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First Cow (2020)

Kelly Reichardt entführt uns ins Oregon des 19. Jahrhunderts, wo der gelernte Bäcker und Koch Otis „Cookie“ Figowitz (John Magaro) mit einer Gruppe Trappern unterwegs ist. Im Wald trifft er auf King-Lu (Orion Lee), der auf der Flucht vor ein paar rachsüchtigen Russen ist. In der Ortschaft Fort Tillken, die das Einzige ist, was hier draußen inmitten der puren Natur an so etwas wie Zivilisation erinnert, schließen sie Freundschaft und sich zusammen. Und wittern bald die Chance auf großes Geld.

Und die sieht so aus: Jede Nacht schleichen sie hinaus, um die erste und bislang einzige Kuh zu melken, die kürzlich hierher gebracht wurde, um aus ihrer Milch Ölgebäck zu fertigen. Das erfreut sich auf dem Markt riesiger Nachfrage, bringt den beiden ein Vermögen ein, sie aber auch in Gefahr. Denn das Tier gehört dem hiesigen Ortsvorsteher (Toby Jones), und der wundert sich bereits, warum es so wenig Milch gibt.

First Cow, der seit einigen Tagen exklusiv bei Mubi verfügbar ist, ist in einem ähnlichen zeitlichen und örtlichen Rahmen wie A.G. Iñárritus The Revenant angesiedelt, könnte erzählerisch und atmosphärisch aber kaum weiter davon entfernt sein. Statt einer unerbittlichen, spannungsgeladenen Hatz durch eine Wildnis voller Gefahren, fährt er das Tempo und die Intensität herunter und erzählt etwas, das man als „authentisches Märchen“ bezeichnen könnte: Zwei Jungs, die ihr Glück suchen, ein böser Despot und ein heiliges Tier, das die Schnittstelle zwischen beiden bildet.

First Cow ist ein Film über und für Genießer, es geht um das Streben nach ein bisschen Lebensqualität dort, wo es nur Bäume, Biber und Beeren gibt, wo ein kleines bisschen Zucker und Milch bereits den Himmel bedeuten. Gerade die Figur des Cookie, dieser zurückhaltende, bescheidene, introvertierte Genussmensch, wächst einem unfassbar schnell ans Herz und verweilt dort lange über den Film hinaus. Entgegen des ersten Eindrucks entstehen dann im letzten Drittel auch einige durchaus geladene Spannungsmomente, die letztlich in einem tragischen, gänzlich unspektakulären, aber treffgenauem Finale münden.

Bild: (c) A24/Mubi

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