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Meine Top 20 Filme 2020 – Platz 10 bis 1

Schließen wir das Filmjahr 2020 endgültig ab. Nach meinen Plätzen 20 bis 11 folgen hier nun jene Filme, die 2020 am meisten Eindruck bei mir hinterlassen haben. Wer es noch ausführlicher möchte, klickt einfach auf die beigefügten Links oder – noch besser – hört in die Jahresrückblick-Folge der Kinotagesstätte rein, in der wir drei Stunden lang über die besten (und auch ein paar der schlechtesten) Filme des zurückliegenden Jahres sprechen.

Und damit: Auf ein gesundes neues Jahr, in dem es außerhalb der Kinos hoffentlich wieder etwas entspannter wird – innen aber umso spannender.

Platz 10: Da 5 Bloods

Spike Lee schickt vier Schwarze Vietnam-Veteranen zurück ins ehemalige Kriegsgebiet, um nach einer Kiste mit Gold zu suchen, die sie dort in den 70ern vergraben haben. Ein Film mit so einigen Schwächen, der aber auf ganz eigene, charmante Weise mit Genres, Stimmungen und Stilmitteln spielt, sich von Beginn an als fiktives filmisches Werk zu erkennen gibt, das das aktuelle politische Geschehen mit der Vergangenheit verknüpfen will – und das, im Gegensatz zu so vielen anderen Filmen, nicht nur vorgibt, etwas zu sagen zu haben, sondern das im Hinblick auf Rassismus, Hass, Gewalt und (historische) Schuld tatsächlich auch hat.

Da 5 Bloods Bild: © Netflix

Platz 9: The Trial of the Chicago 7

Ein guter Film zu einem grandiosen Drehbuch: Ich liebe Aaron Sorkins Dialoge und wurde in dieser Hinsicht auch von seiner zweiten Regiearbeit nicht enttäuscht. Die Geschichte der Verhandlung der sogenannten Chicago 7 ist ein spannender, wortgewaltiger Polit- und Gerichts-Thriller mit Staraufgebot und denkwürdigen Pointen.

The Trial of the Chicago 7 © Netflix

Platz 8: Soul

Der Seelentröster am Ende eines beschwerlichen Jahres: Soul nutzt sein inhaltliches Potenzial vielleicht nicht in Gänze aus, kommt nicht an Alles steht Kopf heran und ist insgesamt eher für eine erwachsenere Zielgruppe gedacht, spiegelt er doch deren Erfahrungshorizont eher wider als den von Kindern. Gerade Letzteres macht ihn aber so besonders, vor allem im Œuvre von Pixar. Humor, Animationstechnik, Emotionen – all das stimmt hier. Und doch gab es 2020 noch zwei bessere Animationsfilme…

Soul © Disney

Platz 7: Familie Willoughby

…einer davon ist dieser hier: Familie Willoughby, ein visuell verspielter Gegenentwurf zu all den Heiti-Deiti-Familienschmonzetten, in dem vier Kinder im Mittelpunkt stehen, die von ihren Eltern bis aufs Blut verachtet werden. Unfassbar witzig und zynisch geht dieser Film das Thema Familie mal anders an und führt es vor allem auch anders, sprich: unerwartet zu Ende. Allein dieser Ansatz ist aller Ehren wert, die rundum gelungene Ausführung hat ihm Platz 7 auf meiner Liste gesichert.

Familie Willoughby © Netflix

Platz 6: Tenet

Auch dieser Film ist nicht perfekt, der große Mehrwert von Tenet liegt vielmehr darin, uns dieses Jahr bewiesen zu haben, wie wirkungsvoll Kino im Großformat noch immer sein kann. Tolle Bilder, knallender Sound, eine ausufernde Geschichte, die mal wieder etwas ganz Neues, Eigenes versucht und dabei zwar auch einige Schwächen (etwa in der Charakterzeichnung) zeigt, bei der aber die Stärken nicht nur ästhetisch, sondern auch narrativ dominieren. Im Gegensatz zu Inception will Christopher Nolan hier auch überhaupt keine emotional aufgeladene Story erzählen, weshalb Tenet für mich deutlich besser funktioniert. Ach ja, und natürlich wegen des fantastischen Hauptdarsteller-Duos.

