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The Green Knight (2021)

David Lowery, USA/IRL 2021 – Habe ich schon mal gesagt, dass ich Trailer nicht mag? (Habe ich tatsächlich, unter anderem in unserer Podcast-Folge #59.) Der Werbe-Clip zu The Green Knight bestärkt mich erneut darin. Der versprach mir ein monumentales, mitreißendes Fantasy-Epos. Monumental ist der Film tatsächlich auch geworden – mitreißend allerdings nicht, sondern so ziemlich das Gegenteil: langatmig, anstrengend, leer, möchte man meinen. Oberflächlich betrachtet zumindest. Nun das große Aber: Das ist gut so und macht die besondere, eigenständige Qualität dieses Films aus. Eines Films, der moderne Genre-Konventionen unterläuft und doch genau das liefert, was man vom Regisseur von A Ghost Story nicht nur erwarten kann, sondern muss.

Worum geht’s? Um Gawain (Dev Patel). Der ist der Neffe des englischen Königs (Sean Harris) im tiefsten Mittelalter und ein ziemlicher Tunichtgut, der seine Tage lieber mit einer Prostituierten (Alicia Vikander) verbringt, anstatt auch nur irgendwie produktiv zu sein. Als der Hofstaat am Weihnachtsabend zusammenkommt, schlägt der Grüne Ritter, ein groß gewachsener Holzkopf, die Tür ein und will sich von einem der Anwesenden einen Schlag mit dem Schwert versetzen lassen. Dafür gibt es seine Axt zur Belohnung, als Symbol der Ehre. Bedingung: Der Schlagende muss den Grünen Ritter in einem Jahr in seinem Heim aufsuchen, um sich den gleichen Schlag versetzen zu lassen. Gawain erklärt sich bereit und enthauptet in einem Anfall von Hochmut den Besucher – der reitet anschließend mit seinem Kopf in der Hand und unter Lachen davon. Ein Jahr später muss sich Gawain aufmachen, um seine Pflicht zu erfüllen.

Ehre und Ruhm, das ist es, was sich er und der König, der ihn gern als seinen Nachfolger sehen möchte, von dieser Reise verspricht, die er allerdings nur widerwillig antritt. The Green Knight stellt diesen Widerwillen nicht explizit zur Schau – wie so vieles nicht. Es ist ein Film der leisen Töne, in dem Dev Patel durch wunderschöne Landschaften wandert, allerhand seltsamen Fantasy-Gestalten begegnet – und in dem doch fast nichts passiert. Das ist die große Besonderheit dieses Films: Er ist eine Anti-Heldenreise, strukturiert wie eine klassische Queste und Abenteuergeschichte, doch die einzelnen Stationen markieren keine Weiterentwicklung des Protagonisten. Er bleibt von Anfang bis Ende jemand, der die Pflicht scheut oder nur widerwillig annimmt, der sich aus Konflikten herausstehlen will, der immer den bequemsten Weg nehmen möchte und die Herausforderung scheut. Eine Antithese zum romantischen Rittertum.

Das muss man wissen, mögen und akzeptieren – dann kann The Green Knight einen ganz eigenen, unvergleichlichen Sog entfalten, nicht zuletzt dank der überragenden audiovisuellen Inszenierung, deren mal weitwinklige, mal erdrückend enge Bildern zum Verweilen und Versinken einladen. Die aber auch immer wieder schockieren und/oder überraschen. Beim breiten Publikum, so behaupte ich, dürfte The Green Knight kolossal scheitern, es wird wohl Action und epische Schlachten vermissen (und die Google-Rezensionen geben mir da auch Recht). Aber das hier ist eben weder Der Herr der Ringe noch Game of Thrones, sondern noch am ehesten Valhalla Rising im britischen Mittelalter statt mit Wikingern.

Bild: (c) Telepool / 24 Bilder

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