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Nightmare Alley (2021)

Guillermo del Toro USA 2021 – Wenn Guillermo del Toro einen Film macht, dann ist zumindest eines garantiert: Style. Denn auch wenn der vor vier Jahren Oscar-prämierte Regisseur nicht immer die brillantesten Geschichten zu erzählen weiß (siehe sein letzter Film Shape of Water), so hat er doch fraglos ein Auge für Kostüm- und Set-Design, gern mit makabrer-gruseliger Anmutung sowie einer alles dominierenden grünen Farbgrundierung. Die optische Gestaltung ist deshalb auch die größte Stärke seines neuen Streifens Nightmare Alley. Die Geschichte hingegen überhebt sich an ihren interessanten Ansätzen.

Basierend auf dem Roman von William Lindsay Gresham spielt Nightmare Alley in den USA der späten 1930er. Stanton Carlisle (Bradley Cooper) ist auf der Flucht, vor dem Gesetz und vor seiner Vergangenheit, und wird schließlich von einer Jahrmarktstruppe aufgenommen. Dort verliebt er sich in Molly (Rooney Mara) und wird vom Metalisten der Gruppe (David Strathairn) in die Kunst des „Gedankenlesens“ eingeführt – ein Praxis, die aus einer Mischung aus Sprachcodes, Menschenkenntnis und psychologischer Manipulation der „Opfer“ besteht.

Die erste Hälfte des Films wird damit zur großangelegten Exposition, bei dem die Hauptfigur (die in den ersten 15 Minuten nicht ein Wort spricht – alle Achtung) auf- und ausgebaut wird; während Hälfte Nummer zwei, nachdem sich Stanton von der Gruppe verabschiedet hat, einige Jahre später spielt und ihn als erfolgreichen Mentalisten zeigt. Dann aber macht er Bekanntschaft mit einer Psychologin (Cate Blanchett) und heckt mit ihr einen Plan aus, um einem Großindustriellen das Geld mittels vorgeblicher Séancen aus der Tasche zu ziehen.

In dieser zweiten Hälfte mutiert Nightmare Alley von einer horroresken Drama-Romanze zu einem waschechten Film noir: Großstadt-Setting, Düsternis, undurchsichtige Figuren und eine Cate Blanchett, die die verführerischste femme fatale der letzten Jahrzehnte verkörpert. In seiner Gesamtheit ist der Film eine Rise-and-Fall-Geschichte, jedoch durchsetzt mit Motiven und Elementen, die die Grenzen zwischen Glauben, Psychologie und Mystik verwischen. Schuld, Vergebung und (Selbst-)Täuschung sind die vordergründigen Motive, doch Nightmare Alley lässt hier vieles liegen respektive überantwortet es die Verknüpfung all dessen dem Publikum.

Je tiefer es geht, desto hübscher, aber auch vager, bisweilen gar oberflächlich wird der Film in seiner Symbolik: Der Vater- oder Mutter-Komplex wird zur allgemeingültigen Erklärung für Traumata, die Figuren steigern sich in eine entweder von Gier oder Emotionen getriebene Manie, und dann ist da ja noch dieser dreiäugige, in Formaldehyd eingelegten Fötus, der gruselig aussieht und sicher auch irgendeine Bedeutung hat – nur welche? Del Toro gelingt hier zwar ein spannender und vor allem wahnsinnig atmosphärischer Film, bei dem aber ganz klar „Style over Substance“ gilt. Im Gegensatz etwa zum puristischen Actionfest Pacific Rim jedoch gaukelt Nightmare Alley letzteres immer wieder vor.

Bild & Trailer: (c) Fox Searchlight/Disney

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