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Dick Johnson is Dead (2020)

Kristen Johnson, USA 2020 – Kristen Johnson hat einen Film gedreht. In der Hauptrolle: ihr Vater Richard. Richard ist Psychologe. Und Richard leidet an Demenz. Richard verliert allmählich sein Gedächtnis, wird bald sterben. Dick Johnson is Dead heißt dieser Film. Und er ist einerseits Portrait – andererseits Therapie. Eine Therapie für Kristen, für Richard, für die gesamte Familie, die auf diese Weise verarbeiten will, dass dieser nette, ältere Herr in den 80ern allmählich seine Erinnerung und damit zum Teil auch seine Identität verliert.

Richard gibt seine Praxis auf und sein Zuhause, zieht in die kleine Wohnung seiner Tochter. Szenen des familiären Miteinanders bilden den Hauptbestandteil, doch immer wieder durchbrechen inszenierte Einlagen diese Alltäglichkeit. Sie zeigen (unechte) Unfälle, in denen Richard Johnson urplötzlich zu Tode kommt, von einem Auto überfahren oder einer Waschmaschine erschlagen wird. Und sie zeigen ihn im Paradies, feiernd, in Zeitlupe tanzend, bei bester Laune und in schillerndem Licht, prächtigen Farben. Was keiner kohärenten erzählerischen Linie zu folgen scheint, zeigt das Wechselbad der Gefühle, in der sich Kristen Johnson befindet – hin und her gerissen zwischen der Freude, noch ein wenig Zeit mit ihrem Vater verbringen zu können, doch wohlwissend, dass das Ende bald kommt.

Dick Johnson is Dead ist ein Film über Verlust. Über eine spezifische Art von Verlust. Nicht diejenige Art, bei der ein Familienmitglied plötzlich, unerwartet zu Tode kommt. Sondern bei der dieser Prozess langsam, schleichend verläuft. Zwar letztlich mit dem selben Ausgang, doch die Trauer, der Schmerz und dessen Bewältigung – all das ist auf seine Weise anders. Weshalb dieser Film aber überhaupt funktioniert, und dann auch noch so gut, ist einer schlichten Tatsache geschuldet: Richard Johnson ist ein Mensch, den man unmittelbar ins Herz schließt. Der niemals irgendwelche negativen Gefühle zeigt, dessen Lachen einem stets ein ebensolches abringt, der einfach unfassbar sympathisch ist. Gut möglich, dass Kristen Johnson uns die unschönen Momente einfach erspart, sie gar nicht erst aufgenommen oder herausgeschnitten hat. Doch der Richard Johnson, den wir hier sehen, ist eben der, den sie in Erinnerung behalten will. Und das ist ihr gutes Recht.

imdb / Trailer

Bild: © Netflix

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