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The 800 (2020)

Ba Bai, Guan Hu, CHN 2020 – Corona hat es geschafft: Der finanziell erfolgreichste Kinofilm des Jahres 2020 kommt nicht wie üblich aus Hollywood, sondern aus China. The 800 dreht sich um die 800 titelgebenden chinesischen Soldaten, die 1937 während des zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges Shanghai vor den Invasoren verteidigen sollen und sich dafür in einem alten Lagerhaus an einem Flussufer einbunkern. Auf der anderen Seite des Flusses: die internationalen Konzessionen, eine Schutzzone, in der etliche Chines*innen sowie britische, französische und amerikanische Staatsbürger*innen verschanzt haben. Und die die Kämpfe im Laufe der fünf bevorstehenden Tage als großes Spektakel aus halbwegs sicherer Distanz beobachten können.

The 800 ist ein Film, der bei mir starke Gefühlsschwankungen ausgelöst hat. Ich habe mich geärgert über die humpelnde Exposition, über die unzureichende Fokussierung der Handlung, die keinen klaren Protagonisten findet (weil Heldentum ja nicht individualisiert werden darf, sondern im Kollektiv aufgehen muss), und vor allem über das massive Ausmaß des Pathos, der einem hier spätestens in der zweiten Hälfte mit dem nackten Arsch ins Gesicht springt. Auf der anderen Seite waren da die überragenden ästhetischen Qualitäten dieses Films, für den einerseits ein riesiges Set gebaut wurde, was sehr dabei hilft, die räumliche Orientierung zu behalten, und der andererseits komplett (!) per IMAX gedreht wurde. Was – in Verbindung mit den oft bodennahen, mobilen und langen Einstellungen – für eine derart wuchtige, hochauflösende Optik sorgt, dass ich aus dem Staunen nicht herauskam. Da tut es fast weh zu wissen, dass wir diesen Film hierzulande nicht auf der Leinwand sehen können. Also gilt: Wer The 800 sehen will (was seit dem 11. Februar möglich ist), sollte einen möglichst großen Bildschirm dafür nutzen.

Allein wegen der visuellen und auditiven Opulenz lohnt sich das – vorausgesetzt, man kann den Pathos und die agitatorisch-politischen Aspekte ausblenden (The 800 hat natürlich eine kleine, interessante Zensurgeschichte hinter sich). Wer das nicht kann, wer die ganze Zeit das Politische im Vordergrund sieht, von solchen Pathosschleudern generell angewidert ist oder wer ausschließlich Anti-Kriegsfilme ertragen kann, der sollte sich besser fernhalten. Denn letzteres ist The 800 definitiv nicht, sondern ein Film, der den Krieg hemmungslos heroisiert. Aber meine Fresse, was für Bilder!

Zur ausführlichen Kritik auf kino-zeit.de

imdb / Trailer

Bild: © Koch Films

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