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Come on, Come on (2022)

C’mon, C’mon, Mike Mills, USA 2022 – Welche Dinge fallen euch zum (durchaus despektierlich gemeinten) Begriff „Kunstfilm“ ein? Schwarzweiß-Optik? Eine ziellos vor sich hin wabernde Handlung, die sich der klassischen Struktur von Spannungsaufbau und Klimax verwehrt? Ein Score bestehend aus eleganter klassischer Musik? Fokus auf dialoglastiges Schauspiel? Herzlichen Glückwunsch, all diese Dinge bietet euch Come on, Come on im Überfluss. Und bringt sich damit schon jetzt als prätentiösester Streifen 2022 ins Gespräch.

Als Protagonist ist Joaqiun Phoenix in seiner ersten Spielfilmrolle seit Joker zu sehen, und zwar als Journalist Johnny, der durch die USA reist, um Kinder zum Thema Zukunft zu interviewen. Für welches Format und welchen Auftraggeber? Wurscht. Wichtig ist nur, dass er Kindern zwar gut zuhören kann, ihm der persönliche, nicht professionelle Umgang mit Kindern aber eher schwerfällt. Das muss er spätestens erkennen, als er ein Zeit lang auf Jesse (Woody Norman), den neunjährigen Sohn seiner Schwester (Gaby Hoffmann), aufpassen muss, während die sich um Jesses bipolaren Vater kümmern will.

Johnny nimmt Jesse aus Oakland mit nach New York und New Orleans, lässt ihn an seiner Arbeit teilhaben und entwickelt eine Freundschaft respektive Ersatzvaterschaft für ihn, bei der es immer wieder zu Reibereien kommt. That’s it, that’s the plot. Kann man so machen, allerdings braucht es dazu auch nahbare, lebensechte Charaktere und einen gewissen Verve in den Dialogen. Dinge wie Emotionen, Authentizität und gern auch einen halbwegs stringenten roten Faden. Das alles lässt Come on, Come on vermissen.

Stattdessen liefert Mike Mills einen Film ab, der einem zu jeder Minute ein „Schaut her, wie künstlerisch wertvoll ich bin!“ entgegenruft. Mit der Schwarzweiß-Optik kann man sich ja noch anfreunden (auch wenn der Parade in New Orleans, die es gegen Ende zu sehen gibt, etwas Farbe gutgetan hätte). Doch spätestens wenn der fünfte Szenenübergang mit eleganter Pianomusik unterlegt wird, Phoenix‘ Figur zum dritten Mal aus dem Off aus irgendeinem schlauen Essay rezitiert (dessen Titel dann natürlich auch noch eingeblendet werden muss) oder er zum vierten Mal das an diesem Tag Erlebte wie ein Audiotagebuch zusammenfasst, ohne dem Gezeigten eine neue Facette zu geben, nervt’s: Ja, Film, ich habe verstanden, wie toll und arthousig du dich findest…

Themen wie Mutter- und Vaterschaft, Verantwortung, Inspiration, Überforderung, Wahrheit, Liebe und Familie, aber auch die Krankheit von Jesses Vater, die Pflege von Johnny Mutter oder die Essenz journalistischer Interviews werden allesamt angeschnitten – aber nie vertieft. Die Mono- und Dialogflut von Come on, Come on versinkt deshalb irgendwann in der Belanglosigkeit. Wenn der Konflikthöhepunkt daraus besteht, dass Jesse nicht zu seiner Mutter zurück will, und er von der eigenen „Resilienzzone“ spricht, spätestens dann ist klar: Das hier ein Film, der nur so tut, als hätte er etwas zu sagen; dessen vorgebliche Authentizität dadurch zusammenbricht, dass er so offensichtlich artifiziell ist; und der derart leise und feinfühlig ist, dass man ihn weder hört noch spürt.

Anfangs will Jesse nicht an Johnnys Interviews teilnehmen, am Ende aber tut er es doch. Seine Antwort auf eine der Fragen: „Bla, bla, bla, bla, bla…“ Eine sehr treffende Zusammenfassung für Come on, Come on.

Bild & Trailer: (c) DCM

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