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The Suicide Squad (2021)

James Gunn, USA 2021 – Ein bisschen muss ich mich ja wundern: Sind die Ansprüche an das DCEU inzwischen so gering, dass es ausreicht, keinen kompletten Mist abzuliefern, um rundherum gefeiert zu werden? Eine Letterboxd-Durchschnittswertung von 3,8 (vor einigen Tagen noch 3,9) erscheint mir für The Suicide Squad jedenfalls drastisch zu hoch, und wenn ich mir so anschaue, was hier alles in den Himmel gelobt wird – dass er im Superhelden-Genre mal was anderes mache, dass man hier die kreative Freiheit des Regisseurs James Gunn spüre, dass die Figuren einen berühren würden -, dann ploppen über meinem Kopf nacheinander die Fragezeichen auf. Denn eigentlich ist dieser Film eine reichlich generische Angelegenheit, wenn auch mit netter Verpackung.

Ich muss an dieser Stelle mal wieder sehr persönlich werden, denn offenbar scheint mein ganz subjektives Filmempfinden dem der meisten anderen zu widersprechen (ist ja nix Neues, siehe Once upon a Time in Hollywood), ich kann meine Probleme mit The Suicide Squad jedenfalls nur bedingt an irgendwie objektivierbaren Kritikpunkten festmachen. Die Handlung um eine Gruppe von DC-Schurken, die im Auftrag von Amanda Waller (wie schon im ersten Suicide Squad Viola Davis) auf eine Insel geschickt wird, um dort einer außerirdischen Bedrohung/Superwaffe den Garaus zu machen, ist im Kern grundsolide und konnte mich vor allem in seinen dynamischeren Momenten unterhalten. Und doch musste ich ziemlich oft die Nase rümpfen.

Da ist zum Ersten der Humor, der mich trotz aller (krampfhaften) Bemühung von James Gunn mal so gar nicht bekommen hat und mir nur ein einziges Mal ein kurzes Lachen abringen konnte. Aber okay, kann man zum Teil sicher auch auf die deutsche Synchro schieben. Zum Zweiten sind da die extremen tonalen Schwankungen: The Suicide Squad pendelt permanent zwischen Slapstick-Blödelei, Coolness-Action-Momenten und gewollt emotionalen Charaktermomenten, die alle klar als solche voneinander abgetrennt sind – und fühlt sich dadurch sehr fragmentarisch an. In einer Szene wird herumgealbert, in der nächsten wird mir die tragische Hintergrundgeschichte gleich mehrerer Figuren in den Hals geschaufelt, weil es das Drehbuch an genau dieser Stelle verlangt, nur damit die darauffolgende Szene in der Bar mir wieder ein gutes, beschwingtes Gefühl vermitteln soll. Marvel macht das zwar auch, und das wird dort auch zu Recht kritisiert, allerdings nicht immer in derart extremer Form.

Und zum Dritten sind da die Figuren. Ohne Zweifel, Idris Elba wird seiner Rolle als Posterboy dieses Films mehr als gerecht, spielt seine Rolle mit super viel Charisma aus. Und auch der heimliche Star Ratcatcher Two ist Gold wert, was aber weniger dem Skript als vielmehr der nahbaren, super sympathischen Darstellung von Daniela Melchior zu verdanken ist. Der Rest? Konnte mir kaum egal sein beziehungsweise schöpft sein Potential einfach nicht aus, siehe etwa Shark King (gesprochen Sylvester Stallone). Hinzu kommt, dass Harley Quinns (Margot Robbie) völlig überflüssiger Part in der Handlung so wirkt, als wäre sie noch nachträglich reingeschrieben worden – weil die halt in so einen DC-Antiheldenfilm rein muss.

Das reicht in Summe für einen Film, dessen Kinobesuch ich zumindest nicht bereut habe. Den ich aber nicht nochmal sehen muss. The Suicide Squad hätte mich womöglich überzeugen können, wenn er etwas zielgerichteter, kohärenter, knackiger und weniger flatterhaft gewesen wäre, inhaltlich wie erzählerisch. So ist er wenig mehr als ein vergnüglicher Flickenteppich von Film, bei dem sich mir wirklich die Frage aufdrängt, warum er von einigen Stellen als Genre-Innovation gefeiert wird. Wie muss dann erst echte Innovation aussehen?

Bild & Trailer: (c) Warner Bros.

5 Kommentare zu „The Suicide Squad (2021) Hinterlasse einen Kommentar

      • The New Mutants sehe ich ganz knapp dahinter, im Superheldengenre ist es aber auch leicht innovativ zu sein^^
        Ja, aber dann auf das Ganze (überbewertete) Genre abzielen. 3,8 für den geht schon in Ordnung, vor allem wenn man bedenkt, dass Marvelallerlei mindestens 3,5 hat.

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  1. Was Comicverfilmungen angeht hat mich The Suicide Squad sehr begeistert und ist gemessen am Jahr 2021 die bisher beste Comicverfilmung neben Invincible. Ich finds gut wenn man sich im Genre traut mal etwas dreckiger oder düsterer zu sein. Ein Grund warum ich auch den Snyder Cut so mochte obwohl der sehr langatmig war. 🙈

    Habe diese Jahr zum Beispiel auch The New Mutants gesehen und empfand ihn als wesentlich besser als befürchtet. 😅

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    • Dreckiger ja, aber düster ist der ja nicht, im Gegenteil sogar ziemlich bunt und flippig.
      The New Mutants ist m.E. auch der deutlich bessere Film, der sich auch wesentlich mehr traut, was das Aufbrechen von gewohnten Strukturen betrifft

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