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Guns Akimbo (2019) oder: Endlich wieder Kino!

Jason Lei Howden, NZL/UK/DEU 2019 – Endlich wieder Kino! Endlich wieder die große Leinwand, endlich wieder Sessel, die anfangs noch bequem anmuten, aber nach einer Stunde anfangen zu schmerzen. Endlich wieder lauter, wuchtiger Sound. Endlich wieder eineinhalb Meter Abstand und Masken-tragende Angestellte hinter der Popcorn-Theke … Moment, das ist neu … Wie auch immer: Endlich machen die deutschen Kinos wieder auf – und ich war dabei. Beziehungsweise: drin. Natürlich: Weil es einer der bis dato heißesten Tage des Jahres war und aufgrund aktueller Umstände nur wenige Platzkarten gekauft/verkauft werden, war es jedoch ziemlich einsam im großen Saal dieses Multiplex-Kinos. Und trotzdem – oder gerade deswegen: Nach so langer Zeit endlich mal wieder im Kino zu sitzen, war eine echte Freude. Ganz im Gegensatz zum Film, der dort lief. Denn der war Grütze.

Es geht um Guns Akimbo, der mit Daniel Radcliffe einen recht prominenten Hauptdarsteller zu bieten hat. Dass der junge Mann das Zeug dazu hat, auch abseits seiner Paraderolle als Harry Potter zu glänzen, zeigten zuletzt Werke wie Imperium oder Swiss Army Man. Mit Guns Akimbo kommt nun die Rolle des obernerdigen Programmierers hinzu, der sich seinen allabendlichen Adrenalinkick beim Trollen auf der Webseite „Skizm“ holt. Dort werden Livestreams von Death Matches zwischen realen Personen gezeigt, die in der Regel sehr blutig enden. Aber so wirklich weiß man das nicht, schließlich bekommt man nur einen Kampf zu sehen.

Dabei sitzt der selbsternannte Code-Monkey Miles in Unterhosen und Plüsch-Sandalen in seiner vermüllten, mit Plastikspielzeug vollgestopften Wohnung und trauert seiner Ex-Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) nach. Und dann schlägt das Schicksal zu: Die Betreiber von „Skizm“, darunter der volltätowierte Riktor (Ned Dennehy), stehen vor seiner Tür, treten sie ein, schlagen Miles k.o. und schrauben Pistolen an seine Hände. Miles bekommt 24 Stunden, um die „Skizm“-Highscore-Königin Nix (Samara Weaving) zu töten – oder er beißt selbst ins Gras. Und kaum ist diese Aufgabe gestellt, steht Nix auch schon in Miles‘ Flur, feuert aus allen Rohren und treibt ihn durch die Stadt. Denn natürlich klappt der scheue Nerd zusammen oder nimmt Reißaus, sobald er mit realer Gewalt in Kontakt kommt.

Das Wort „real“ könnte im Zusammenhang mit Guns Akimbo jedoch kaum unangebrachter sein. Zwar gibt es da den ein oder anderen Meta-Gag, mit dem gängige Actionfilm-Klischees unterlaufen werden sollen (ja, Pistolen sind laut – Surprise!). Doch was der Film eigentlich sein will, ist eine wilde, durchgeknallte, pausen- und atemlose Achterbahnfahrt à la Crank. Der Wahnsinn schlägt hier jedoch alsbald in nervtötendes Herumgeblödel um. Da werden Szenen bis zur Unerträglichkeit gestreckt, um halbgare Gags witziger erscheinen zu lassen – was nicht gelingt. Da gibt es Zeitlupensequenzen, die eigentlich stylish sein müssten, die etlichen Anschlussfehler dieses Films jedoch umso auffälliger erscheinen lassen. Und da gibt es Musikstücke, bei denen entweder coole 80er-Jahre-Songs in die Deephouse-Remix-Hölle geprügelt werden – oder deren Einsatz einfach nur verkackt wird. Stichwort: Hammer Time.

Guns Akimbo ist laut, anstrengend und entnervend. Das bereitet streckenweise durchaus dezentes Vergnügen. Der Großteil der rund 100 Minuten lässt sich jedoch in jeder Hinsicht mit „Gewollt und nicht gekonnt“ abstempeln. Er ist so berechenbar wie eine Matheaufgabe in der vierten Klasse (was immerhin zum Niveau des Humors passt), und das sowohl inszenatorisch wie auch erzählerisch. Was ein ungeahntes Paradoxon ergibt: Derartige Filme leben von ihren verrückten Ideen, die Guns Akimbo (abgesehen von der Grundidee) aber einfach nicht liefert. Was nach den ersten 15 Minuten geschieht, ist reichlich generisch, was auch die überdrehte Präsentation nicht kaschieren kann. Es ist schon ein mittelgroßes Kunststück, die beiden Attribute „langweilig“ und „nervend“ gleichzeitig zu erfüllen.

 

Bild & Trailer: © LEONINE/Altitude Film Entertainment

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