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Pretend it’s a City (2021)

Martin Scorsese, USA 2021 – „Pretend it’s a City“, sinngemäß „Verhalte dich, als ob es eine Stadt wäre“ – das sagt Fran Lebowitz regelmäßig zu Menschen, die vor ihr auf den Fußwegen New Yorks aus dem Nichts stehenbleiben und auf ihr Handy starren. Zumindest behauptet die 70-Jährige das zu Beginn des jüngsten Werks von Martin Scorsese, der seine Netflix-Dokumentarserie sogleich mit genau dieser Aufforderung betitelt hat. Dokumentarisch im Sinne eines größeren oder gar investigativen Erkenntnisgewinns über ein spezifisches Thema ist Pretend it’s a City allerdings nicht, stattdessen ist die Serie stark essayistisch geraten. In sieben Episoden lässt Scorsese die Schriftstellerin, Kolumnistin und – so scheint – es Universalgelehrte zu verschiedenen Themen wie Verkehr, Gesundheit, Büchern oder eben der Entwicklung der „greatest City of all Time“ zu Wort kommen. Und meine Güte, ist das unterhaltsam!

Denn Lebowitz hat all das, was es braucht, um ein solches Format gleichsam interessant wie entertaining zu machen: eine Wagenladung Charisma, Spontanität, Tempo, ein Haufen Anekdoten im Gepäck und zu alles und jedem eine Meinung, die oftmals aneckt und gern dem Mainstream widerspricht, in ihrer Argumentation aber absolut schlüssig ist. Früher habe Rauchen als gesund gegolten, Marihuana hingegen sei als Teufelszeug angesehen worden – und heute sei das erstaunlicherweise genau anders herum, erzählt sie an einer Stelle. An anderer streitet sie mit Spike Lee darüber, welche gesellschaftliche Funktion Sport erfüllt – und kommt zum Schluss, dass Basketball und Football nur populär sind, weil er primär von Männern betrieben werde, und Männer eben die Welt beherrschen. Und während Sportstadien mit Millionen aus Steuergeldern gefördert würden, sei das bei Kulturstätten nicht so, obwohl von letzteren alle profitieren.

In der Regel münden Lebowitz‘ Ausführungen in wunderbar scharfsinnigen Pointen, die deutsche Stand-Upper vor Neid erblassen lassen würden. Gekrönt wird das Ganze nur noch durch Scorsese herrlich authentisches Gelächter im Hintergrund. Auf diese Weise sind sieben halbstündige Episoden entstanden (so lang also wie Scorseses The Irishman also), die so kurzweilig wie informativ sind – und sich wunderbar an einem Abend wegbingen lassen.

imdb / Trailer

Bild: © Netflix

2 Kommentare zu „Pretend it’s a City (2021) Hinterlasse einen Kommentar

    • Ich war von Beginn an begeistert, war genau mein Fall 😅
      Liegt wohl auch daran, dass es sehr stand-uppig wirkte und ich US-Stand-up im Gegensatz zu deutschem sehr mag, vor allem im Hinblick auf die Dynamik

      Gefällt mir

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