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Kritik: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (Valerian and the City of thousand Planets, Luc Besson, FRA 2017)

Der Startschuss zur nächsten großen Science-Fiction-Franchise? Eher nicht. Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist ein höchstens solides Sci-Fi-Märchen mit toller Optik und schwachem Drehbuch.

„Basierend auf dem sensationellen Comic, der eine ganze Generation inspirierte“, heißt es vollmundig im Trailer zu Valerian. Offensichtlich aber nicht meine Generation, denn die Existenz der französischen Comic-Reihe „Valerian und Veronique“ war mir bis dato nicht bewusst. Inspirierend war der Comic wohl nicht nur in Europa, sondern auch jenseits des großen Teichs. Denn in Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten lassen sich diverse Versatzstücke aus älteren und modernen Sci-Fi-Blockbustern wie Star Wars und Avatar finden. Was aber nur eine von vielen Ursache dafür ist, dass der Film nicht zünden will.

Intergalatic Space Station
Los geht es zunächst mit David Bowie. Dessen „Space Oddity“ bildet die perfekte musikalische Untermalung einer Montage, in der die Vorgeschichte von Valerian erzählt wird und die von den 1970ern bis ins 24. Jahrhundert reicht. In dieser Zukunft ist die ISS ein Ort der intergalaktischen Begegnung, an Aliens aus weit entfernten Welten Kontakt mit der Menschheit Knüpfen. Die Raumstation wächst und wächst, wird „Alpha“ getauft und schließlich ins Weltall hinausgeschossen. 400 Jahre später setzen die Ereignisse des Films ein: Valerian (Dane DeHaan), seines Zeichens hochdekorierter Agent und Frauenheld, hat Visionen von einer idyllischen Welt, die aus zunächst unbekannten Gründen zerstört wird, bevor der nächste Auftrag ins Haus steht.

All das geschieht bereits in den ersten 10 Minuten. Ja, es ist recht viel, was Valerian da einem anfangs entgegen wirft. Immerhin ist das Ganze (noch) gut kommuniziert: Obwohl man es hier mit einer gänzlich neuen Welt zu tun bekommt, fällt das Eintauchen in eben jene von Anfang an leicht. Was in gewisser Weise aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass sich Valerians Story auf sehr vertrauten Pfaden abspielt: Der Hilferuf einer Prinzessin, zwei Helden, deren erste Station ein Basar ist und die mit einem tellerähnlichen Schiff auf eine riesige Raumstation fliehen – klingelt da was?

Von Dialogen erschlagen
So wirklich interessant wird’s erst, wenn es Valerian und seine Partnerin Laureline (Cara Delevingne) nach Alpha, dem eigentlich Star des Films, verschlägt: Eine Utopie, in der tausende Spezies in verschiedensten Biotopen zusammenleben und die von einer unbekannten Gefahr bedroht wird. Um uns diese Utopie näher zu bringen, greift Regisseur Luc Besson jedoch auf einen recht billigen erzählerischen Kniff zurück: Die KI von Valerians Schiff trägt den beiden Agenten dutzende Zahlen und Fakten vor, die sie längst kennen müssten.

Diese unbeholfene Erzählweise setzt sich bis zum Schluss fort. Valerian verliert sich in den letzten zwei Dritteln in überlangen, zum Teil überflüssigen Dialogen – was ja nicht mal schlimm wäre, würden diese wenigstens auf irgendeine Art mitreißend oder spannend sein. Doch auch das ist nicht Fall. Vor allem am Ende, wenn sich der bereits meilenweit sichtbare „Twist“ aufgelöst hat, ergeht sich das Drehbuch in ellenlangen Wortgefechten, die höchstens durchschnittlich geschrieben sind und dem Zuschauer die politische Botschaft des Film quasi ins Gesicht pressen.

Visuell beeindruckend
Zugegeben: Bei der Zielgruppe, die Besson anpeilt, ist das Fehlen jeglicher Subtilität in gewisser Weise berechtigt. Valerian richtet sich eindeutig an ein jugendliches Publikum, irgendwo zwischen zehn und 18 Jahren. Was aber nicht bedeutet, dass ältere Semester keinerlei Mehrwert aus der bisher teuersten europäischen Filmproduktion ziehen könnten. Der lässt sich vornehmlich in der Optik des Streifen finden: Besson zaubert eine bunte, fantasievoll gestaltete Welt auf Leinwand und setzt dabei zwar massenhaft auf digitale Computereffekte – die aber sind durchweg gelungen. Der Höhepunkt dessen ist eine Sequenz, in der der Held durch die Station stürmt und dabei zahllose Biotope durchquert – bis der Film wieder in seinen alten Trott zurückfällt.

