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Meine Top 20 Filme 2021 – Platz 20 bis 11

Zum Jahreswechsel gibt es natürlich auch an dieser Stelle den obligatorischen Rückblick darauf, was die vergangenen 365 Tage in filmischer Hinsicht zu bieten hatten. Wie schon das letzte Mal ohne eine Flop 10 (keinen Bock auf noch mehr negative Vibes), stattdessen erneut mit einer Top 20 jener Filme, die ich am meisten mochte. Ein Filmjahr ohne die ganz großen persönlichen Highlights – und dennoch mit so einigem Sehenswerten. Los geht’s.

Platz 20: Matrix Resurrections

Auf dem Gerade-so-geschafft-Platz landet ein Film, der es jüngst so richtig von allen Seiten abbekommen hat. Und ganz ehrlich: Das kann ich nachvollziehen. Trotzdem waren die ersten Worte nach meinem Kinobesuch von Matrix 4: „Ich fand den richtig gut!“ Es muss sich noch zeigen, ob das auch nach der zweiten Sichtung Bestand hat, doch ich mochte das Meta-Verwirrspiel in der ersten Stunde sehr, ebenso wie die Weiterentwicklung der dystopischen Zukunftsvision, die neue, auf den ersten Blick nur geringfügige, aber doch entscheidende Änderung, den Konflikt Menschen vs. Maschinen ambivalenter zu zeichnen; und nicht zuletzt die Rolle des „Chosen One“ dadurch zu untergraben, dass nun Trinity das verdiente Mehr an Aufmerksamkeit bekommt. Meine beiden großen Kritikpunkte – die maue Action und den riesigen exposition dump im Mittelteil – lassen sich da verschmerzen.

Matrix Resurrections (c) Warner Bros.

Platz 19: Quo Vadis, Aida?

Filmische Rekonstruktion der unmittelbaren Ereignisse vor dem Massaker von Srebrenica während des Bosnienkrieges im Jahre 1995. Im Mittelpunkt steht die Übersetzerin Aida, die in einem Flüchtlingslager der UNO arbeitet und nebenher versucht, ihren Mann und ihre Söhne zu retten. Ein Film über die Machtlosigkeit im Angesicht menschenverachtender, unerbittlicher Mächte und über das Versagen des Westens, der wütend und verzweifelt macht und seine Hauptfigur wie auch das Publikum am Ende zerstört zurücklässt.

Quo Vadis, Aida? (c) Farbfilm Verleih

Platz 18: Die Mitchells gegen die Maschinen

In die stimmungstechnisch komplett konträre Richtung geht dieser Animationsfilm, der von einer Familie voller Konflikte erzählt, die durch die Roboter-Apokalypse wieder zusammengeschweißt wird. Die Mitchells gegen die Maschinen prescht mit wahnsinniger Energie durch den Plot, hat alle paar Minuten eine tolle visuelle Idee zu bieten – und eine der besten Filmszenen, in der ein berühmtes Spielzeug eine Rolle spielt.

Die Mitchells gegen die Maschinen (c) Netflix

Platz 17: Last Night in Soho

Auch der zweitschlechteste Edgar-Wright-Film (nach Scott Pilgrim) ist noch immer ein sehr guter. Denn auch wenn der Regisseur hier vor allem sich selbst und nicht wie sonst das Genre, das er aufgreift, innoviert, so ist Last Night in Soho allem voran ein audiovisuelles Bonmot – und weiß auch auf Handlungsebene zu überraschen und durchaus zu packen.

Last Night in Soho (c) Universal

Platz 16: Flee

Gesehen beim Dok Leipzig, regulärer Start dieser Dokumentation soll wohl in der ersten Hälfte 2022 sein. Der Däne Jonas Poher Rasmussen erzählt in Flee die Lebensgeschichte seines Freundes Amin, der in seiner Kindheit aus Afghanistan floh, jahrelang illegal in Russland lebte und es schließlich nach Skandinavien schaffte. Der Protagonist fungiert, basierend auf mehreren Interview-Sitzungen, als Off-Erzähler, derweil das Geschilderte in stilsicherem Zeichentrick visualisiert wird. Berührend, schockierend und von erschreckender Aktualität.

Flee (c) Cinephil

Platz 15: The Last Duel

Mittelalterstück von Ridley Scott, in dem Matt Damon und Adam Driver eine jahrelange Fehde ausfechten. Nachdem einer die Gattin des anderen vergewaltigt, kommt es zu einem Duell auf Leben und Tod. Eine be-… ach was, erdrückende Ästhetik, tolle DarstellerInnen, größter Pluspunkt ist allerdings das Drehbuch, das die Geschichte in Rashomon-Manier aus drei Perspektiven schildert.

