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Filme gesehen #139

Diese Woche mit einem äußerst kontrastreichen Programm: Die Eiskönigin – Völlig Unverfroren, Rambo II und Kagemusha.

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (Frozen, Chris Buck/Jennifer Lee, USA 2013)
Selbst wenn man sich dem Kassenschlager und geistigem Nachfolger von Rapunzel bisher erfolgreich verwehrt hat: An „Let it go“ kam wohl niemand vorbei. Umso überraschender, an welcher Stelle dieser Song in Die Königin Verwendung findet. Dann nämlich, wenn die titelgebende Frostprinzessin ihrem Palast entflieht, um fortan in Einsamkeit zu leben. Kurz kommt dabei der Gedanke auf, ob sie so nicht sogar zur Antagonisten werden könnte. Falsch gedacht. Falsch ist auch, dass sie die Protagonistin ist – diese Rolle kommt stattdessen ihrer Schwester zu. Dieser Aspekt mag noch ganz interessant sein, auf den Rest der Eiskönigin trifft das allerdings nicht zu. Die bemerkenswerte Konstellation, Genre-Dekonstruktion und selbstständige Heldin von Rapunzel ist hier seichter Unterhaltung und ganz viel Glitzer für eine auf Prinzessinnen fokussierte Zielgruppe gewichen. Was gar nicht mal so schlimm wäre, würde auch der Rest bedient werden. Leider aber wollen auch die Gags nur selten zünden, die Dramatik wirkt erzwungen, weil die Konflikt schwer nachvollziehbar sind. Ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zum Quasi-Vorgänger.
imdb / Trailer
Rambo II – Der Auftrag (Rambo – First Blood Part II, George P. Cosmatos, USA 1985)
Größer könnte der Kontrast kaum sein. Ein weiterer Actionfilm-Klassiker, den ich nun endlich nachgeholt habe und der – so ehrlich muss ich sein – seinem Ruhm nicht ganz gerecht wird. Klar, das Überleben im Dschungel von Vietnam, das heimliche Infiltrieren der Feindbasis und die anschließende Gewaltorgie machen Spaß und sind – ich weiß wie makaber das klingt – hübsch anzuschauen. Und dennoch ist es ein wenig schade zu sehen, wie sehr Rambo II im Vergleich zum Vorgänger in eine ganz andere, ja eigentlich gegenteilige Richtung verläuft. Da wird aus der gesellschaftskritischen Heimkehrergeschichte eine puristische Action-Story, deren erklärtes Ziel es ist, den Vietnamkrieg nachträglich im Kino zu gewinnen. Ein paar kritische Fußnoten wurden zwar doch eingestreut, die gehen im Kugelhagel und zwischen all den explodierenden Körpern aber gnadenlos unter. Guter Actionfilm mit wenigen Herausragendem – Stallones Muskeln gehören da noch zu den Highlights.
imdb / TrailerKagemusha – Der Schatten des Kriegers (Kagemusha, Akira Kurosawa, JPN 1980)
Und noch mal was komplett anderes. Und Geschichten aus dem alten Japan von Kino-Großmeister Akira Kurosawa gehen immer. In Kagemusha wird ein bereits zum Tode verurteilter Verbrecher zum Doppelgänger eines Fürsten – und übernimmt schließlich dessen Amt, als der Herrscher inmitten einer Fehde mit zwei anderen Feldherren zu Tode kommt. Diese Geschichte hätte durchaus knackiger erzählt werden können, denn zum Teil herrscht in Kagemusha beinahe einschläfernde Stille. Daneben lässt sich nur noch an der hohen Anzahl von Figuren rumkritteln, die man als jemand aus dem westlichen Kulturkreis nur schwerlich auseinander halten kann. Von diesen beiden Aspekten abgesehen ist Kagemusha aber ganz großes Kurosawa-Kino: Ein ordentlicher Batzen Gesellschaftskritik, die die Rechtmäßigkeit vererbter Macht und die ihrer Trägern in Frage stellt; das inhaltliche Motiv der vier Elemente, das sich auch visuell wiederfindet; und eine umwerfende Optik, die vor allem farblich auf ganzer Linie punktet. Spitze.
imdb / Trailer

6 Kommentare zu „Filme gesehen #139 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Pingback: Ran | audiovisuell

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