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Plan A – Was würdest du tun? (2021)

Plan A, Doron und Yoav Paz, ISR/DEU 2021 – Der Zweite Weltkrieg in Europa ist vorbei, Deutschland ist besiegt, die Konzentrationslager sind befreit. Der Antisemitismus aber ist damit keinesfalls verschwunden. Die Überlebenden jüdischer Abstammung, selbst die, die trotz der Gräuel auf diesem Boden noch hierbleiben würden, sind weder willkommen noch sicher, reisen fast alle nach Palästina, wo ein Staat für sie entstehen soll.

Ein paar aber bleiben, so auch Max (August Diehl), der zunächst nach seiner Familie sucht, bald aber mit einem jüdischen Regiment der britischen Armee Nazis jagt und später in die Untergrundorganisation Nakam eingeschleust wird, um herauszufinden, was diese vorhat.

Hervorgegangen aus einer Gruppe ukrainischer jüdischer Partisanen plante die Nakam nach Ende des Krieges einen großen Racheakt an den Deutschen – nicht nur an Kriegsverbrechern, sondern auch an Zivilisten. Der Film von Doron und Yoav Paz erzählt nun von jenem titelgebenden Plan A der Nakam – und wie er verhindert wurde.

„Was würdest du tun?“ Diese Frage steht nicht nur im Titel des Films, sie fungiert auch als Klammer, wird am Anfang und am Ende gestellt: „Was würdest du tun, wenn deine gesamte Familie ermordet worden wäre?“ Plan A versteht dies nicht als rhetorische Frage, sondern als Einladung zu einem Gedankenspiel, das uns einerseits die (auf ihr Weise nachvollziehbaren) Motive der Nakam-Mitglieder vermitteln will – und andererseits das Publikum letztendlich selbst in die Rolle versetzt, diese Frage dank eines interessanten Drehbuchkniffs für sich selbst beantworten zu müssen.

Als historisches Lehrstück funktioniert Plan A dabei noch am besten: Der Mär, dass mit dem Kriegsende in Deutschland alles wieder irgendwie heile war, die bösen Nazis verschwunden und nur noch Unschuldige übrig waren, wird hier eine klare Abfuhr erteilt; und die Existenz der Nakam dürfte sicherlich so einigen (mir inbegriffen) bisher unbekannt gewesen sein.

Inszenatorisch ist das Ganze hingegen eine zwar spannende, aber dann doch zu dialoglastige und inszenatorisch weitestgehend nur solide Spionage-Undercover-Thriller-Erzählung. Ab welchem Punkt und warum genau Max‘ irgendwann doch mit der Nakam sympathisiert, bleibt zu vage, die kurze Liaison zwischen ihm und einer Frau namens Ana (Sylvia Hoeks) ist ebenso vorhersehbar wie überflüssig. Die immer mehr anziehende Spannungsschraube und die stärker werdende Metaphorik der finalen Szenen kann das jedoch kompensieren – und ergibt am Ende immer noch einen sehr sehenswerten Film.

Ab 9. Dezember im Kino.

Bild & Trailer: (c) Camino Filmverleih

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