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Proxima – Die Astronautin (2019)

Proxima, Alice Winocour, FRA/DEU 2019 – Die französische Astronautin Sarah Loreau (Eva Green) darf ins All: Als Teil einer dreiköpfigen Crew wird sie ein Jahr auf einer Raumstation verbringen, völlig abgeschottet von der Erde, die Mission ist ein Probelauf für einen kommende Mars-Ausflug. Konflikte ergeben sich dabei nicht nur mit ihrem amerikanischen Kollegen Mike (Matt Dillon), sondern auch mit ihrer Tochter Stella (Zélie Boulant). Die wird derweil nämlich in die Obhut ihres Vaters (Lars Eidinger) gegeben, von dem die Mutter schon länger getrennt lebt. Das gefällt Stella anfangs so gar nicht – und später umso mehr, weshalb Sarah Verlustängste ereilen.

Alice Winocours Film ist eine Ehrerbietung gegenüber allen Raumfahrerinnen, die ihre Familien und vor allem Kinder für ihre Arbeit auf der Erde zurücklassen mussten, eine Erzählung über die vermeintliche Unvereinbarkeit von Mutterrolle und diesem Job, der einem alles abverlangt. Denn während es bei ihren männlichen Kollegen als völlig normal angesehen wird, dass sie ihre Kinder bei der Ehegattin lassen, muss Sarah mit entsprechenden Vorurteilen kämpfen. Glücklicherweise vermeidet Proxima diesbezüglich die sich anfangs andeutenden Plattitüden und entwickelt im späteren Verlauf viele angenehm subtile Nuancen.

Ins All geht es dabei nicht beziehungsweise erst ganz am Ende. Das Geschehen beschränkt sich auf die Vorbereitungen, bleibt irdisch, quasi bodenständig, genau wie der erzählerische Ton des Films selbst – der dadurch leider konstant im seichten Fahrwasser bleibt. Denn die Beziehung zwischen Mutter und Tochter wird hier zwar feinfühlig gezeichnet, ist aber nicht mitreißend genug, um seine Dominanz im Film zu rechtfertigen. Oder vielmehr die Tatsache, dass durch diese Dominanz andere spannende Aspekte entweder zu wenig beleuchtet werden (konkrete Trainingseinsätze kommen etwa sehr selten vor) oder letztlich nur Vehikel sind, um diesen Beziehungskonflikt weiter auszubauen.

Schwierig ist das auch insofern, als dass Stella als introvertiertes Mädchen mit einer Rechen- sowie Lese-Rechtschreib-Schwäche als besonders schwach und schützenswert gezeichnet wird, so als müsse der Konflikt hier noch künstlich verschärft werden, um zu funktionieren. Und nicht zuletzt ist da noch eine der finalen Szenen, in denen Sarah ihrer Tochter zuliebe einen drastischen Regelbruch begeht, ohne die Konsequenzen dafür zu tragen. Ein emotionaler Klimax, natürlich, aber eben auch eine Gefährdung der Mission und ihrer Crew. Und das ist dann doch mindestens fragwürdig.

Bild: (c) Koch Films

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