halbillegalen Machenschaften von Molly Bloom: die Gerichtsverhandlung gegen die „Chicago 7“ im Jahre 1969. Sieben Mitgliedern der counter culture, welche die Anti-Vietnamkriegs-Proteste vor dem Parteitag der Demokraten organisiert hatten, bei denen es zu gewaltsamen Ausschreitungen kam, wird hier eine politische Verschwörung vorgeworfen. Alle Indizien deuten darauf hin, dass das grober Unfug ist – weshalb der Prozess zu einer höchst politischen Angelegenheit wird. Das liegt nicht zuletzt am Richter (Frank Langella), der sein Urteil schon von Anfang an gefällt zu haben scheint.

Minutiös arbeitet sich der Film durch die Verhandlung, schiebt immer wieder Rückblenden von den Protesten ein und prescht dabei mit einem angenehm hohen Tempo voran. Die Dialoge sind Sorkin in Reinform, diesbezüglich ist also alles gesagt (ob man darauf steht oder nicht, muss man selbst beurteilen). Das Staraufgebot ist riesig – Joseph Gordon-Levitt gibt den zweifelnden Staatsanwalt, Mark Rylance den verzweifelten Verteidiger; Sacha Caron Cohen, Eddie Redmayne und John Carroll Lynch sind auch dabei, um nur einige zu nennen. Und alle machen ihren Job toll bis großartig. Lediglich die Inszenierung ist, sagen wir: zweckmäßig. Sorkin ist deutlich besserer als Autor denn als Regisseur, in dieser Hinsicht fährt er (trotz einiger toller Montagen) im Wesentlichen Standardware auf.

Daran störe ich mich aber überhaupt nicht, denn im Gesamtpaket ist The Trial of the Chicago 7 ein unterhaltsamer, noch mehr aber inhaltlich wahnsinnig interessanter Film, der sich zwar vor allem an konservativen Kräften abarbeitet, aber auch die Gegenkultur nicht mit Kritik verschont. Ein politisches Feuerwerk, das kurz vor der US-Wahl zur rechten Zeit kommt. Auch wenn es vermutlich kaum etwas bewegen wird.

imdb / Trailer

Bild: © Netflix

2 Kommentare zu „The Trial of the Chicago 7 (2020) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Das sehe ich auch absolut genau so, wobei mich die visuelle Redundanz null gestört hat, viel mehr aber einen gewissen Charme eingebracht hat. Ich mochte den Film sehr und „The Newsroom“ ist einer meiner liebsten Serien, nicht umsonst. Ich habe den Film auf Netflix entdeckt und im Trailer war das erste was ich sah „Aaron Sorkin“, danach habe ich direkt auf Play gedrückt, ohne mir den Rest anzuschauen.

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