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Meine Top 20 Filme 2021 – Platz 10 bis 1

Teil zwei meines filmischen Jahresrückblicks (hier geht’s zu Part eins). Vorausgeschickt sei noch, dass wir dieses Thema natürlich auch in unserem Podcast aufgreifen werden, der Rückblick lässt allerdings noch etwas auf sich warten. Wer ausführlichere Meinungen zu den auftauchenden Filmen hören möchte und/oder sich nicht spoilern lassen will, wartet bis zum 14. bzw. 28. Januar, wenn Teil 1 und 2 des großen Kinotagesstätte-Jahresrückblicks 2021 erscheinen.

Platz 10: Bad Luck Banging or Loony Porn

„What the fuck was that?!“, war mein erster Gedanke, als der Abspann des Gewinners der diesjährigen Berlinale anlief. Die rumänische Produktion ist ein wunderbar absurder Clusterfuck in drei Teilen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Vordergründig geht es um eine Lehrerin, deren Sextape im Internet gelandet ist, im Kern jedoch ist das hier eine vor bitterbösem Hohn triefende Satire über den aktuellen Stand unserer und speziell der rumänischen Gesellschaft. Muss man gesehen haben, um ihn zu erfassen – aber dürfte ihn selbst dann noch nicht begriffen haben.

Bad Luck Banging or Loony Porn (c) microFilm

Platz 9: The Green Knight

Die Anti-Heldenerzählung rund um einen von Dev Patel gespielten englischen Ritter ist neben Dune einer der visuell eindrucksvollsten Filme des Jahres – allerdings noch ruhiger respektive schleppender als der SciFi-Film erzählt. Der Bilder strotzen vor Epik, die Geschichte hingegen lässt sie komplett vermissen – und genau dieser dekonstruktive Umgang mit der Ritterromantik ist das, was mir The Green Knight nachhaltig ins Gedächtnis gezimmert hat.

The Green Knight (c) Telepool / 24 Bilder

Platz 8: Der Rausch

Unter dem Mantel eines wissenschaftlichen Experiments halten vier Lehrer von morgens bis abends einen Alkoholpegel von 0,5 Promille – und wollen bald noch höher gehen. Mads Mikkelsen glänzt, genau wie das Drehbuch, das sich auf ziemlich kluge und zugleich witzige Art und Weise mit der Volksdroge Nummer eins, mit Sucht und deren gesellschaftlicher Akzeptanz auseinandersetzt.

Der Rausch (c) Weltkino

Platz 7: First Cow

Angesiedelt im 19. Jahrhundert erzählt Kelly Reichardt von zwei Männern, die im ruralen Oregon festsitzen, wo die westliche Zivilisation gerade Einzug hält. Als die erste Kuh herbeigebracht wird, melken sie sie heimlich nachts, um aus der Milch Gebäck herzustellen und damit ein Geschäft aufzuziehen. Ein wunderbar entschleunigter, sinnlicher Film, der ein Genre-untypisches Männerbild zeigt und die kleinen Freuden im Leben in den Vordergrund rückt.

First Cow (c) A24/Mubi

Platz 6: Belle

Der neue Film von Mamoru Hosoda läuft hierzulande wohl erst im Frühjahr an, ich kann aber schon mal vorausschicken, dass hier ein echt toller Streifen auf euch wartet. Belle ist im Prinzip eine Mischung aus Ready Player One und Die Schöne und das Biest, macht aus dieser Mixtur aber so viel mehr, als man anfangs denken mag. Wie schon in Summer Wars geht es hier wieder um eine virtuelle Welt, die aber weder Utopie noch Dystopie ist, sondern beides gleichzeitig. Und exakt diese Zweiseitigkeit, diesen Kontrast spiegelt Belle auch auf so vielen anderen Ebenen wieder. Und ist gleichzeitig noch ein optisches Brett.

Belle (c) Studio Chizu

Platz 5: Minari

Eine Familie mit koreanischen Wurzeln lässt sich im Arkansas der 1980er-Jahre wieder. Wo man nun ein Drama rund ums Thema Rassismus erwarten könnte, spielt dieser überhaupt keine Rolle, im Gegenteil werden die Yis sogar von allen herzlich willkommen geheißen. Beim Aufbau ihrer eigenen Existenz – der Vater will unbedingt Landwirt werden – gibt es jedoch viele Hindernisse seitens der Natur. Eine nachdenklich stimmende, aber doch unfassbar warmherzige Auseinandersetzung mit dem American Dream, dem Konstrukt Familie und dem Leben an sich.

