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Beauty Water (2020)

Gigigoegoe seonghyeongsu, Kyung-hun Cho, KOR 2020 – Schönheit mag einer Redensart zufolge zwar im Auge der Betrachtenden liegen – trotzdem geben Gesellschaft und Medien vor allem im Bezug auf Frauen ganz klar vor, was als schön gilt: zarte Gesichtszüge, schmale Lippen, möglichst geringe Körpermaße. All das hat Yae-Ji, die Protagonistin des koreanischen Animes Beauty Water, nicht. Und da sie auch noch als Make-up-Künstlerin in einem Fernsehstudio arbeitet, wird sie damit täglich umso deutlicher konfrontiert.

Eines Tages flattert ein Paket bei ihr zuhause ein: Es enthält eine neue Tinktur namens Beauty Water, ein wahres Zauberprodukt. Nur wenige Minuten muss man sich darin einlegen, und schon kann der Körper nach Herzenslust geformt und umgestaltet werden. Ja sogar Haut – die eigene oder fremde – lässt sich abschneiden oder ankleben. So wird aus Yae-Ji, die zuvor dem Spott ihrer Umwelt ausgesetzt war, über Nacht ein Barbie-Püppchen, das alle gaffenden Blicke auf sich zieht – und sie wandelt sich auch innerlichen: vom introvertierten Internet-Troll zur oberflächlichen Man-Eaterin. Bis sie es mit dem Beauty Water übertreibt.

Ab da schlägt dieser Film eine andere Richtung ein, wird zunehmend zur Body-Horror-Story und mündet in ein in diesen Ausmaßen nicht vorhersehbares, weil schön absurdes Finale. Diesen Weg bestreitet Beauty Water auch durchaus effektiv, nur leistet er sich an einer anderen Stelle einen sehr groben Schnitzer: bei der Hauptfigur. Denn Yae-Ji ist als Protagonistin zu keiner Stelle greifbar menschlich, lässt sämtliche Grautöne vermissen. Zu Beginn diffamiert sie Menschen im Netz und schaufelt kiloweise Essen in sich hinein. Die gesellschaftliche Stigmatisierung, die zu diesem Frustverhalten führt, wird nur oberflächlich ausgeleuchtet, und so fällt es schwer, Empathie mit dieser jungen Frau zu entwickeln. Völlig unmöglich wird das schließlich, sobald sie ihre Wandlung durchmacht und von einem Extrem ins andere kippt. Dann sucht sie sich reiche Männer, legt nur noch aufs Äußerliche Wert, will unbedingt TV-Star werden und liebt allem voran sich selbst.

Das Äußere formt das Innerliche, das Aussehen den Charakter, stellt der Film dabei korrekterweise fest. Was ein umso spannungsreicheres Feld ist, wo doch Schönheit längst käuflich ist und mit großen Versprechungen beworben wird. Nur fehlen in Falle dieses Films eben die Zwischentöne, die Nachvollziehbarkeit der 180-Grad-Wendung, die Yae-Ji macht. Und vielleicht auch etwas, das er dieser These abseits des Horrors entgegensetzt. Dass die finale Strafe und damit Katharsis für ihr Verhalten nicht ihr selbst, sondern letztlich einer externen Quelle geschuldet ist, lässt die Pointe umso seltsamer erscheinen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Look von Beauty Water mindestens gewöhnungsbedürftig ist. Während Hintergründe und StatistInnen im klassischen Zeichentrickstil daherkommen, sind die handlungstragenden Figuren allesamt computeranimiert – plastische Charaktere in einer flachen Welt, und nein, das ist kein Statement -, die wie aus einem zehn Jahre alten Videospiel anmuten. Man gewöhnt sich alsbald daran, doch wirklich harmonisch oder gar hübsch sieht das bis zum Schluss nicht aus. Allerdings gilt wohl auch in diesem Fall, dass Schönheit im Auge der Betrachtenden liegt.

Am 28. Dezember im Kino.

Bild & Trailer: (c) Kazé

4 Kommentare zu „Beauty Water (2020) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Morgen Abend geht es ins Kino, die letzte Kinovorstellung dieses Jahr und soweit ich mich entsinnen kann mein erster koreanischer Anime.
    Die Kritik am visuellen Stil habe ich jetzt schon öfter gelesen.

    Gefällt 1 Person

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