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Eternals (2021)

Chloé Zhao, USA 2021 – Stichwort „Erwartungs-Management“: Ich war ja zunächst durchaus gespannt, was aus der Hochzeit (oder vielleicht doch eher Affäre?) des Marvel Cinematic Universe mit Chloé Zhao (The Rider, Nomadland) werden würde. Schließlich müsste sich der langsame, in sich gekehrte Erzählstil der Oscar-Preisträgerin doch eigentlich mit der Dynamik eines typischen Marvel-Films beißen, oder?

Als dann die ersten Kritiken eintrudelten und selbsternannte Nerdkulturalisten vom „langweiligsten Marvel-Film aller Zeiten“ fabulierten, war ich einerseits umso gespannter. Andererseits versuchte ich aber auch, meine Erwartungen in Befürchtung eines Desasters auf null zu senken. Und: wurde dann tatsächlich überrascht. Im Positiven. Eternals ist weit entfernt von einem brillanten oder gar (genre-)revolutionierendem Film; doch es ist der erste Marvel-Film, der sich nicht (oder zumindest nicht in Gänze) nach Marvel anfühlt. Und ist insofern eine angenehme Frischzellenkur.

Eine spektakuläre Story darf man aber nicht erwarten: Die Geschichte einer Handvoll übernatürlicher, humanoider Wesen – den Eternals – rund um die ProtagonistInnen Seri (Gemma Chan), Ikaris (Richard Madden) und Sprite (Lia McHugh), die vor Tausenden Jahren auf die Erde kamen, um die Menschen vor irgendwelchen generischen Monstern zu beschützen, und die sich jetzt erneut vereinen müssen, da ihre Anführerin getötet wurde, köchelt über weite Strecken dahin. Eine Enthüllung in der Mitte gibt dem Ganzen zwar einen interessanten Einschlag, dennoch ist es hier vor allem die Stimmung, die zu fesseln weiß.

So man sich denn auf Zhaos entschleunigtes Tempo und die ihr von den Figuren distanzierte Erzählweise einlassen kann. Natürlich, auch die unsterblichen, übermächtigen Eternals wollen uns mit mit ihren nur allzu menschlichen Bedürfnissen, ihrer Empathie und ihrem existenziellen Konflikt für sich gewinnen. Und doch werden die HeldInnen hier anders gezeichnet als in den anderen MCU-Filmen. Dort standen in der Regel Menschen im Vordergrund, die ihre Übermenschlichkeit entdecken – hier ist es umgekehrt. Die Figuren sind bewusst entrückt und werden dadurch zwar nicht automatisch, im Marvel-Kontext dann aber doch auf ihre Weise interessant.

Neben dieser Tatsache und dem ruhigen Tempo ist der dritte Unterschied zu den restlichen Marvel-Filmen struktureller Natur. Arbeitet das MCU schon seit Jahren unter dem Grundprinzip „Fünf Schauplätze, in denen sich Plot, Action und Plot abspielen“, hat Eternals mehr Schauplätze und deutlicher weniger Action zu bieten. Auch das: angenehm.

Doch wie gesagt: Eternals ist kein Meisterwerk. Zhao bringt zwar effektiv ihren eigenen Stil ein, das letzte bisschen kreative Freiheit fehlt dann aber doch. Der typische Humor ist natürlich, wenn auch reduziert, dabei und völlig überflüssig. Die Antagonisten sind mal wieder lahme Enten. Und natürlich muss am Ende der Weltuntergang abgewendet werden – was auch, Überraschung, klappt. So bleibt am Ende ein Streifen, der mehr gekonnt hätte, das MCU am Ende dann aber doch, wenn auch nur im Kleinen, auf seine Weise bereichert.

Bild & Trailer: (c) Disney/Marvel

3 Kommentare zu „Eternals (2021) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich mochte den Film. Beim zweiten Mal hat er mir sogar noch ein bisschen besser gefallen. Muss aber auch sagen, dass ich ein wenig über den harten Verriss vieler Kritiker dann doch erstaunt bin. Wie du sagst, es ist kein Meisterwerk, aber sowas erwarte ich bei Marvel Film Nummer Tausend gefühlt auch schon nicht mehr 🤣

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