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Rettet den Zoo (2020)

Haechiji Ana, Son Jae-gon SKR 2020 – Allerspätestens seit dem Oscar-Gewinn für Parasite sind die Augen der Filmwelt auf Südkorea gerichtet. Eine ähnliche Richtung wie Bong Joon-hos Meisterwerk – eine schwarze Komödie mit sozialkritischem Einschlag – schlägt auch Son Jae-gons Rettet den Zoo ein. Das „schwarz“ muss hier allerdings durch „albern“ ersetzt werden, was man schon an der Grundidee ablesen kann: Der Nachwuchs-Anwalt Tae-soo (Jae-hong Ahn) wird von seinem Chef beauftragt, einen insolventen Tierpark, den eine der Kanzlei-Klientinnen kürzlich zum Schnäppchenpreis erworben hat, wirtschaftlich wieder zum Laufen zu bringen. Gelingt ihm das, winkt ihm eine Anstellung als Kanzlei-Partner.

Als Tae-soo in dem Zoo, dessen frischgebackener Direktor er nun ist, aufschlägt, zeigt sich vor seinen Augen jedoch ein Trauerspiel: Die meisten exotischen Tiere sind bereits verkauft, übrig sind nur noch ein paar Vögel und Erdmännchen sowie ein Eisbär, dem die lebenslange Gefangenschaft psychologische Schäden beschert hat. Außerdem: drei Angestellte und der labile, nun ehemalige Direktor, der in Selbstmitleid über sein Versagen fast schon zerfließt. Wie also an neue Kundschaft kommen? Aus der Not heraus hat Tae-soo eine verrückte Idee: Er lässt die Angestellten in Tierkostüme schlüpfen – Eisbär, Löwe, Gorilla und ein viel zu großes Faultier. Als der falsche Eisbär eines Tages eine Cola vor den Augen der noch sehr wenigen Gäste trinkt, geht ein Video davon viral, die Besucher stürmen in Scharen herbei, und der Zoo scheint gerettet. Doch dann ergeben sich ganz andere Probleme.

Ich wage zu behaupten, dass Hollywood aus dieser Grundidee eine platte Komödie ohne irgendeine Form von Anspruch gemacht hätte (vielleicht noch mit Kevin James in der Hauptrolle – Der Zoowärter, anyone?). Tatsächlich wirkt auch Rettet den Zoo in seiner ersten Stunde so, als wäre er genau das der Fall – bis ganz plötzlich (und, zugegeben, auch ein wenig offensichtlich) klar wird, dass hier deutlich mehr drinsteckt. Da werden Parallelen zwischen den eingepferchten Tieren und Büroangestellten gezogen, die selbst scheinbar niederste Arbeiten widerspruchlos verrichten müssen, um ihre Herrchen/Chefs zufriedenzustellen. Da gibt es ganz allgemeine Kritik am Konzept, frei lebende Tiere in enge Käfige zu sperren. Und da wird – im letzten Drittel – die Skrupellosigkeit und Bigotterie von Großinvestoren ersichtlich, die zwar ein gutes Image ausstrahlen wollen, in Wahrheit aber jede Gelegenheit für ein bisschen Profit nutzen.

Leider, leider bleibt Rettet den Zoo sowohl diesbezüglich als auch komödiantisch über seine zwei Stunden Laufzeit recht seicht. Insbesondere Letzteres bietet zwar ein paar nette Slapstick-Momente sowie einige hervorragende Running-Gags, echte Kalauer bleibt der Film aber schuldig. Ärgerlich auch, dass das Budget offenbar doch recht schmal war: Der (echte) Eisbär, der am dramaturgischen Höhepunkt nochmal besonders wichtig wird, ist bestenfalls mittelmäßig animiert. Und auch das rührselige Ende hätte eine Spur dezenter ausfallen können. In Summe bleibt Rettet den Zoo aber eine erbauliche, kurzweilige Komödie, die vor allem mit einem starken Mittelteil aufwartet.

imdb / Trailer

Bild: © Capelight Pictures

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