The Last Duel (c) 20th Century Studios/Disney

Platz 14: Shiva Baby

Eine junge Jüdin, die noch nicht so recht weiß, wo sie mit ihrem Leben hin will, begegnet auf einer Trauerfeier ihrem Sugar Daddy sowie ihrer ehemaligen besten Freundin und wird von ihrer Familie mit Erwartungen und Vorwürfen bombardiert. Am Ende ist sie ein nervliches Wrack – und diesen sehr dialoglastigen, schwarzhumorigen Prozess mit anzuschauen, ist schlicht wahnsinnig unterhaltsam.

Shiva Baby (c) Thick Media / Mubi

Platz 13: Malcolm & Marie

Kammerspiel um ein Paar, das nach einer Feier nach Hause kommt und sich immer mehr in Streitigkeiten verstrickt. Gefilmt in wahnsinnig elegantem Schwarzweiß sind es vor allem die Leistungen von Zendaya und John David Washington, die mich an den Bildschirm fesselten. Und natürlich die starken Dialoge, die ihnen das Drehbuch in den Mund legt, auch wenn das bisweilen sehr ausschweifend und unnatürlich wird. Obwohl: Eigentlich hat mir genau das gefallen.

Malcolm and Marie © Netflix

Platz 12: The Harder They Fall

Strukturell ein klassischer Western samt Rachegeschichte – unkonventionell jedoch dahingehend, dass der Cast nahezu ausschließlich aus Schwarzen Personen besteht. Die Figuren, die sie verkörpern, gab es tatsächlich, auch wenn die Handlung frei erdacht ist. Allein schon dieser Ansatz im traditionell weißesten aller Filmgenres verdient eine Würdigung, aber auch abseits dessen ist The Harder They Fall ein verdammt solider und unterhaltsamer Western mit einer ziemlich klugen Schluss-Pointe.

The Harder They Fall (c) Netflix

Platz 11: New Order

Der mexikanische Regisseur Michel Franco lässt die soziale Ordnung in seinem Land zunächst implo- und zuletzt explodieren. New Order beginnt auf einer Hochzeitsfeier der gutgestellten Gesellschaft, die nichts von den Unruhen vor den Mauern wissen will – bis plötzlich Bewaffnete über eben jene Mauern klettern. Was folgt, ist ein gnadenloses Gedankenexperiment, wie so ein Umsturz aussehen könnte, das vor drastischen Bildern und Momenten kein bisschen zurückschreckt und völlig mit einer klassischen Dramaturgie bricht.

New Order (c) Ascot Elite

15 Kommentare zu „Meine Top 20 Filme 2021 – Platz 20 bis 11 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Quo Vadis, Aida, der neue Matrix und Shiva Baby sind auch in meiner erweiterten Topliste. The Last Duel hat die knapp verpasst.
    New Order fand ich leider ganz schrecklich, der hat nicht ansatzweise das erreicht bei mir, wie bei dir.

    Gefällt 1 Person

      • Sowas mache ich bei meinen Toplisten tatsächlich nicht^^
        Ich empfand den halt als stumpfe Propaganda gegen die Arbeiterschaft. Die Reichen sind weder hassenswerte Karrikaturen, noch so subtile Figuren wie in Parasite und die Armen sind nur auf Umsturz des eigenen Wohlstands und der Rache wegen aus. Empfand das als viel zu dünn

        Gefällt 1 Person

      • Oh, das sah ich dich deutlich komplexer/vielschichtiger. Die Reichen sind halt oberflächlich keine Arschlöcher – aber unter der Oberfläche schon. Und in der breiten Masse gibt nun mal auch einen gewissen gewaltbereiten Anteil, aber eben auch viele, die einfach nur unter den Zuständen leiden.

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  2. Wie viele aktuelle Filme hast du in 2021 eigentlich gesehen? 100?

    Bin gespannt auf die Top 10. Bei mir wird es vsl. nur eine Top-5-Liste geben. Ich habe „nur“ ca. 40 aktuelle Filme (inklusive ein paar Kurzfilme) gesehen. 😉

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  3. „Quo Vadis , Aida?“ ist wirklich ein starker Film, der bei mir tatsächlich ähnlich wie „New Order“ noch lange nachgewirkt hat.

    Leider hatte ich noch nicht die Möglichkeit, „Flee“ zu sehen. Glaube ich, dass der einen nahe gehen kann. Vielleicht schaffe ich „The Last Duel“ noch, der taucht ja wirklich in mehreren Bestenlisten auf.

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