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Uncle Frank (2020)

Es ist tatsächlich 13 Jahre her, dass (mit Ausnahme eines wenig bekannten Fernsehstücks) ein Drehbuch von Alan Ball als Film umgesetzt wurde. Und das bei einem Kerl, der für sein AmericanBeauty-Script einst den Oscar gewann! Leider hat es auch sein jüngstes Werk nicht auf die große Leinwand geschafft, stattdessen hat sich Amazon die Rechte geschnappt und Uncle Frank nun in das Programm von Prime Video eingespeist. Thematisch allerdings weist das diesmal von Ball selbst inszeniert Werk große Ähnlichkeiten zum im Jahr 2000 vierfach Oscar-prämierten Film mit Kevin Spacey in der Hauptrolle auf: Es geht um (gesellschaftlich) unterdrückte Homosexualität.

Konkret: Um Frank (Paul Bettany), der in einer erzkonservativen Familie in South Carolina aufwuchs und nun – Mitte der 1970er – Literatur-Professor an einer New Yorker Uni ist. Kurz nachdem seine Nichte Beth (Sophia Lillis), zu der er seit jeher eine sehr gute Beziehung pflegt, dort ein Studium beginnt, verstirbt Franks Vater. Beide begeben sich in die Heimat, um an der Beerdigung teilzunehmen – und Franks langjähriger Lebenspartner Wally (Peter Macdissi) schmuggelt sich mit dazu. Die Crux: Bisher weiß niemand in seiner Familie, dass Frank schwul ist, auch Beth hat erst kürzlich davon erfahren. Von einer traumatischen Erfahrung in seiner Jugend und der repressiven Natur seines Vaters geplagt und verfolgt, hadert der Professor damit, ob und wie er seiner Familie diesen Fakt vermitteln soll.

Die Prämisse macht schon deutlich: Uncle Frank erzählt keine innovative Geschichte, sondern entspinnt sich als recht konventionelles, von Balls Biografie geprägtes Beziehungs- und Familiendrama. Aber: Die Umsetzung ist verdammt gelungen. Das liegt allem voran an den Leistungen der Darsteller*innen (insbesondere den drei Hauptakteur*innen) sowie den authentischen Dialogen, die Humor, Gefühle und tiefsitzende psychologische Probleme scheinbar mühelos zu einer kohärenten Mixtur vermengen. So wachsen einem die Charakter verdammt schnell ans Herz, werden greif- und fühlbar, ohne dass hier mit der ganz großen emotionalen Keule zum Schlag ausgeholt wird. Das passiert erst im letzten Drittel und kommt dann mit umso mehr Wucht daher. Allerdings: Wo Uncle Frank in seiner verbalisierten Sprache durchaus offenherzig mit dem Thema Homosexualität umgeht und einen kritischen Blick auf homophobe Strukturen innerhalb der (US-)Gesellschaft wirft, bleibt er in seiner Bildsprache ziemlich prüde. Mehr als zwei verhaltene Küsse gönnt er Frank und Wally nicht. Dennoch: Ein sehr gelungener Film und ein Highlight im diesjährigen „Streaming only“-Line-up.

imdb / Trailer

Bild: © Amazon Studios

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