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Bombshell

Jay Roach, CAN/USA 2019 – Da ist er: Der erste Film zur #MeToo-Bewegung mit Star-Ensemble. Mit Charlize Theron in der Hauptrolle sowie Nicole Kidman und Margot Robbie als sehr präsente Nebendarstellerinnen schildert der von Jay Roach (Trumbo) inszenierte Bombshell die bisher undurchsichtigen Geschehnisse, die sich vor einigen Jahren in der Zentrale von Fox News zugetragen haben sollen. Und – glaubt man dem Film – so ist es eindeutig Zeit, dass dieser riesige Skandal rund um systemischen Sexismus und die massenhafte sexuelle Nötigung weiblicher Angestellter endlich aufgedeckt wird.

Roachs filmische Herangehensweise ähnelt der von Adam McKay (Vice und The Big Short, dessen Autor Charles Randolph auch hier fürs Drehbuch verantwortlich ist): In zügigem Tempo und mittels regelmäßiger Brüche der vierten Wand wird eine dialoglastige und ziemlich tendenziöse Erzählung aufgemacht. Wo das Wort „tendenziös“ aber sonst negativ konnotiert ist, muss es im Fall von Bombshell vielmehr als notwendiges Stilmittel verstanden werden, das die Dringlichkeit und Relevanz dieses Werks unterstreicht. Denn auch, wenn ich üblicherweise ein Freund von ambivalenten Tönen und Graustufen bin, so kann, nein: darf es solche Dinge in diesem Fall nicht geben.

Charlize Theron und John Lithgow in „Bombshell“ © Wild Bunch

Im Zentrum der Anklage steht Fox News CEO Roger Alies (John Lithgow), der sein mehr als nur fragwürdiges Frauenbild hier immer wieder zum Ausdruck bringt: Hübsche Bein müssen sie haben, um vor der Kamera zu stehen. Deshalb am besten auch kurze Röcke tragen. Und die ein oder andere „Gefälligkeit“ sollte ebenfalls drin sein, wenn eine Einstellung oder eine Beförderung durchgewunken werden soll. „Loyalität“ nennt er das dann. Sein neues Opfer wird die frisch eingestellte und aufstrebende Regieassistentin Kayla Pospisil (Margot Robbie), eine der wenigen fiktiven Figuren in Bombshell, die stellvertretend für eineinhalb Dutzend Frauen steht, die Ziel von Ailes‘ aufdringlichen Attacken wurden. Anfangs scheint sie das noch abschütteln zu können, doch schon bald zeigen sich die langfristigen psychischen Schäden, die derartige Übergriffe zur Folge haben.

Nicole Kidmans Figur, die Moderatorin Gretchen Carlson, befindet sich am anderen Ende dieses Spektrums: Sie wird zu Beginn des Films gefeuert, weil sie aufgrund vergangener Ereignisse eine Klage gegen Alies anstrebt. Und gibt ihr Ziel auch nach der Entlassung nicht auf, womit sie den Stein des Anstoßes erst ins Rollen bringt. Dieser wird schließlich durch die Moderatorin Megyn Kelly (Charlize Theron) weiter vorangetrieben: Nachdem sich Kelly öffentlich während des Wahlkampfes mit Donald Trump angelegt hat, sucht sie einerseits nach Frauen, die von Alies belästigt wurden. Andererseits versucht sie, irgendwie eine feste Position innerhalb dieses Unternehmens zu finden, das ihr ihr Einkommen sichert – zugleich aber höchst toxisch ist.

Angesichts seines hohen Tempos, seiner Dichte an Dialogen, Informationen, Institutionen und Personen, die eine Rolle spielen, ist Bombshell ein bisweilen recht anstrengender Film, der an die Werke von Aaron Sorkin (Molly’s Game, The Newsroom) erinnert. Dessen Qualitäten erreicht er zwar nicht, doch ist das Ganze noch immer ausreichend, um einen packenden Stream of Consciousness zu erzeugen, der immer wieder durch schockierende, ekelerregende Enthüllungen und Ereignisse mit aller Brutalität durchbrochen wird. Bombshell hat eine dringliche Botschaft – und es ist gut, dass es sie mit einer solchen Deutlichkeit nach vorn rückt. Es geht dabei nicht darum, Männer oder Männlichkeit per se anzuklagen (dagegen sprechen die positiven Männerfiguren), so wie es von reaktionären #MeToo-Verächtern gern behauptet wird. Bombshell will vielmehr die Perspektive der Opfer darlegen, Aufmerksamkeit erzeugen und deutlich machen, wo die systemischen Fehler liegen und warum es eben kein Kavaliersdelikt ist, Frauen unter den Rock zu fassen, sie auf ihr Aussehen zu reduzieren, mit ungewollten, anzüglichen Bemerkungen zu überhäufen – oder gar schlimmeres. Das ist, aus filmischer Sicht, nicht immer vollends gelungen, schlägt ab und an auch mal ins Pathetische um. Und doch sollte dieser Film – gerade von Männern – gesehen werden.

Bombshell läuft ab dem 13. Februar 2020 im Kino.

Bilder & Trailer: © Wild Bunch

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