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Dune (2021)

Denis Villeneuve, USA 2021 – Da ist sie also endlich: eine Verfilmung von Frank Herberts Roman Der Wüstenplanet, die dem monumentalen Werk gerecht wird. Was schon allein daran liegt, dass sich Regisseur Denis Villeneuve im Vergleich zur Lynch-Adaption von 1984 eine halbe Stunde mehr für die Hälfte des Materials nimmt. Denn der neue Dune deckt, das dürfte inzwischen bekannt sein, nur die Hälfte des ersten Buches ab. Dennoch ist auch dieser Versuch bei allen Qualitäten kein Film geworden, der mich restlos glücklich macht.

Der Dune von 2021 beginnt mit einer kurzen Expositionssequenz, in der aus dem Off der grundlegende Konflikt auf dem Wüstenplaneten Arrakis im Jahre 10191 geschildert wird: Das Spice, eine extrem wertvolle psychoaktive Droge, wird dort seit Jahrzehnten vom Clan der Harkonnen abgebaut, die die eingeborenen Fremen zugleich mit aller Gewalt unterdrücken. Auf imperialen Erlas räumen die Harkonnen nun den Platz für die Atreiden unter Herzog Leto (Oscar Isaac), die ihrer Pflicht auch nachkommen, auf Arrakis jedoch mit vielen Problemen konfrontiert werden. Und das ist lediglich die oberste Handlungsebene, unter der zahllose kleine Sub-Plots schlummern.

Dune hat erzählerisch eine ganze Menge zu bewältigen, nämlich die Welt, ihre politischen und wirtschaftlichen Regeln, ihre wichtigsten Protagonisten und (Geheim-)Bünde vorzustellen. Und das gelingt ihm dank leichter Reduktion und einer klugen Erzählweise auch mit Bravour. Ebenso, wie uns die zwei zentralen Figuren – Paul Atreides (Timothée Chalamet) und seine Mutter Jessica (Rebecca Furgeson) – sehr nahe zu bringen. Dune nimmt die Vorlage ernst und hebt sie mit extremer Werktreue, um nicht zu sagen: Werk-Ehrerbietung auf die Leinwand. Man merkt einfach, dass hier Fans der Vorlage die Fäden in der Hand hielten.

Wie man es inzwischen und erst recht nach Blade Runner 2049 von Villeneuve erwarten kann, sieht das fantastisch aus. Dune brilliert mit großen, toll komponierten Bildern, einem extrem glaubhaften und bodenständigen Look – andere können da bessere Loblieder drauf singen. Und doch möchte ich nicht komplett mit einstimmen. Insbesondere im Vergleich mit Villeneuves letztem Film muss ich nämlich konstatieren: Dune hat tolle Bilder, die aber viel zu selten wirklich interessant sind. Wo Blade Runner 2049 immer wieder mit Farbkontrasten spielte, beschränkt sich Dune auf eine – dem Setting geschuldete – monotone Farbpalette, dem eben solche kleinen oder großen Farbkontraste fehlen, was zu einer gewissen optischen Monotonie führt. Und beim Soundtrack spielt Hans Zimmer zwar an drei, vier Stellen wirklich toll auf – liefert sonst aber nur unspannendes Hintergrundgedudel ab.

So viel zu meinem ersten großen Kritikpunkt. Mein zweiter fällt noch subjektiver aus: Als Kenner des Buches konnte mich Dune erzählerisch kaum packen. Das Problem: Das hier ist eine zweieinhalbstündige Exposition für das, was da noch kommen mag, und wo der Film jene, die das Ursprungsmaterial nicht oder nur grob kennen, mit all den Namen, Begrifflichkeiten und Zusammenhängen womöglich etwas überfordert, servierte er mir nur Dinge, was ich schon wusste. Sicher, es ist absurd, eine Literaturadaption für so etwas zu kritisieren, doch ich gehöre eben weder in die Gruppe der Fans noch in die der Neueinsteiger – und habe damit wohl einfach Pech.

Ich könnte mich stattdessen natürlich am grandiosen Cast (u.a. noch Jason Momoa, Josh Brolin, Stellan Skarsgard, Dave Bautista, Javier Bardem, Zendaya) erfreuen, an deren durchweg tollen Leistungen; am ruhigen, aber erst in der letzten Stunde dann doch etwas zu langsamen Erzähltempo; oder an der schlichten Tatsache, dass wir mal endlich mal wieder einen richtig, richtig großen Blockbuster haben, der es à la Marvel nicht allen recht machen will, sondern – so platt das klingt – einen gewissen Anspruch mit sich bringt, der vom Publikum verlangt, sich auf den Film einzulassen und sich selbst Gedanken zu machen über die sozialen, politischen und ökologischen Implikationen der Handlung, über die Messias-Geschichte, die sich rund um den Protagonisten entspringt.

Ich habe dem auch nicht viel Negatives entgegenzusetzen, außer das bereits Erwähnte. Diese beiden Punkte aber wiegen für mich derart schwer, dass ich von Dune schlussendlich auf hohem Niveau enttäuscht wurde. Und doch habe ich Hoffnung, was den zweiten Teil betrifft: dass der dann nicht mehr den Hauptfokus darauf legen muss, ein breites Publikum in diese Welt einzuführen (was Teil eins wie erwähnt formidabel gelingt), sondern dann ganz daraus schöpfen kann, sich erzählerisch wie ästhetisch weiterentwickelt. Und dass er dann hoffentlich auch bei mir vollkommen zünden kann.

Bild: (c) Warner Bros.

6 Kommentare zu „Dune (2021) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Aus meiner Sicht kriegt es Villeneuve nicht hin, die absolut unverzichtbare Bedeutung des Spices für ALLE einflussreichen Organisationen im Universum heraus zu arbeiten. Und viele der Figuren bleiben eher unterentwickelt (z.B. Dr. Yueh und seine Konditionierung). Die Farblosigkeit ist mir auch negativ aufgefallen. Und die kahlen, klobigen, menschenleeren Kulissen. Generell wirkten alle Planeten hinsichtlich der Architektur zu ähnlich.

    https://www.kino.vieraugen.com/kino/dune-part-one-2021/

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      • Ich glaube ehrlich gesagt, dass Villeneuve zu wenig Wert auf Inhalt legt, um für das komplexe Universum von „Dune“ der wirklich richtige Mann ist.

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      • Puh, steile These, die ich angesichts seiner bisherigen Filme und vor allem seiner anderen SciFi-Werke (v.a. Arrival) nicht ohne weiteres teilen würde. Die Frage ist ja auch, inwiefern er den Stoff verdichten bzw. entschlacken sollte, um ihn auf die Leinwand zu bringen. Werkzeuge schön und gut, aber für die Übersetzung ins Medium Film muss bzw sollte nicht alles aus diesem Universum übernommen werden oder Erwähnung finden. Da kann man ruhig auch etwas aussparen, wie ich finde.

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