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Vergiftete Wahrheit (2019)

Dark Waters, Todd Haynes, USA 2019 – Manche deutscher Verleiher hat neuerdings offenbar das unbändige Bedürfnis, allem, worauf das Label „Wirtschafts-/Investigativ-Thriller“ passt, ein „Wahrheit“ in den Titel pressen zu müssen. Erschütternde Wahrheit, Die Erfindung der Wahrheit, und nun also Vergiftete Wahrheit, der hierzulande den deutlich poetischeren Originaltitel Dark Waters ablöst. Sei’s drum, was zählt, ist der Inhalt, und da weiß dieser Film von Todd Haynes wenig überraschend zu überzeugen. Mark Ruffalo spielt Rob Bilott, einen frischgebackenen Anwalt im Dienste einer Kanzlei, die vor allem Chemieunternehmen vertritt, und wird durch einen Bekannten seiner Großmutter auf einen Skandal in seiner Heimat aufmerksam. Dort, in West Virginia, kippt der US-weit führende Chemiekonzern Dupont offenbar giftige Substanzen in Wasser.

Die Sache ist: Bisher ist nicht offiziell erwiesen, dass das Zeug krank macht. Die Studien des Konzern sagen (natürlich) etwas anderes, und so wühlt sich Bilott durch Berge von Akten, um gegenteilige Beweise zu finden, trifft dabei aber nicht nur beim Konzern auf Widerstand, sondern auch bei der lokalen Bevölkerung, für die Dupont der größte Arbeitgeber ist.

Schummrige, düstere, farbarme Bilder dominieren die Ästhetik von Vergiftete Wahrheit – die, wie die Inszenierung im Allgemeinen, eher pragmatisch ausfällt, in erster Linie aber die von Paranoia und Ohnmacht im Angesicht von Kapitalinteressen getragene Atmosphäre effektiv visuell transportiert. Auch der Skandal, der hier (nach einer wahren Geschichte) aufgedeckt wird, hat es in sich, das eigene Küchenregal wird man nach Dark Waters jedenfalls mit anderem Blick sehen. Gleichwohl fällt der Reveal-Moment jenes Skandals, der bereits in der Filmmitte geschieht, etwas zu überdramatisiert aus, insbesondere im Hinblick auf den Rest dieses sonst so bodenständigen, geradezu nüchternen Films. Auch Mark Ruffalos Figur, so gut sie gespielt ist, lässt nur wenig emotionale Nähe zu, entfremdet sich in der zweiten Hälfte gar zunehmend vom Publikum. Deutlich nahbarer fällt da sein von Tim Robbins verkörperter Chef aus, ein erstaunlich ambivalenter Charakter, der für den stärksten Moment dieses guten, aber dann doch nicht herausragenden Filmes sorgt.

imdb / Trailer

Bild: © Tobis

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