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Mein 40-jähriges Ich (2020)

The 40-Year-Old Version, Radha Blank, USA 2020 – Radha Blank ist eine Hauptfigur, die man so für gewöhnlich nicht in Filmen sieht.Eine beleibte Schwarze im Alter von 39 Jahren, die inmitten von Harlem wohnt, die nicht völlig an der Armutsgrenze kratzt, deren Job als Leiterin einer Theatergruppe an einer Highschool sie nur mäßig zufriedenstellt, die stattdessen endlich mal wieder als Dramaturgin ein eigenes Stück auf die Bühne bringen will, nachdem sie vor über zehn Jahren unter die vielsprechendsten 30 Theaterautor*innen unter 30 gewählt wurde. In ihrem neuen Werk soll es um die Gentrifizierung in ihrem Viertel gehen – als sich jedoch eine Chance ergibt, will der affektierte (und natürlich weiße) Produzent ganz viel ändern. Damit das Ganze auch jener Publikumsschicht mit seiner Hautfarbe gefällt, damit die sich am Elend und Leid der Schwarzen Hauptfiguren ergötzen und selbst besser fühlen können. Sagt er so zwar nicht, ist jedoch klar erkennbar – auch für Rahda, die derartiges sehr treffend mit poverty porn bezeichnet.

Irgendwann hat Radha genug. Genug von den selbstgefälligen Weißen, die die New Yorker Theaterszene dominieren. Genug vom afroamerikanischen Subkultur-Theater, das für ihr Stück nicht ausreichend zahlen würde, damit Radha ihre Miete begleichen kann. Genug von ihren Schüler*innen, die sich wegen jeder Kleinigkeit in die Haare kriegen. Genug von dem Obdachlosen, der sie jeden morgen anbläkt, wenn sie die Haustür verlässt. Radha beschließt, ihr nächstes Lebensjahrzehnt mit einem neuen Karriereschritt zu beginnen: als Rapperin. Und verdammt nochmal, sie hat auch das Talent dafür.

Radha Blank ist in Mein 40-jähriges Ich nicht nur der Name der Hauptfigur, sondern auch der der Hauptdarstellerin, Autorin und Regisseurin, die ihr Leben hier – natürlich kreativ-künstlerisch verfremdet – filmisch aufarbeitet hat und als selbstbewusste, schlagfertige, wortgewaltige und verdammt lustige Person die Straßen und Theaterszene New Yorks aufmischt. In kernigem Schwarz-weiß gehalten ist der Film eher eine Folge von kausal zusammenhängenden Einzelszenen als eine Geschichte, die einer stringenten, klassischen Dramaturgie folgt, die dadurch aber umso authentischer wirkt. Überhaupt ist Authentizität die ganz große Stärke von Mein 40-jähriges Ich: Der Look wirkt zwar künstlich, und auch die meisten Nebenfiguren wirken wie klischeehafte Abziehbilder, doch das Lebensgefühl dieser Frau, die hier im Mittelpunkt steht, ihr Umfeld, ihr Job – all das bringt der Film extrem glaubwürdig auf den Punkt. Vor allem aber macht es einfach nur Spaß, Radha Blank bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung, der Bewältigung ihrer Probleme und ihrer neuen Form der Selbstverwirklichung zuzusehen.

imdb / Trailer

Bild: © Netflix

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