Tenet © Warner Bros.

Platz 5: Niemals Selten Manchmal Immer

Das komplette Kontrastprogramm: ein kleiner, ruhiger, subtiler Film über eine 17-Jährige, die ihre Schwangerschaft beenden will und dafür nur mit ihrer Cousine auf eigene Faust nach New York reist. Ein unfassbares Debüt der Hauptdarstellerin gepaart mit einer intimen, sinnlichen Bildsprache, die dem Publikum viel Interpretationsspielraum für die Gefühle und Gedanken der Protagonistin gibt, die überwiegend ruhig spielt, in den richtigen Momenten aber emotional förmlich explodiert. Hat wahnsinnigen Eindruck hinterlassen.

Niemals Selten Manchmal Immer © Universal

Platz 4: Knives Out

Nach dem Kinobesuch war ich dezent ernüchtert, erst bei der zweiten Sichtung lernte ich Knives Out so richtig zu schätzen. Rian Johnson spielt mit großer Freude mit Krimi-/Whodunit-Konventionen, erschafft damit eine extrem unterhaltsame Mischung aus Hommage und Parodie, hat dafür einen großartigen Cast versammelt – und der ganzen Angelegenheit zugleich auch noch einen gesellschaftspolitisch höchst aktuellen Unterton verpasst.

Knives Out © Universum Film

Platz 3: Für Sama

Videoaufnahmen aus dem Herzen des bürgerkriegsgeplagten Aleppos, die über fünf Jahr entstanden und – nach der Flucht der Regisseurin – zu einem eindrucksvollen Dokumentarfilm mit poetischem Off-Kommentar zusammengefügt wurden: Das ist Für Sama. Ein Streifen, der an die Nieren geht und um Gegensatz zu allen distanzierten journalistischen Berichten eine subjektive Nähe vermittelt, die man so noch nicht kannte.

Für Sama © Filmperlen

Platz 2: Der schwarze Diamant

Im anstrengendsten Film des Jahres spielt Adam Sandler einen Schmuckhändler, der auf der unermüdlichen Jagd nach dem großen Geld ist und selbst dann, wenn er es vor sich hat, nicht genug bekommen kann. Sandler liefert die Performance seines Lebens ab – und ist doch ganz er selbst. Erzählweise, Tempo und Ästhetik aus der Hand der Safdie-Brüder suchen ihresgleichen. Eine turbulente Fahrt durch die Mechanismen des Kapitalismus.

Uncut Gems/Der schwarze Diamant © Netflix/A24

Platz 1: Wolfwalkers

Von Minute eins an habe ich mich in diesen Film verliebt. Und Liebe macht bekanntlich blind – etwa für die Tatsache, dass dieser so unfassbar charmante Animationsfilm keine innovative Geschichte erzählt, sondern im Wesentlichen in bekannten „Natur gegen Mensch“-Gefilden wildert. Aber: Wolfwalkers hat einen derart schönen, kreativen, verspielten Look und zwei unheimlich liebenswerte Hauptfiguren, sodass man schnell vergisst, dass man hier eine lediglich solide Story serviert bekommt. Und das ist für mich Grund genug, um ihn zu meinem liebsten, weil rundesten, einprägsamsten und am meisten Eindruck hinterlassenden Film des Jahres 2020 zu küren. Habe ich schon erwähnt, wie wunderschön dieser Film ist?

Wolfwalkers © Apple TV+

Beitragsbild: © Filmperlen/Netflix/Universal

6 Kommentare zu „Meine Top 20 Filme 2020 – Platz 10 bis 1 Hinterlasse einen Kommentar

  1. „Never Rarely Sometimes Always“ hat mich auch stark beeindruckt. Würde ich ein BestOf schreiben, wäre der Film auf jeden Fall in den Top3. „Wolfwalkers“ ist also gut, sagst du? Ich hab ja noch AppleTV for free zur Zeit. Muss ich wohl doch reinschauen…

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