Zumindest an der Visualität können sich ältere Semester also ergötzen. Inhaltlich hingegen, das klang bereits an, bietet Valerian nichts, was man nicht schon in zwei Dutzend anderer Sci-Fi-Märchen gesehen hätte. Bedauerlich, dass die Vorlage von all den Geschichten, die sie in den vergangenen Jahrzehnten inspiriert hat, inzwischen überholt wurde. Doch auch Besson muss sich in diesem Zusammenhang den Vorwurf gefallen lassen, die Chance vergeben zu haben, dem Science-Fiction-Genre mit Valerian irgendetwas substanziell Neues, Innovatives beizufügen. Diesen Elfmeter hat er mit Anlauf vergeigt.

Peinliches Heldenduo
Doch selbst das könnte man noch verschmerzen, wenn es wenigstens Spaß machen würde, dem Heldenduo bei ihrem Abenteuer zuzusehen. Gelegentlich ist das auch der Fall, oftmals jedoch schlägt das Ganze in Belanglosigkeit, gelegentlich sogar in Fremdscham um. Und noch viel öfter – fast kontinuierlich möchte ich sagen – ist das alles einfach nur unglaubwürdig. Dane DeHaan nehme ich die Rolle als James Bond im Weltall zu keinem Zeitpunkt ab. Cara Delevingne kann kein bisschen kämpfen, weshalb die paar Szenen, in denen sie handgreiflich wird, im Schnittgewitter untergehen. Und die Romanze, die beiden vom Drehbuch reingewürgt wird, ist ebenso überflüssig wie lächerlich.

Fazit
Nach dem katastrophalen Lucy hatte ich in Luc Bessons Filmkunst keinerlei Vertrauen mehr. Valerian mag dutzendfach besser als dieses Machwerk mit Scarlett Johannson sein. Für mehr als ein „solide“ reicht es aber auch nicht. Dabei ist es besonders schade, dass Valerian ausgerechnet an so vielen Punkten scheitert, die ein gutes Sci-Fi-Märchen ausmachen, vor allem den Figuren und der Inszenierung der Storywelt. Ein schwaches Drehbuch trifft auf ein Universum mit enormem Potential, das jedoch ungenutzt bleibt. Hätten sie mal lieber ein Videospiel daraus gemacht (ach nee, gibt’s ja schon: Mass Effect). Immerhin: Optisch kann Valerian überzeugen. Wenn man ihn also unbedingt sehen möchte, dann in einem guten Kino.

Bilder & Trailer: Buena Vista/Universum Film

6 Kommentare zu „Kritik: „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Kleiner Hinweis: Die Comics sind wirklich sehr gut. Hab ich fast alle. 🙂 Den Film hab ich noch nicht gesehen. Ich habe lediglich das ständige Herumschneiden am Trailer verfolgt, das bereits nichts Gutes verhieß. Schade, dass Beson es anscheinend nicht geschafft hat, den Charme und den Witz der Comics eins zu eins zu übertragen. Da werde ich auf die DVD warten.

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    • Nach allem, was ich so gehört habe, glaub ich das sofort 🙂
      Nur hab ich bisher wirklich nichts davon mitbekommen. Mein aktueller medienkonsum ermöglicht es mir leider auch nicht, jetzt noch mit Comiclesen anzufangen 😄

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  2. Sehr gute Review, die die Probleme des Film sehr gut aufschlüsselt und sich exakt mit meiner Meinung deckt….gerne hätte ich mehr von den beeindruckenden und unzähligen Spezies erfahren und zu sehen bekommen als die ungeschickten Annäherungsversuche der beiden Titelhelden 😉

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  3. Ja, ging mir ähnlich, obwohl ich am Ende, glaube ich, ein bisschen mehr Spaß mit dem Film hatte als du. Er war gute Unterhaltung, es waren tolle Welten – es war ein Film, dem ein besseres Drehbuch definitiv nicht geschadet hätte, dann hätte aus „Valerian“ was richtig Aufregendes, Neues werden können. Immerhin wurde so mein Interesse an den Comics geweckt, die ich mir eher mal anschauen werde.

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    • Ich find es enttäuschend, wenn aus einer solch tollen Welt so eine platte Story herausgezogen wird, die dann aber so viel Platz einnimmt, dass die Welt wiederum zu kurz kommt. Ich habe den Kinosaal auch nicht mit einem „Boah, war der scheiße“ verlassen – aber mehr als durchschnittlich ist er eben auch nicht :/

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