(c) Prokino / Studiocanal

Platz 4: The Father

Ich hatte ein Drama mit Demenz-Thematik nach klassischer Machart erwartet – und wurde umso mehr von The Father überrascht. Vor allem von seiner Struktur, die Zeit, Ort, Personen und Ereignisse durcheinanderwirbelt, kreuzt und iteriert und damit den Geisteszustand des von Anthony Hopkins so großartig gespielten titelgebenden Vaters widerspiegeln will. Am Ende und nach zwei effektiven Tränendrückermomenten stand sofort fest: Der landet in meinen Top fünf.

The Father (c) tobis Filmverleih

Platz 3: Dark Day

Hallelujah – das war die Überraschung des Jahres: ein von einem Mann geschriebener, inszenierter, gespielter und produzierter Film über einen Mitarbeiter des deutschen Geheimdienstes, der täglich seine Zeit in einem Keller neben dem Roten Telefon, der Schnittstelle zwischen Washington und Moskau, absitzt. Bis zum 11. September 2001. Ich hatte eine Katastrophe erwartet – und bekam ein Juwel. Klar, inszenatorisch ist noch viel Luft nach oben. Doch das Schauspiel von Farhad Shahed ist so wunderbar schräg, das Drehbuch ein kleines Meisterwerk, der Humor zündet. All das wird getragen von krasser (Über-)Ambition, kreativem Selbstbewusstsein und der schlichten Liebe zum Medium Film. Mal im Ernst: Gebt diesem Film eine Chance!

Dark Day (c) Farhad Shahed

Platz 2: Pleasure

Eine junge Schwedin reist nach Los Angeles, um der nächste große Pornostar zu werden – und muss bald erkennen, dass es auch in dieser Branche hauptsächlich um Macht geht. Doch halt! Pleasure ist keine platte Abrechnung mit der Pornoindustrie, sondern zeichnet ein wahnsinnig ambivalentes Bild der selbigen – und ist obendrein noch extrem dynamisch und stilsicher inszeniert. Wie hier Sex gezeigt wird, ohne das Sex explizit gezeigt wird, ist ziemlich beeindruckend. Aber letzteres gilt ohnehin für den gesamten Film.

Pleasure (c) Weltkino

Platz 1: Titane

Kein anderer Film hat mich 2021 so verwirrt, zerstört, erschöpft und – Verzeihung – hirngefickt zurückgelassen wie Titane. Und wenn einem Film so etwas gelingt, dann verehre ich ihn dafür. Titane hat sämtliche meiner Erwartungen immer und immer wieder unterlaufen, mich zunächst mit unfassbarer Brutalität schockiert, mich im Anschluss eine ganz und gar ungewöhnliche Beziehung zweier zerstörter Seelen miterleben lassen, nur um mir am Ende den Rest zu geben. Ja ja, ich weiß, fünf Euro ins Phrasenschwein, aber das ist hier tatsächlich eine „Tour de force“, und zwar eine virtuos inszenierte, grandios gespielte und packend erzählte. Wenn ein Film derart viel Eindruck hinterlässt, dann hat er sich meinen Spitzenplatz redlich verdient.

Titane (c) Koch Films

8 Kommentare zu „Meine Top 20 Filme 2021 – Platz 10 bis 1 Hinterlasse einen Kommentar

  1. „The Green Knight“, „Dark Day“ und „Titane“ habe ich im alten Jahr leider nicht mehr geschafft, aber nachgeholt werden müssen die drei auf jeden Fall.
    Ich finde es sehr angenehm, wie wenig Blockbuster in deiner Top-Liste stehen.

    Gefällt 1 Person

  2. Schade, „Bad Luck Banging or Loony Porn“ habe ich auf der Berlinale verpasst. Klingt aber definitiv nach einem Film der mir gefallen könnte, allein von dem, was Du kurz schreibst. Kommt da noch was Ausführlicheres? „The Green Knight“ will ich eigentlich auch noch sehen. Okay und „Dark Day“ will ich jetzt – nachdem er hier auftaucht – auch unbedingt sehen. „First Cow“ war auf meiner Bestenliste vom letzten Jahr, „The Father“ und natürlich „Titane“ werden sicher auf meiner Top Ten 2021 landen.

    Gefällt 1 Person

    • Zu Bad Luck kommt nix Ausführliches mehr – da fehlen mir ein bisschen die Worte. Aber gern nächste Woche in den Jahresrückblicks-Podcast reinhören.
      „Dark Day“ gibt’s nach wie vor nur auf Vimeo zur Leihe, falls du nicht weißt, wo du ihn findest 🙂

      Gefällt 1 Person

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